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November 20, 2012

Gruß vom Krampus! Postkartensammler Günther Kofler über seine große Leidenschaft

Kunigunde Weissenegger

Lang ist es nicht mehr hin – dann kommt er. Der Gefürchtete, der Böse, mit Rute und Ketten und grausligem Gfries. Als Kumpane des Guten, der hingegen Geschenke und Leckereien bringt. Die Rede ist vom Krampus, der am Abend und in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember den Nikolaus durch’s Land begleitet. Einer, den diese finstere Gestalt besonders interessiert, ist Günther Kofler. Seine Postkartensammlung „Gruß vom Krampus“ zeigt die Bozner Stadtgalerie ab kommenden Freitag, 23. November 2012. Günther Kofler erzählt uns im Interview mehr über seine Leidenschaft und seine Kindheitserinnerungen an die fiese Gestalt.
Parallel zur Postkartenausstellung läuft im Stadtmuseum eine Ausstellung von 65 historischen Teufel- und Krampusholzmasken, die bei Festen und Nikolausumzügen in den östlichen Tälern Südtirols und in Osttirol getragen wurden.

Selten kommt der Krampus alleine beziehungsweise umgekehrt: Den Nikolaus begleitet stets ein Krampus. Welche Kindheitserinnerungen haben Sie persönlich an die beiden Kerle?

Die Kindheitserfahrungen waren teils mit Freuden, aber auch mit Ängsten verbunden. In Neumarkt war es wie in vielen anderen Ortschaften Brauch, dass der Nikolaus in Begleitung von Knecht Ruprecht und den Krampus ins Haus kam. Die unmittelbare Nähe dieser “Erscheinungen” war angsteinflößend. Trotzdem hat man die Nase an die Geschäftsauslagen gedrückt, um die vielen Nikolausgaben zu bewundern. Es waren dann Mandarinen, Nüsse-Süßigkeiten und so weiter, die unsere Herzen erfreuten. Ich könnte fast behaupten, dass Nikolaus ein unbeschwerteres Fest war wie das folgende Weihnachtsfest, wo die Vorbereitungen hektischer ausfielen.

In der Ausstellung “Gruß vom Krampus” in der Stadtgalerie Bozen werden 243 Postkarten aus Ihrer Sammlung gezeigt. Ich bin neugierig: Wie kommen Sie zu dieser besonderen Leidenschaft?

Vor zirka 25 Jahren habe ich aus einem Konvolut diverser Postkarten eine Krampuskarte gefischt. Eigentlich die erste dieser Thematik. Sie hat mir so gut gefallen, dass ich weiterhin Ausschau nach Nikolo- beziehungsweise Krampuskarren hielt.

Wie groß ist Ihre Sammlung? Haben Sie auch Postkarten zu anderen Themen? Wo findet man diese Postkarten?

Sie können verstehen, dass die Sammlung in zirka 30 Jahren “gut” angewachsen ist. Ich sammle Adventskarten (wurden ebenso in früheren Zeiten verschickt, aber eher seltener), Krampus-, Nikolaus-, Weihnachts-, Neujahrs- und Ostergrüße, dann Namenstags- und Geburtstagskarten. Schließlich Kunstkarten von diversen Künstlern wie A. Thiele, Feiertag, E. Döcker, E. Platz und so weiter. Vor zirka 20 Jahren fing ich dann an auch Topographie zu sammeln, mit Schwerpunkt Neumarkt und Südtiroler Unterland.

Erzählen Sie uns ein wenig über diese Grußkarten-Tradition, die besonders Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Tirol und Slowenien sehr verbreitet war. Es ging ja nicht nur um ein reines, unschuldiges Karten-Versenden. Die Bilder illustrieren oft Themen aus Politik, Alltagsleben, Technologie, Moderne usw. und sind mit satirischen Zusätzen kommentiert… Warum diese Tradition?

Allgemein haben die Postkarten – ob Gruß oder Topographie – ihre Zulassung 1897 erhalten. Karten, welche vorher von der Post befördert wurden, gelten als Vorläufer. Angefangen hat man in Deutschland und Österreich und dann in den folgenden Jahren nach und nach in ganz Europa. Der Großteil der Karten (von zirka 1902–1910 wurden bereits Milliarden davon verschickt) waren unpolitisch – teils naiv-kitschig. Erst so gegen 1910 wurden relativ viele politische Propagandakarten gedruckt. Vielleicht ahnte man, dass gewisse Mächte den Krieg vorbereiteten. Damals hatten die Menschen nicht allzu viel zu lachen und Juxkarten waren auch eine Möglichkeit, für kurze Augenblicke die Mundwinkel zu heben.
Dass es heutzutage noch so viele gut erhaltene Karten gibt, haben wir hauptsächlich Frauen zu verdanken.

Haben Sie eine Lieblingspostkarte? Beschreiben Sie sie uns ein wenig. Warum gefällt Sie Ihnen besonders?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, doch ist es eine Krampuskarte, wo der Teufel einen Korb voller Herzen in die Hölle leert. Ich finde diese Karte sehr ausdrucksstark und immer sehr aktuell!

Krampus oder Nikolaus? Welcher von beiden ist Ihnen lieber?

Eher Nikolo… Obwohl die beiden “Figuren” zusammen gehören: das Gute, das das Böse zurück weist…!

Der Krampus ist für Sie……? Und der Nikolaus?

Der Krampus ist für mich das Unbewusste, das uns öfters irre führt und versucht und der Nikolaus verkörpert das Gute, das in uns allen schlummert und glücklicherweise auch in Erscheinung tritt. …und das nicht nur am 6. Dezember eines jeden Jahres.

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