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January 18, 2023

Nachhaltig einkaufen?

Susanne Barta

In der Zeit vor Weihnachten ist besonders viel los in den meisten Geschäften. Das schien mir ein guter Anlass zu sein, einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben, was da so abgeht. Nicht als Kundin, sondern als Verkäuferin. Schon länger wollte ich mir aus der Nähe ansehen, ob Produkte vor allem deswegen gekauft werden, weil sie nachhaltig(er) und fair(er) produziert werden, die Kaufentscheidung also bewusster getroffen wird. Auch hat mich interessiert, was so gekauft wird und was es heißt, in einem Geschäft mitzuarbeiten. Kauri-Co-Gründer Daniel Tocca hat sich darauf eingelassen und so war ich im Dezember dreimal wöchentlich in den Kauri Sustainable Concept Stores in Bozen, Meran und Brixen anzutreffen.kauri_erfahrung 2+3 (c) susanne bartaGleich vorweg: Sehr schnell war klar, dass niemand etwas kauft, was ihr/ihm nicht wirklich gut gefällt, ganz egal wie gut und fair es produziert wurde. Ästhetik steht an erster Stelle, wo und wie das Stück produziert wurde ist ein Add-on, das für einige aber sehr wichtig ist. Vor allem für junge Leute. 

Schon an den Tragetaschen, mit denen die Leute hereingekommen sind, ließ sich ablesen, was Sache ist. In den Bozner Store werden viele Leute einfach „hereingespült“ durch die Prime-Lage unter den Lauben. Manche sind dann überrascht, dass Basic-Teile hier um einiges mehr kosten, als in den großen Ketten der Innenstadt. Aber doch einige kamen ganz bewusst ins Geschäft, weil sie den Stil mögen, aber auch Wert darauflegen, etwas Besseres einzukaufen. Der unselige Weihnachtsmarkt karrt ja Unmengen von Menschen in die Städte, interessant war zu beobachten, dass deutsche Tourist*innen zum Thema nachhaltige Bekleidung um einiges informierter und sensibilisierter sind als italienische. kauri_erfahrung_3+4 (c) susanne bartaImmer wieder habe ich auch Leute direkt angesprochen. Ein älteres Paar zum Beispiel wurde von den Kindern in den Kauri Store geschickt um für Weihnachten Geschenke zu kaufen. Die beiden meinten, sie könnten da noch viel lernen. Vor allem junge Leute wissen ein zeitgemäßes, nachhaltiges Angebot zu schätzen. Hier hat sich wirklich etwas verändert. Ab und an hat mich aber auch ein etwas mulmiges Gefühl beschlichen, ob nachhaltige Mode nicht bisweilen wie Fast-Fashion konsumiert wird? Zumindest von denen, die es sich leisten können? Denn es wird viel eingekauft. Das nachhaltigste Kleidungsstück ist ja nach wie vor das, das bereits im Kleiderschrank hängt. Ob wir jemals rauskommen aus der sich immer schneller drehenden Konsum-Spirale? Jedes neu produzierte Kleidungsstück, egal ob nachhaltig oder konventionell, verbraucht nun mal sehr viele Ressourcen. kauri_erfahrung_6+7 (c) susanne bartaDie Kauri Stores bieten eine Auswahl an nachhaltiger und fairer Mode für Damen und Herren, dabei eine gute Auswahl für junge Leute, Baby- und Kinderbekleidung, Accessoires und Kosmetik, in Bozen auch einige Interior-Produkte. Es war nicht einfach hier in kurzer Zeit halbwegs einen Überblick zu bekommen. Auch wo was gelagert wird, wo die entsprechenden Größen zu finden sind. Ich habe aufgeräumt, abgestaubt, Kleiderlieferungen eingeräumt, geordnet, sehr viele Geschenke verpackt, Leute beraten, bin hin- und hergelaufen, habe Größen gesucht … Es ist eine anstrengende Arbeit. Den ganzen Tag stehen ist gewöhnungsbedürftig, es gibt ständig etwas zu tun, wenn niemand da ist, wird geputzt, eingeräumt, geordnet oder Bürokratisches erledigt. Wenn das Geschäft voll ist, dann heißt es den Überblick nicht zu verlieren und alle so zu bedienen, dass sie zufrieden wieder hinaus gehen. Für die Mitarbeiter*innen eines nachhaltigen Geschäfts heißt es auch, viel mehr zu wissen über die Produkte, als das in konventionellen Geschäften üblich ist, sich also mit dem Thema einer nachhaltigen und fairen Produktion auseinanderzusetzen. Und jede Brand geht da andere Wege. Einige Kund*innen sind sehr gut informiert, da kann man nicht mit Floskeln daherkommen. kauri_erfahrung_8+9 (c) susanne bartaDie Gehälter im Handel sind ja alles andere als grandios. Wirklich skandalös aber finde ich die hohen Mieten. Um die halbwegs stemmen zu können, wird gespart, wo es eben möglich ist, auch bei den Mitarbeiter*innen. Und es muss verkauft werden. Das Konsumrad muss sich drehen und zwar möglichst schnell. Egal ob es sich um konventionelle oder nachhaltige Produkte handelt. Und da beißt sich die (nachhaltige) Katze natürlich ziemlich schnell in den Schwanz. Die hohen Mieten ziehen auch nach sich, dass Städte allmählich ihre Identität verlieren und im ästhetischen Einheitsbrei unterzugehen drohen. Kleine Realitäten, Slow-Angebote haben kaum eine Chance, es regieren die (Billig-) Ketten. Noch ist hier leider keine Umkehr, kein Umdenken in Sicht.

