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January 28, 2019

Sich nicht allzu ernst nehmen: Lucas Zanotto – Regisseur, Animator, Produktdesigner, Künstler, Autor

Maria Oberrauch

Der Brixner Filmemacher Lucas Zanotto drehte schon Spots für WimbledonApple, Motorola, Google oder Pilot Pens und ist mit der Entwicklung von Kinder-Apps ziemlich erfolgreich. Seine Animationen sind mit Witz, Kraft und Feinsinn designt: Sie machen Spaß. Nach 20 Jahren im europäischen Ausland zieht es Lucas Zanotto tatsächlich für ein paar Wintermonate nach Südtirol. In Finnland ist es nun mal ziemlich lange dunkel um diese Jahreszeit …

Du kommst ursprünglich aus dem Produktdesign. Irgendwie spürt man diese Verbindung. Die Formensprache ist in vielen deiner Videos zentrales Element und häufig würde man gerne in den Bildschirm greifen und dieses Ding herausziehen und halten und schwenken und rollen, wie es eben vor unseren Augen in deinen Animationen passiert. Wie war dein Weg vom Produktdesign zur Animation? 

Angefangen habe ich in Innsbruck mit einem Architekturstudium, dann aber recht bald verstanden, dass es nicht das Meine ist. So bin ich nach Mailand ins Produktdesign, wo ich auch eine Weile in einer größeren Designagentur gearbeitet habe. In dieser Zeit beschäftigte ich mich parallel schon mit der Produktion kleiner Kurzfilme und Animationen und das war es, was mir ganz einfach am meisten Spaß gemacht hat. 

Lucas Zanotto

Deine Yatatoy-Apps ermöglichen Kindern einen spielerischen Zugang zu Worten, Bildkomposition und Musik. Und wurden unter anderem mit dem Apple Design Award ausgezeichnet. Wie kam es zu Yatatoy?

Vor fünf Jahren hatten meine damals fünfjährige Tochter und ich große Freude an einem japanischen Buch, in dem man zu jedem Buchstaben ein Origami-Tier falten konnte. So kam es zur Überlegung, wie man eine ähnliche haptische Erfahrung auf eine App adaptieren könnte. Das Ergebnis war dann Drawnimal. Ein Programmierer und der Sounddesigner Ulrich Troyer arbeiteten mit mir an der Umsetzung und nachdem Drawnimal ziemlich erfolgreich war, konnten wir mit Miximal weitermachen, haben einige Preise gewonnen und mittlerweile sind wir bei vier Apps und zwei Büchern angelangt. 

Auch das Buch Everimal zum Beispiel, das wirklich sehr schön, liebevoll und schlüssig gemacht ist, wie ich finde. Warum der Schritt zurück zum Gedruckten? 

Der  Verlag Callaway aus New York hatte mich kontaktiert. Ein Buch zu machen war schon immer ein Traum von mir und es in der Hand zu halten ist ein unglaublich schönes Gefühl. Darum arbeite ich auch bereits am nächsten Titel: Foldimal, das dritte, wird eine Mischung aus Geschichte und Origami. Ein Buch ist ein ganz anderes Medium als eine App und man kann sie vielleicht gar nicht miteinander vergleichen. Jedes hat seine Qualitäten und diese gilt es herauszuholen und damit zu spielen. 

everimal_zanotto 

Regisseur, Animator, Produktdesigner, Künstler, Autor … Was bist bzw. machst du sonst noch? 

Ich bin Vater von zwei Mädchen und verbringe möglichst viel Zeit mit meiner Familie. Dadurch dass ich freiberuflich bin und bis vor kurzem das Büro Zuhause hatte, gehen Arbeit und Freizeit oft in einander über. Ich bastle und male viel mit meinen Kindern, ich mache Tests für Projekte, daraus entsteht viel Neues. Und ich mache gern Musik.

Apropos Musik! Mit der neuesten App Bandimal, können Kinder elektronische Sounds komponieren. Welche Rolle spielt Musik für deine Produktionen? 

Eine große, und zwar für alle Arten an Produktionen, die ich mache. Sie macht fast fünfzig Prozent eines Films aus und hat extremen Einfluss darauf, ob etwas gut wird oder nicht. Mit Musik kann man jemanden viel schneller in eine gewisse Stimmung transportieren, deshalb ist es mir sehr wichtig, das Sounddesign immer auf den Punkt zu bringen.

Den roten Faden, der sich durch deine Filme zieht, zieht die installative Arbeit „Eyes“ weiter, hebt das Ganze aber auch auf eine weitere Ebene: Was wir heute tagtäglich auf Bildschirmen aller Art als „einfache“ Animation fast schon übersehen, transformierst du in mechanische und physikalische Konstrukte und verweist darin auf die unendlichen Möglichkeiten, Dinge und Momente wieder aus einem andern Blickwinkel zu betrachten. Was macht gutes Design und gute Animation aus?  

Die Qualität von Ausarbeitung, Materialien, Form und Idee. Ich stelle mir gerne Regeln auf für eine gewisse Welt oder eine gewisse Sprache. Innerhalb dieser versuche ich dann Lösungen zu finden. 

Wer wie du seinen „Signature Look“ gefunden hat, ist heutzutage auch schnell weltweit bekannt. Kommt da Stolz auf? 

Ja, doch, irgendwie schon. Als Kreativer zeigst du ja deine Ansichten und Interpretationen und alles ist ein Teil von dir. Wenn das gut ankommt, ist Stolz schon auch dabei …

Bist du ein Gute-Laune-Entwickler?

Ich will mich selbst einfach nicht allzu ernst nehmen und finde ein bisschen Witz schon wichtig. Das verkorkste Künstlerdasein ist nicht so das Meine. Wenn man zum Beispiel „Eyes“ hernimmt, dann ist es im Grunde sehr einfach, fast dumm. Aber es hat schon was, wenn ein kleines Schmunzeln den Weg in ein Gesicht findet und das bei großen und kleinen Menschen…

Geboren in Brixen, gelernt, gelebt, gearbeitet in Mailand, Barcelona, Berlin. Seit sechs Jahren ist Lucas Zanottos Lebensmittelpunkt Helsinki, wo er mit seiner finnischen Frau und zwei Töchtern lebt. Als Regisseur wird er von Produktionshäusern in Paris, London und Berlin vertreten, viele Projekte macht er in Eigenregie (@lucas_zanotto). Aktuell verbringt er einige Zeit in Südtirol und wundert sich, wie vernetzt man hier nach 20 Jahren im Ausland noch sein kann. Am Dienstag, 29.01.2019 findet um um 18.30 H im Ru.17 in Bozen ein Salto-Talk mit ihm statt, bei dem er weitere Einblicke in seine Arbeitswelt geben wird.  Lucas Zanottos nächstes Projekt: die Produktion einer TV-Serie unter Yatatoy. 

Foto: Lucas Zanotto

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