Music

May 9, 2021

Echter als echt: Neues von Elis Noa

Florian Rabatscher

Der 07. Mai 2021, ein besonderer Tag: Zum einen ist es der internationale Tag der Tuba und zum anderen der kuriose „No Pants Day“. Ja, richtig gehört, am ersten Freitag im Mai lassen anscheinend viele Menschen auf der Welt in der Öffentlichkeit die Hosen runter. Herrschaftszeiten! Warum genau man das macht, soll uns an dieser Stelle aber nicht weiter interessieren. Stattdessen gibt es in diesem Jahr noch einen anderen Grund, der diesen Tag so besonders macht: Das Wiener-Brixner Electronic-Soul-Duo Elis Noa ließ, irgendwie passend, auch „die Hosen runter“, aber natürlich nicht im wortwörtlichen Sinn, sondern in Form der ersten Single-Auskopplung aus ihrem kommenden zweiten Album. 

Das schöne Teil nennt sich „Make me think of you“ und hat wieder diese einzigartige warme und relaxte Stimmung, die aber trotzdem für verdächtig viel Unruhe im Körper sorgt. Kein Partysong, der dich wie wild herumzappeln lässt. Vielmehr berührt es irgendetwas Unbekanntes in dir. Auch wenn man nicht zu den Leuten gehört, die an das Konzept einer Seele glauben, kommt man bei diesem Song nicht so leicht davon. Selbst eine menschenähnliche Maschine ohne jegliches Gefühl würde ihn stattdessen als Ohrwurm von äußerst eingängigem Refrain wahrnehmen, während ihr vielleicht doch eine bräunliche Öl-Träne über die metallische Wange rinnt. Elis Noa hat dieses gewisse Etwas, von dem man ja so oft spricht. Diese Stimme, die nicht einfach nur gut klingt, sondern echte Tiefe besitzt, wie einst jene von Nina Simone zum Beispiel. Hört euch ihr Gesangssolo beim Intro von „Feeling Good“ an und ihr versteht, was ich damit meine. Elis Noa ist wahrer Soul der Neuzeit, was auch dem elektronischen Begleit-Sound zu verdanken ist. Auf dem Punkt und unaufdringlich verschmilzt er mit den Gesangslinien, als ob sie siamesische Zwillinge wären, die sich ein Herz teilen und darum nicht getrennt werden dürfen. Elektro-Sound, der dich nicht an Rave-Partys denken lässt, sondern eher an einen einsamen Samurai, der inmitten der Pracht einer japanischen Insel auf seiner Bambusflöte ein Ständchen darbietet und sich anschließend ehrenvoll das Leben nimmt. Wunderschön und trotzdem herzzerreißend.

Doch nun legen wir all die fantasievollen Beschreibungen, die man dem Sound von Elis Noa noch geben könnte, einmal beiseite und besinnen uns auf das, was sie wirklich ausmacht: Das schöne Wörtchen Authentizität. Wenn ich mir das Video zu „Make me think of you“ so anschaue, bin ich mir nicht mehr sicher, ob dort auch nur irgendetwas gespielt ist. Es ist vielleicht nicht spektakulär, aber lässt dich trotzdem nicht los. Diese teils analogen Aufnahmen wirken jedenfalls so ungekünstelt, dass man nicht genau sagen kann, mit welcher Art von Video man es hier zu tun hat. Genauso verhält es sich mit dem Sound, der den beiden scheinbar leicht von der Hand fällt und uns Hörer*innen sehr nah an sie ranlässt. Genau jene Aspekte, die ich bei vielen Musikprojekten vermisse, die leider oft ähnlich echt wie der Eiffelturm in Las Vegas wirken. Den Namen Elis Noa hingegen müsste man fast schon in die offizielle Synonymliste des Wortes „Echtheit“ packen: Dieses Duo ist echter als echt, was echt beeindruckend ist. Ich glaube, man versteht langsam, wie sehr mir dieser Sound gefällt. Gespannt warte ich also auf die weiteren Überraschungen, die das kommende Album sicherlich mit sich bringen wird. 

Bei all dem Gerede über hohe Gefühle vergaß ich fast zu erwähnen, was der Sound von Elis Noa aber vor allem ist: Man könnte bei meinen Beschreibungen ja fast denken, sie würden ständig so packend wie große Balladen von Whitney Houston oder Celine Dion klingen. Keinesfalls. Sie versprühen vielmehr diesen Hauch von R&B-Künstler*innen aus vergangenen Tagen, wie jenen der viel zu früh verstorbenen Aaliyah. Elis Noa sind vor allem eines, nämlich einfach lässig. 

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