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April 10, 2020

8_Peter Zumthor – Ich will nicht mehr zurück

Susanne Barta

Dieses Projekt ist aus einem Gespräch mit meiner sehr geschätzten Künstlerin-Freundin Gabriela Oberkofler entstanden. Es sind Momentaufnahmen aus dem Corona-Alltag von Menschen, die mir in dieser Zeit in den Sinn gekommen sind und die aus unterschiedlichen Perspektiven beschreiben, was sie beobachten. In einem zweiten Moment einige Monate später, werden sie ausführen, wie sich „Nach-Corona“ anfühlt und was sie nun beobachten. Begleitet werden die Aufzeichnungen von Gabrielas Zeichnungen und dem für mich sehr passenden Zitat von Karl Valentin. 

 

Peter Zumthor gehört zu den wichtigsten Architekten unserer Zeit. Seit ich das erste Mal ein Gebäude von ihm betreten habe, bin ich Fan von ihm. Seine Architektur ist für mich Ausdruck von Eigenwilligkeit, Formgefühl und Einfühlsamkeit in den Kontext. Man muss viel von Menschen verstehen, um so zu bauen wie er. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass er sich bereit erklärt hat, hier dabei zu sein.  Peter Zumthor newspaper + soup

Aufgezeichnet am 28. März 2020

Wenn ich auf den beruflichen Alltag schaue, dann hat diese Zeit gute Auswirkungen. Wir haben uns zunächst mal auf Räume aufgeteilt, immer zu zweien und dreien. Gott sei Dank habe ich hier im Dorf genügend Räume. Wir arbeiten jetzt in Gruppen. Zum Teil sind wir in Sichtkontakt quer über den Hof. Ich selber kommuniziere mit meinen Leuten vor allem über elektronische Medien. Ich lerne mit den neuen Medien umzugehen. Das ist ein schöner Nebeneffekt. Ich geniesse es schon seit einiger Zeit, mit unseren Arbeitspartnern in den USA am Bildschirm zu kommunizieren. Diese Art des professionellen Austausches ist nun intensiver geworden. Wir schauen uns Pläne an, diskutieren Details, meine Gesprächspartner, die Ingenieure und Bauleiter, sitzen in San Francisco, New York oder Texas und ich in Haldenstein. Irgendwie ist diese Art der Kommunikation fokussierter als vorher, als wir uns alle noch über Pläne aus Papier beugten, eine neue Konzentration ist entstanden und vor allem: Wir müssen viel weniger reisen!

Und dann gibt es schöne Treffen im Garten. Wir reden miteinander mit zwei Metern Distanz und legen die Pläne auf den Gartentisch. Das geht gut. Die wunderbaren Frühlingstage helfen. Aber gerne würde ich meine Grosskinder herzen, das fehlt mir. 

Das wissen wir schon lange, die Welt ist ein globales Dorf. Aber jetzt, wo vieles stillsteht, merke ich, in was für einem irrsinnig dichten Netzwerk von Abhängigkeiten, Verpflichtungen und Angeboten ich bis vor Kurzem gelebt habe. So kann es nicht weitergehen.

Zeichnung: Gabriela Oberkofler 
Fotos © Peter Zumthor  

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