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January 8, 2020

#letschangethatfashiongametogether

Susanne Barta

Eine Freundin hat mir vor einiger Zeit auf Whatsapp geschrieben, dass ich für sie eine „Sinnfluencerin“ sei. Das Wort hatte ich noch nie gehört, aber die Bedeutung war klar. Ich hab mich gefreut darüber. Meine Google-Recherche ergab, dass sich der Begriff 2019 begann ins Social-Media-Sprachrepertoire zu mischen. Mit Social Media, vor allem Instagram und Youtube, haben Influencer rasant an Bedeutung gewonnen. Zwischen 500 und 5.000 Followern spricht man von Nano-Influencern, bis 30.000 von Micro-Influencern, zwischen 30.000 und 500.000 von Power-Influencern und ab 500.000 von Celebrity-Influencern, habe ich gelesen. Ich krebse so bei 425 herum, also unter Nano.

Als Influencer (deutsch: Beeinflusser, Meinungsmacher) werden Menschen bezeichnet, die in sozialen Netzwerken über Marken berichten oder Produkte präsentieren. Durch ein hohes Ansehen und eine starke Präsenz haben sie einen großen Einfluss auf ihre Follower. Influencer-Marketing ist ein richtig dickes Geschäft geworden für viele, vor allem im Mode-, Kosmetik- und Food-Bereich. Die Szene allerdings wird immer unübersichtlicher, es ist eine solche Schwemme an Influencern unterwegs, dass sich die Bedeutung des Influencer-Marketings wohl wieder etwas abkühlen wird, sagen Experten.

Die Modeindustrie ist verantwortlich für ca. 8,1 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen. Das ist mehr als der internationale Flugverkehr und Schifffahrt zusammen produzieren. Die Klimakrise unseres Planeten scheint bei vielen Influencern bis heute nicht angekommen zu sein. Seit einiger Zeit aber gibt es auch immer mehr Influencer, die Nachhaltigkeit zu ihrem Thema machen. Sie können mit den Big Playern zwar nicht mithalten, aber sie sind da. Instagram Stars wie Chiara Ferragni oder die Kardashians haben großen Einfluss auf das Kaufverhalten ihrer Follower. Sie sind geschäftstüchtig keine Frage, aber auch skrupellos, sie preisen an, was Geld einbringt. Niemand will ein moralinsaurer Spielverderber sein, aber die Frage, die viele, auch mich, beschäftigt, ist: Wie bekommt man die Spannung zwischen Gewissen und Konsum halbwegs hin?

Susanne Barta Foto_2

„The tension between conscience and commerce is nothing new. Neither is the idea that conscious consumption, as a concept, is fundamentally flawed“, schreibt Jasmin Malik Chua auf fashionista.com. Genau das ist der springende Punkt: Wie nachhaltig ist ein Influencer, der den Konsum fördert, wenn auch für nachhaltige und faire Produkte? Die dänische Bloggerin und Influencerin Signe Hansen, ihr habt sie hier schon kennengelernt, hat das sehr ehrlich thematisiert in diesem Blogpost

Die von mir sehr geschätzte Mirjam Smend nennt sich Greenfluencerin. Auf ihrem Blog my-greenstyle und ihrem Messe- und Konferenzformat GREENSTYLE munich, das sie mit ihrem Mann Florens auf die Beine gestellt hat, präsentiert sie nachhaltig produzierende Labels, thematisiert die Situation in der Textilindustrie und unterschiedliche Aspekte von nachhaltiger und fairer Mode. Sie möchte Alternativen aufzeigen, ohne den Zeigefinger zu heben. Geld verdient sie damit nicht. Das gelingt bisher nur sehr wenigen. Geld verdient man mit den herkömmlichen Business-Modellen und genau die gälte es ja zu verändern. Bleibt bisher nur die Querfinanzierung. Sprich, mit andern Jobs die nachhaltige Modesache voranzubringen. Das kann jedoch nicht funktionieren auf Dauer.

Susanne Barta Foto_3

Für mich kann ich nur sagen, ohne Sinn läuft’s in meinem Leben nicht. Zumindest nicht ohne die Suche danach. Es ist das, was mich bis heute antreibt. Ich will niemandem was aufs Auge drücken, aber Menschen zu inspirieren und inspiriert zu werden, das erfüllt mich. Vielleicht ist das ja alles sinnlos angesichts der wenig erfreulichen Situation unseres Planeten. Aber, for the time to be, mache ich weiter. #sinnfluencer #bettertogether #letsmakeecothenewnormal #letschangethatfashiongametogether. Happy 2020! 

Fotos: (1) Pullover > Bolivien, handgestrickt; Rolli > CORA happywear; (2) Bei der Ausstellung „Ist das Mode oder kann das weg? 40 Jahre Vogue Deutschland.“ Zu sehen noch bis 26. Januar in der Villa Stuck in München. Strickjacke > Secondhand; Rolli > CORA happywear; Hose > L´Autre Chose, alt; Stiefel > uralt; (3) Mirjam und ich im Kauri Store nach unserem Workshop „Get changed – Kann nachhaltiger Konsum die Welt verändern?“ 

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