Music

February 15, 2024

Barbian und sein „Bum Bum“: der VirusClub

Max Silbernagl

In Barbian hat das „Bum Bum“ namens Techno lange Tradition. Seit den Neunzigerjahren hat der Verein Tschernai mit seinen „Caserorgasmen“ im Dorf den Weg für coole Events und hauptsächlich Techno- und Goa-Feten geebnet. Virus treten so ein bisschen in ihre Fußstapfen und führen diese Tradition fort, auch wenn man sagen muss, dass sie mit der Goa-Tradition gebrochen haben und auch generell ein bisschen anders sein wollen, wie sie uns mit einem Grinsen auf dem Gesicht erzählen.

Bekannt ist der VirusClub hauptsächlich für die Organisation des alljährlichen Föhrentanzes, wie sie selbst sagen, aber auch für Kleidertauschpartys, Flohmärkte, Lesungen und anderem mehr. Sie sind ein bunter Haufen von etwa 22 Freund*innen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, künstlerische Freiräume zu schaffen und einen offenen Dialog zu fördern. Über die Entstehungsgeschichte und wie die Mitglieder den Verein in Zukunft sehen, erzählen uns Anton van Gerven, Manuel Gafriller und Werner Seelaus im Interview. 

Wann wurde Virus gegründet und wie kam es zu diesem wohlklingenden Namen?

Werner Seelaus: Angefangen hat alles 2013, weil der Verein Tschernai keinen Bock mehr hatte, die Silvesterparty im Vereinshaus von Barbian zu schmeißen, und da sind dann wir eingesprungen. Was die Namensfindung betrifft, ist man sich nicht ganz einig; ich glaube aber, dass wir von einem anderen Verein in der Nachbarschaft sozusagen inspiriert worden sind: Dieser Verein heißt „Labor“ und wir dachten uns, in ein Labor passt doch sicher auch ein Virus … wahrscheinlich war es vielleicht auch nur blödes Gerede, das uns dann einfach in Erinnerung geblieben ist. [lacht]

Manuel Gafriller: Vielleicht geht’s auch auf den Synthesizer Virus zurück, der in unserem Probenraum, also dem Vereinslokal herumsteht. Das könnte auch sein. Man merkt schon, über die Gründungslegende kann man sich gut streiten … [lacht]VirusClub Barbian

Wie seit ihr denn auf Föhrentanz gekommen?

Werner: Eher durch einen Zufall sind wir für ein Fest auf den Sportplatz in Barbian ausgewichen, haben bei den Vorbereitungen den daneben liegenden Föhrenwald gesehen und schließlich herausgefunden, dass es darin eine größere Lichtung gibt – ideal für Veranstaltungen. So kam es, dass wir unsere Fete vom geplanten Standort in den genannten Wald verschoben haben und schließlich endlich, abgesehen von der Silvesterparty, im Sommer 2018 erstmals im Freien die lang geplante Fete konkret geworden ist – und zum jährlichen Fixtermin und zu einer unserer bekanntesten Feten. 

Manuel: Genau und eine weitere wichtige Motivation war sicher auch, ein paar neuen, hauptsächlich elektronischen Musikrichtungen Platz und Gehör zu verschaffen, denn zu dieser Zeit war auf den meisten Feten nur Progressive und Goa zu erleben und wir wollten mit unserer Fete das Musikspektrum ein bisschen auftun.

Gibt es schon ein Jahresprogramm für 2024?

Anton van Gerven: Ja, einen gewissen Faden für 2024 haben wir: Am 21. und 22. Juni gibt es wieder was auf die Ohren: Eine eine neue Auflage von Föhrentanz steht an. Im April organisieren wir „KonsUmwelt“, eine Kleidertauschparty mit Diskussionen und Vorträgen über umweltbewusste Lebensweisen. Weiters wollen wir auch Workshops zu den Themen der elektronischen Musikproduktion und der Videoproduktion anbieten sowie Jamsessions und den kreativen Gedankenaustausch im Probenraum fördern.

