Music

August 19, 2022

… wenn dunkle Stimmen über Gröden …

F. Landra

mmr 02* 

Heut hat mich ein Traum aus dem Schlaf getrieben. Verrückte Begebenheit, leider, wie immer, schwer beschreibbare Szenen, wenn du weißt, was ich mein: … ein Loch, gemütlich warm, schwarz, tief vielleicht, eine Angst, düster, die mich fest nimmt und ich fühl mich … gut. – Interessant eigentlich, die Idee, vor dem Dunklen nicht zu erschrecken, keine Furcht zu haben, mit diesem Gedanken wachte ich auf und verharrte darin, immerhin war das vorhin nur ein Traum – ein guter. Vielleicht können wir als fatalistisch geprägte Wesen einfach nicht anders, als Schwarzweiß-Bösegut-Malen? Ist diese Vorstellung nun romantisch oder naiv …? Ich werd, wie bereits in Episode 1, weiter beobachten und gespannt Vorschläge aus der Musikszene aufsaugen …  

in *mein musik rubrik hat diesmal Hannes Kerschbaumer (geboren 1981 in Brixen, Kompositionsstudien bei Gerd Kühr, Pierluigi Billone und Beat Furrer an der Kunstuniversität Graz, weiterführende Studien bei Georg Friedrich Haas an der HfM Basel)  meinen einen Fragebogen ausgefüllt. Weil anlässlich der Biennale Gherdëina am Samstab, 20. August um 16:00 und 18:00 Uhr in der Fischburg (Castel Gardena) in Wolkenstein vom Grödner Jugendchor Cor di Jëuni Gherdëina seine Mini-Oper „Dark Voices“ uraufgeführt wird.

woran arbeitest du gerade, hannnes? bist du zufrieden, passt’s oder hapert’s noch? 

Ich schreibe gerade an einem neuen Werk für das israelische Meitar Ensemble – einem Kompositionsauftrag der Internationalen Paul Hofhaymer Gesellschaft Salzburg. Läuft soweit ganz gut, die Zeit ist wie immer knapp – aber das gehört dazu. Habe einige Ideen aus älteren Stücken weiterentwickeln können und so eine Perspektive für weitere Werke schaffen können.

welche Stimmung herrscht bei dir im Kompositionsstübchen? 

Stark schwankend ; – ) Es ergeben sich oft Momente, wo bei mir unglaubliche Euphorie aufkommt und dann aber auch wieder die Ernüchterung, wenn ich für bestimmte Ideen nicht die idealen Methoden zur Umsetzung finde. Aber dran bleiben ist das Wichtigste.Hannes Kerschbaumer © rol.art-imagesich schreib ja für franzmagazine, dessen Motto – Achtung Hashtag – #morethanapplesandcows ist. was ist bei dir so alles more than apples and cows?

Als Komponist zeitgenössischer Musik bewege ich mich ständig am Übergang zum Unbekannten. Wenn ich mir so manche Konzertprogramme ansehe, würde ich mit folgendem Hashtag an eine stärkere Präsenz von aktueller Musik in so manchen Konzertsälen appellieren: #morethanmozartandbeethoven

wenn du eine Band oder ein Orchester wärst, wie würdest du heißen? warum?

Ehrlich gesagt:  keine Ahnung. 

ist es schwierig, sich heutzutage im Musikbusiness zu behaupten? was ist deine Strategie? wie schlägst du dich? 

Wie in vielen Bereichen finden heutzutage Veränderungen mit rasanter Geschwindigkeit statt – auch in der neuen Musik. Es ist ein ständiges Fluktuieren. Mir war es immer schon wichtig, dass sich Projekte daraus ergeben, dass Menschen sich an meiner Musik interessieren und aufgrund dessen die Entstehung neuer Werke fördern wollen. Mir waren Business und dessen Dynamiken schon immer suspekt und fremd.

als Komponist hast du ja mit vielen unterschiedlichen Menschen und Leuten zu tun, mit denen du zusammenarbeitest. was nervt dich manchmal? oder gibt’s nur gloriose Momente?

Menschen sind Menschen, deshalb sehr unterschiedlich – und das ist gut so! Deshalb ist es auch meine Aufgabe als Komponist, eine möglichst angenehme Arbeitssituation zu schaffen, sodass Ideen ausgetauscht und umgesetzt werden können.

jetzt haben wir null über deine neue Oper „Dark Voices“ gesprochen. wie kriegen wir das noch hin? 

„dark voices“ könnte vielleicht als eine „Mini-Oper“ bezeichnet werden, indem die fünf Tableaus des Werkes als Szenen aufgefasst werden. Komponiert für die Biennale Gherdëina, hatte ich die spannende Aufgabe, ein neues Werk für den Jugendchor Gröden unter Verwendung von Elektronik zu komponieren. Die Szenen reflektieren das Wesen des Menschen und sind zugleich auch kleine Studien, wie die menschliche Stimme als Chorklang in Verbindung mit elektronischer Mehrkanal-Zuspielung gedacht werden kann. Die Proben mit den Jugendlichen und dem Chorleiter Samuel Runggaldier waren intensiv und spannend zugleich und lassen auf eine tolle Umsetzung meines Werkes schließen.

Sommer oder Winter?

Weder noch. Ich bevorzuge die Jahreszeiten des Werdens und Vergehens – Frühling und Herbst. Die Schönheit von Entstehung und Zerfall haben mich immer schon magisch angezogen. 

schwarz oder weiß?

Schwarz. In der Dunkelheit lassen sich Klänge viel detaillierter und vor allem plastischer wahrnehmen. Deshalb höre ich Musik auch mit geschlossenen Augen. 

Elektro oder Holz oder Blech?

Holz. Der Klang von klingenden Holzkörpern (seien das Streichinstrumente oder auch nicht bearbeitete Holzobjekte) strahlt eine gewisse Wärme aus, die mich immer schon fasziniert hat. 

Fotos: (1) ©Hannes Kerschbaumer; (2) © rol.art-images

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