Music

May 18, 2021

Wie schwarze Rosen: Der neue Track von Another Vision

Florian Rabatscher

Ein von mir heiß erwartetes Album scheint immer näher zu kommen, denn die zwei Innsbrucker Moritz Kristmann und Michael Schmücking haben wieder einmal abgeliefert – zwei Herren, die den meisten vielleicht eher unter dem Namen Another Vision bekannt sein dürften. Welchen Sound sie fabrizieren, ist allerdings immer noch nicht so leicht zu beantworten. Diese beiden Künstler werfen die alte nervige Genre-Frage mit jedem Release gekonnt über den Haufen. Bereits seit 2015 beglücken sie uns mit ständig wechselnden Klängen. Man könnte sie musikalisch fast schon mit Chamäleons vergleichen, was aber bei diesem neuen Release wahrscheinlich nicht zutrifft, da der Wechsel zu auffälligen Farben und Mustern bei diesen Tieren die Bereitschaft zur Paarung signalisiert. Farbenfroh ist der neue Song auf jeden Fall, aber die Inspiration dazu natürlich weniger pikant.

Die Idee zum Track „Head In The Clouds“ entstand nämlich aufgrund des völligen Fehlens einer Inspiration: Kreativ komplett ausgelaugt von der Arbeit der zweiten EP, hatte Moritz an einem Abend im November 2019 wieder einmal den Kopf frei, worauf dieses Schmuckstück entstand. Und wie sagt man so schön: Der Rest ist Geschichte. Was aber letztendlich dabei herauskam, ist ein Song der nicht radiotauglicher sein könnte. Dazu ein Refrain mit einem derartigen Mitsingcharakter, dass er wahrscheinlich der neue Hit in japanischen Karaoke-Bars wird. – Eine völlig neue Linie, die sie da fahren? Nicht ganz, denn irgendwie ist es mehr als ein stimmungsvoller Pop-Song, was auf den ersten Blick natürlich so scheint. Hinter dem Ganzen verbirgt sich immer noch dieser spezielle Another-Vision-Charakter, wie man ihn bereits kennt. Ihre Mission: Das Gefühl der 80er Jahre gekonnt in unsere Zeit zu verfrachten, auch wenn „Head in the Clouds“ dieses Mal bestimmt auch ein ganz anderes Publikum ansprechen wird. Auch The Cure haben schon mehrmals bewiesen, dass ein Song nicht zwingend düster klingen muss und trotzdem eine gewisse schattenhafte Aura besitzen kann. Nicht mit einer immensen Verwandlungsbreite wie ein Mike Patton, sondern dezent gesetzt.

Ein Happy-Song mit zwei Gesichtern. Wie eine Elvis-Presley-Ballade, die aus einem Radio in einer Irrenanstalt vor sich hin dudelt. Klingt zwar schrecklich, aber zusammen ergibt es ein unbeschreibliches Bild. Ich für meinen Teil liebe solche verwirrenden Gegensätze. Der Klang des Synths setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Allen Old-School-Gamer-Nerds, die ein Nintendo Entertainment System ihr Eigen nennen, sollten diese 8-Bit Sounds vertraut vorkommen. Wie viele Geschichten ihr wohl damit verbindet? Von Pilze essenden Klempnern bis zu Schwert schwingenden Kindern mit spitzen Ohren und Grüner Mütze. Naja, jetzt kommen jedenfalls neue Bilder dazu. Zwei Schamanen im Amazonas, wo einer sogar zwei singende Köpfe des anderen in den Händen hält. Beeindruckende Szenen, die fast schon wie ein Trip wirken, der von einem mystischen Ritual hervorgerufen wurde. Anstatt also irgendwelche dubiosen Friedenspfeifen zu rauchen oder Frösche abzulecken, einfach hier den Play-Button drücken. Der Sound samt Bildern wird euch den Rest geben. Passenderweise erscheint auch im Video nicht alles wie es scheint, denn es wurde natürlich nicht im Amazonas, sondern am Mondsee in Österreich gedreht.

Ja, anscheinend lieben Another Vision es, uns mit ihren Werken zu irritieren. Sie sind wie schwarze Rosen, anmutig und schön aber aufgrund ihrer Farbe zugleich befremdlich. Ich werde immer gespannter, was sich noch alles auf ihrem kommenden Longplayer befinden wird. Aber eines ist schon mal sicher: Wir werden verblüfft sein.  

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