Manuel: … lass mich noch was hinzufügen: Freut euch auf unser Jahr, es verheißt viel Spiel und Spaß, euer VKE. [lacht] 

Coole Sache, wie kommt man denn zum Jahresprogramm? 

Werner: Kirchenblatt, Brief oder man kann es auch als Pdf herunterladen und ansonsten sind wir eher verschwiegen. [lacht] Nein, Scherz, natürlich sind wir auf allen möglichen und unmöglichen Social-Media-Seiten vertreten, wie zum Beispiel facebook.com/VirusBarbian und instagram.com/virusclub_ oder meldet euch bei virusbarbian@gmail.com, wir sind für Vorschläge und Kooperationen immer offen und halten euch gerne auf dem Laufenden.

Welche Pläne oder Ziele will der VirusClub noch verwirklichen? 

Anton: Ziele gibt es viele, ganze Massen und es kommen immer wieder neue hinzu. Es fehlt meiner Meinung nach nur ein bisschen an der Umsetzung. Eines unserer Ziele ist sicher, uns nach außen zu öffnen und mit anderen Organisationen und Vereinen zusammenzuarbeiten, mit Leuten bzw. Medien zu sprechen, nach neuen Mitgliedern mit neuen Ideen oder neuen Anstößen Ausschau zu halten und einfach einen Experimentiereraum für andere musikalische Genrees bereitzustellen.  

Manuel: Hinzuzufügen ist, dass uns das Thema Upcycling, um ein modernes Wort zu verwenden, ziemlich am Herzen liegt. Also dass etwas Altes, Unbequemes zu etwas Neuem, noch viel Unbequemeren und Unhandlichem gemacht wird. [lacht] Aus diesem Grund wollen wir auch in Zukunft einen Upcycling Workshop anbieten.VirusClub Barbian SnacksStichwort Upcycling: Was hat es denn mit dem Snackautomaten und mit der DJ-Kuppel auf sich? 

Manuel: Das war mein Corona-Projekt. Aus einem alten Schrank und ein paar Plexiglasscheiben, einem Motor und einem Kaugummiautomatendreher mit Münzfach ist ein Snackautomat für den Probenraum und dann unser Vereinslokal geworden. – Um zu verhindern, dass Leute immer wieder offene Chipstüten stehen lassen und das gute Zeug dann wegschmissen werden muss, kann man jetzt nur eine Portion herausnehmen, wohlwissend, dass diese dann gegessen wird. …wobei das Türchen nicht immer funktioniert … [lacht] Seit Neuesten gibt es sogar Instant-Nudeln, also kommt vorbei! [lacht]

Anton: Ein weiteres Projekt war die Kuppel, die wir aus vielen Lettlis, einem Hagelnetz und haufenweise CDs zusammengezimmert haben. Wir hatten Glück, denn aufgrund von Umbauten verschiedener Hotels kamen wir zu Sperrmüll und auch zu Sachspenden vieler verschiedener Leute und konnten das Projekt relativ kostengünstig zusammenzimmern. Auch wenn ich sagen muss, ich hätte es lieber ohne Hagelnetz und ohne CDs gemacht, denn das war einfach nur eine Scheißarbeit. [lacht] Während der Arbeit sind wir tief gestiegen und auf etliche Schmankerln des deutschen Schlagers gestoßen, haben uns mit ausgesuchten Hörproben und Albumscovers köstlich amüsiert und gekonnt fortgebildet. [lacht] Am Ende haben wir für diese Kuppel über 600 Lettlis und 3.000 CDs verarbeitet und sie bei verschiedenen Veranstaltungen, wie z. B. Föhrentanz, Görentanz (nur mit weiblichen DJs) aufgebaut und darin gefeiert. Generell ist zu sagen, dass fast alles, was bei unseren Veranstaltungen als Deko oder als Hilfsmittel zu sehen ist, ist selbstgemacht, und das finde ich schon ziemlich nice.

Fotos: © VirusClub

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