Jedes Produkt, das wir neu kaufen, belastet die lokale und globale CO2-Bilanz. Daher ist es umso wichtiger, sich zu überlegen, was man wirklich möchte und braucht und ob es vielleicht auch eine Möglichkeit gibt, das Kleidungsstück oder die Möbel oder was auch immer secondhand zu finden. Und wenn neu gekauft wird, dann möglichst Brands unterstützen, die besser und fairer produzieren. Ich kaufe vor allem Basic-Teile, Unterwäsche und Socken neu und da bieten die Kauri Stores eine schöne Auswahl.kauri_erfahrung_10+11 (c) susanne bartaIch gestehe, ich war nicht unglücklich als am 23.12. abends meine Shop-Erfahrung endete. Es hat mir gefehlt, untertags mal was zu lesen, über was nachzudenken, sich die Zeit selbstständig einteilen zu können. Umso mehr weiß ich zu schätzen, wenn ich als Kundin freundlich und sachkundig bedient werde. Alle Mitarbeiterinnen der Kauri Stores, die ich kennengelernt habe, zeichnen sich nicht nur durch Professionalität aus, sondern auch durch großen Einsatz und Enthusiasmus für die Sache. Ein großer Dank an Sigrid, Elena, Rosi, Elisabeth, Christiane, Anna, Edith, Daniela, Alessia und Lisa für ihre Bereitschaft mir viel zu zeigen und zu erzählen. Danke auch für ihre Geduld. Und natürlich ein Dank an Daniel für die Möglichkeit in den Stores mitzuarbeiten.

Alle Fotos: © Susanne Barta
(1) mit dem Weinproduzenten Manni Nössing und seiner Frau Martha, beide sind Kauri-Stammkunden;
(4) mit Katja Insam, Verantwortliche für die Biolife Messe Bozen;
(6) Lisa arbeitet im Kauri Store Meran;
(7) offizielle Eröffnung des Kauri Stores Meran; 
(8) Sigrid leitet den Kauri Store Bozen;
(9) Kauri-Brixen-Leiterin Christiane (links) mit Lehrmädchen Alessia; 
(10) Christiane im Kauri-Outfit.

 

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There are 2 comments for this article.
  • Daniel Tocca · 

    Danke Susanne fuer den tollen Beitrag!
    Ich denke Kauristore ist genau da um ein Umdenken zu schaffen. Es ist utopisch zu denken, dass nur mehr 2nd Hand gekauft wird. Mode und neue Tendenzen wird es immer geben und das finde ich auch toll. Was wir aber nicht toll finden ist der uebermaessig schnelle Konsum, die Kollektionen die jedes Monat neu sein muessen und andauernde Angebote damit der Kunde fast gezwungen wird zum kaufen. Der Durchschnittskonsum fuer Mode in den USA liegt laut Statistiken bei mehr als 70 Kleidungsstuecken pro Person pro Monat. In Europa ist es sicherlich aehnlich. Gegen all diesen Sachen kaempfen wir und ich denke wir koennen eine gute Alternative fuer den Kunden sein der etwas anderes sucht.

    P.s: Die Arbeit ist streng weil sie vielleicht nicht genau deine Arbeit war. Ich liebe es im SHOP die Kunden zu beraten und komme immer sehr gluecklich am Abend heim dabei :)

    • Susanne Maria Barta · 

      Klar. Wir werden nicht aufhören zu konsumieren, umso wichtiger, dass wir es bewusster machen… und schön, dass die entsprechenden Angebote mehr werden.

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