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May 30, 2012

Bunker Nr. 14 – der letzte, zugängliche, freistehende Bunker auf Bozner Stadtgebiet

Franz

In den kommenden Wochen präsentiert Franz gemeinsam mit der Architekturstiftung Südtirol sowie dem Architekten Heimo Prünster einen Themenschwerpunkt, der sich mit Bunkern des italienischen Alpenwalls im Südtiroler Kontext beschäftigen wird.

Elektronische Medien sind in ihrer Funktionsweise vergleichbar mit Archiven, sie sind öffentliche Datenbanken, mit dem Vorteil uneingeschränkten Zugangs und der unlimitierten zeitlichen Aufbewahrung, noch dazu ohne die Nebeneffekte chemischer Verwitterungsprozesse.
Bei einem bisher äußerst dürftig dokumentierten Objekt wie dem italienischen Alpenwall interessiert uns daher umso mehr der archivarische Aspekt, dem wir uns in zeitgenössischer Weise anzunähern versuchen. Diskurs und Konfrontation werden als dokumentarische Werkzeuge begriffen, als Räume für Reflexion, die ein kollektives gedankliches Konstrukt oder Behältnis entstehen lassen. Am Ende dieser Auseinandersetzung wird also ein Produkt stehen, das Einzug in das kollektive Erinnerungsbewusstsein halten kann. Der Akt dieser Aufbewahrung kommt damit der etymologischen Bedeutung des Begriffs Bunker sehr nahe – wir bunkern etwas, das noch nicht ernsthaft gebunkert wurde: Bunker.

Der Themenschwerpunkt wird in drei Phasen präsentiert:

Zu Beginn schaffen wir eine Plattform zur Konfrontation, wo wir unterschiedliche Standpunkte zum vom Abriss bedrohten, „letzten“ Bozner Bunker Nr. 14 versammeln. All diese Statements sollen uneingeschränkt und ungefiltert Raum bekommen, um das gesamte Spektrum dieser bisher auch schon sehr emotionalen Diskussion bestmöglich einzufangen. Unabhängig vom weiteren Schicksal dieses Bozner Bunkers wird daraus ein kollektives Erinnerungs-Mal entstehen, das die Zeit überdauern wird.

In der zweiten Phase wird der Architekt Heimo Prünster vertiefend auf das Thema Bunker eingehen und einige Aspekte dieser Bauten aus einer zeitgenössischen, architektonischen Perspektive beleuchten. Dabei kommt eine facettenreiche Militärarchitektur zum Vorschein, deren ingenieurmäßige Architektursprache vom Zeitgeist der architektonischen Moderne geprägt ist.

Abschließend laden Franz und die Architekturstiftung Südtirol alle Interessierten zu einer Diskussionsrunde ein. Dort soll darüber diskutiert werden, welche spezifische Rolle solchen und ähnlichen Relikten in Südtirol zukommt, welcher Umgang mit ihnen im heutigen Kontext sinnvoll erscheint und welche kulturellen Potentiale diesen Bauten inne liegen. Moderiert wird diese Runde von Architekt Carlo Calderan, Chefredakteur bei turris babel, der Zeitschrift der Stiftung der Kammer der Architekten, Raumplaner, Landschaftsplaner und Denkmalpfleger – Bozen.

PHASE 1, DIE STATEMENTS

Weitere Stellungnahmen oder Kommentare sind willkommen.

Thomas Brancaglion, Präsident des Kulturvereins Tandem
Ich hatte das Glück, mit einem richtigen Fachmann, Geometer Ermanno Claudio Adang, den Bunker zu besichtigen, der und …read more…

Angelika Burtscher, Designerin und Kuratorin
Unsere räumliche und gedankliche Landschaft ist von Orten geprägt, die auf Vergangenes verweisen und Erinnerungen auslösen. Wir…read more…

Waltraud Kofler Engl, Direktorin des Amtes für Bau- und Kunstdenkmäler der Autonomen Provinz Bozen Südtirol
Bunker sind, wie andere historische Bauten, Zeitzeugen ihrer Entstehungszeit ihrer Funktion und Geschichte; gebaute …read more…

Heimo Prünster, Architekt
In der Diskussion um Erhalt oder Abbruch des Bunkers Nr. 14 in Bozen offenbart sich ganz klar die Unzulänglichkeit der …read more…

Matthias Schönweger, Künstler und Bunkerbesitzer 
Ist das jemand? …read more… 

Luigi Spagnolli, sindaco di Bolzano
Il Bunker 14 è una testimonianza straordinaria di un’epoca che è durata millenni e che oggi, con l’informatizzazione e la …read more…

Leopold Steurer, Historiker
Die Verteidigung der staatlichen Unabhängigkeit Österreichs und die Verhinderung des „Anschlusses“ war eine Grundkonstante …read more…

Ulrich Stofner, Direktor BLS Business Location Südtirol
Die BLS ist zuständig für Gewerbegebiete von Landesinteresse, die Ausweisung des neuen Gewerbegebietes Einsteinstraße ist …read more…

Umberto Tecchiati, Presidente di Italia Nostra Bolzano
Se l’“Alto Adige“ non mi avesse chiesto un parere riguardo al bunker, temo non mi sarebbe mai venuto in mente di occuparmene. Senza nulla …read more…

Josef Urthaler, Direktor der Abteilung Vermögensverwaltung der Autonomen Provinz Bozen Südtirol
Die Landesregierung hat beschlossen, den Denkmalschutz für 20 Bunker und Verteidigungsanlagen im ganzen Land …read more…

Und einige Bilder (c) Heimo Prünster:

Ansicht des Bunkers Nr.14 von Südosten. Links im Bild die Kaponniere, an die von späteren Nutzern eine Hütte gebaut wurde. An der Oberseite des Bunkers ist die aus Beton gegossene Unterkonstruktion des vorgetäuschten Bauernhausdaches zu sehen.

Rechts im Bild die Kaponniere neben dem westlichen Eingang des Bunkers

An den horizontalen Streifen sind die Tagesschichten der Betongussarbeiten erkennbar

Die vorspringenden Konsolen an der Aussenhülle dienten zur Abstützung einer vorgesetzten Ziegelwand, die ein Bauernhaus vortäuschen sollte

Ein letzter Rest des Fundaments der vorgetäuschten Bauernhausfassade

Im unteren Bereich des vorgetäuschten Fensterausschnitts an der Kaponniere ist die Öffnung der Schiessscharte zu erkennen

Fotos: Heimo Prünster

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