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October 8, 2014

Fluchtstrategien von Luisa Roa + Maria Walcher

Kunigunde Weissenegger

Verspüren wir manchmal das Bedürfnis zu flüchten? Was und wo ist für uns Gefängnis? Wie sehen diese, ganz persönlichen Gefängnisse aus? Gelingt es uns aus ihnen auszubrechen? Welche Fluchtstrategien entwickeln wir? – Treten wir ein in die Gefängnismauern der Galerie GefängnisLeCarceri in Kaltern und und schauen, ob uns die Arbeiten von Luisa Roa und Maria Walcher zum Thema “” zu eigenen Fluchtstrategien inspirieren mögen… (Die Ausstellung ist bis 11. Oktober 2014 zu sehen – am Samstag, 11., dem Tag der zeitgenössischen Kunst von H 10 bis 17). – Für die beiden ist Gefängnis nicht nur ein physischer Ort oder eine Institution. Auch der eigene Körper, der Geist oder die Psyche können zum Gefängnis werden; denn das Gefühl der Gefangenschaft kann unter verschiedenen Gegebenheiten auftreten. Mögliche Reaktionen können Flucht, aber auch das Erschaffen eigener kleiner Welten sein, in denen mensch sich Freiräume schafft – nicht nur auf physische, sondern auch auf imaginäre Weise, schlagen sie vor. 

Du sollst dich nicht erinnern. – Mit Kreide und den bloßen Fingern schreibt und kratzt Maria Walcher einen Psalm der Neuzeit auf eine Schiefertafel. Bis zur Erschöpfung. Immer und immer wieder. Vergessen, verdrängen, ausblenden. Bis zum Überschlag ins andere Extrem…

Hmmm… mmmh… hmmm… Summend streift Luisa Roa durch einen Bunker, ambivalenter Schutzbau aus vergangenen Zeiten. Hat sie sich verirrt? Kennt sie den (Flucht-)Weg? Will sie hinaus oder tiefer hinein? Gibt sie auf? Schöpft sie frischen Mut? Verscheucht sie die Geister der Vergangenheit…?… maria walcher - Du sollst dich nicht erinnernMaria Walcher: Du sollst dich nicht erinnern  

Zwei Künstlerinnen, mit sich überschneidenden Arbeitsweisen und gemeinsamen künstlerischen Interessen, jedoch aus unterschiedlichen Umfeldern und Hintergründen nähern sich zusammen einem Thema: Die Ausstellung “Strategies of Escaping” in der Galerie GefängnisLeCarceri ist das Ergebnis ihres Dialogs und ihrer Überlegungen. – Es ist faszinierend, wie die Arbeiten der beiden ineinander überfließen und sich nie auf bloß ein Medium beschränken – der Inhalt, der Gedanke stehen im Mittelpunkt, das Transportmittel ist zweitrangig: aneinander reihen sich Installation, Video, Audio, Performance, Zeichnung, textile Skulpturen. 

Luisa Roa und Maria Walcher: “Ausgehend davon, dass wir in unterschiedlichen Ländern und Kontinenten aufgewachsen sind, haben wir uns gefragt, ob und inwiefern unsere sozialen, familiären und kulturellen Kontexte für uns Gefängnisse darstellen oder uns zur Flucht bewegt haben. Denn Migration aufgrund von wirtschaftlichen und politischen Krisen oder Gewalt, sowie die Sicht der Welt als Dorf –wie es Boris Groys, Nicolas Bourriaud oder Zygmunt Bauman beschreiben – bewirken, dass sich heute Massen von Menschen auf dem Weg befinden. Daher ist auch der Aspekt der Flucht im Sinne von Ortswechsel und Auswanderung Teil dieses Ausstellungsprojektes.” Maria Walcher + Luisa RoaDer Grundriss des Gefängnisses in Kaltern, verstofflicht, als zweite Haut, zum Überziehen… von Maria Walcher. Das Efeu-Gerank, das von Draußen ins Gefängnis flüchtet… von Luisa Roa.

Kennen gelernt haben sie sich während ihres Masterstudiums “Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien” an der Bauhaus-Universität in Weimar: Luisa Roa ist 1979 in Bogota in Kolumbien geboren und aufgewachsen. 2006 hat sie dort das Bachelor-Studium der Künste an der Universidad Distrital Francisco José de Caldas abgeschlossen, seit 2008 trägt sie den Titel der Magistra der Künste der Universidad Nacional de Colombia, bis 2014 hat sie in Weimar Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien studiert und erfolgreich abgeschlossen. Luisa Roa hat diverse Ausstellungen und Projekte in Kolumbien, Großbritannien, Deutschland und Kuba bestritten. Maria Walcher, Jahrgang 1984, aus Brixen in Südtirol hat an der Bauhaus-Universität Weimar dasselbe Studium abgeschlossen. Zuvor hat sie 2010 das Magistra-Studium der Künste an der Universität für angewandte Kunst in Wien absolviert. Ihre Ausstellungen und Projekte trugen sich in Südtirol, Italien, Österreich, Türkei, Mexiko, Bosnien Herzegovina, Schweiz, Deutschland zu.  

Das Ausstellungsprojekt geht weiter und schlägt von Italien eine Brücke nach Kolumbien: Im Herbst 2014 erscheint eine Publikation, die in Bogotá verteilt werden wird. Neben den künstlerischen Positionen der beiden Künstlerinnen haben sich diverse kolumbianische und italienische AutorInnen zum Thema “Strategies  of Escaping” Gedanken gemacht und Texte produziert. 

Fotos: franzmagazine/kg

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