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July 12, 2019

Books, I’ve never read: 39NULL #07 “Freiheit”

Verena Spechtenhauser

Am Samstag, 13. Juli ab 15 H präsentiert das Team von 39NULL im Bistro und Concept Store Im Kult in Marling, die neueste, mittlerweile siebte Ausgabe ihres ideologisch und politisch unabhängigen Kultur- und Gesellschaftsmagazins. Es wird Musik von Hotel Amazonas und Lilian Polo geben und Getränke, eine Kleinigkeit zu essen und die Möglichkeit, im frischgedruckten Heft zu blättern. Wer das Magazin noch nicht kennt, hier kurz ein paar aufklärende Worte: Das Projekt 39NULL wurde 2013 von fünf SüdtirolerInnen in Berlin gegründet. Seitdem erscheint das fundierte Themenheft einmal jährlich mit anspruchsvollen Inhalten und einem klaren Layout. Das Team von 39NULL beschreibt sich und seine Mission wie folgt: “39NULL schaut hin, hört zu, stellt Fragen, kritisch, hellwach, zugewandt. Das Heft will Aufmerksamkeit schärfen, informieren, ohne zu belehren, und komplexe Inhalte zugänglich und verständlich aufbereiten. 39NULL reflektiert den Zeitgeist, befragt Akteure des kulturellen Lebens, erzählt persönliche Geschichten und beleuchtet unterschiedliche Standpunkte.”

AUSSEN
Das Cover zur neuesten Ausgabe hebt sich auch dieses Mal wieder angenehm vom Stil der Masse ab. Keine Massenware also. Sehr schön! Gestaltet vom deutschen Fotografen und bildenden Künstler Philotheus Nisch entwickelt sich sofort die Lust, mehr über ihn zu erfahren. Nisch studierte Fotografie an der Bauhaus-Universität in Weimar, später dann in Leipzig, London und Montreal. Er arbeitet an persönlichen und in Auftrag gegebenen Projekten, in denen er sein eher philosophisches Verständnis von Fotografie in hochgesättigten Stillleben zum Ausdruck bringt. 

INNEN
Das fragile Gut der Freiheit. Sind wir uns eigentlich wirklich bewusst, welches Privileg uns da tagtäglich zuteil wird? Diesen Denkanstoß gibt uns das Redaktionsteam der neuesten Ausgabe bereits im Editorial mit. Und ich klappe das Heft erst mal wieder zu, um mir meine eigenen Gedanken zu diesem so offenen und komplexen Thema zu machen. Um mich danach auf über 120 Seiten durch 18 Beiträge zu blättern, lesen, schauen. Und ich bin angenehm überrascht, welch vielfältiger und diverser Inhalt mir geboten wird. Ansätze, die ich nicht erwartet hätte, die ich selbst nicht mit dem Thema in Verbindung gebracht habe. Es geht um den Begriff, das Gefühl und den Zustand der Freiheit. Es werden Fragen aufgeworfen, Antworten gegeben. Der Themenbogen spannt sich von politischen über sozialen und philosophischenThemen hin zur Aufarbeitung historischer Figuren, aber auch aktueller digitaler Phänomene.

DRINNEN
Über 30 KünstlerInnen und AutorInnen haben auch dieses Mal am Heft mitgearbeitet und es zu einer gelungenen und denkanstoßenden Lektüre gemacht. Meine absoluten Favourites diesmal sind die Beiträge des Japaners Rei Watanabe, die Fotografie-Collagen und der Text der Venezolanerin Alicia Caldera, natürlich das Interview mit der Künstlerin Laurie Anderson (Achtung Fangirl), aber auch der fotografische Bericht von Max Ajl über eine Chemiefabrik in Tunesien oder die Geschichte von Linden Crawford. Das schöne an den Ausgaben von 39NULL, an hochwertigen Magazinen im allgemeinen, ist die Tatsache, dass die Ausgaben immer und immer wieder aus dem Regal geholt werden wollen, auch noch nach unzähligen Jahren, um sich wieder und wieder in die Geschichten und Fotografien zu vertiefen, dabei aber nie das Gefühl zu haben, veraltete Meinungen zu lesen.

39NULL ist ein überaus spannendes Projekt, welches wir jedes Jahr aufs Neue mit Kuriosität erwarten. Ein Sammlerstück, welches es sich lohnt zu unterstützen, um die Vielfalt anspruchsvoller Printmagazine zu gewähren. Darum hier jetzt auch dieser Hinweis: Das Heft kostet 13 Euro und ist in ausgewählten Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie im Onlineshop von 39NULL erhältlich. Parallel zur neuen Ausgabe werden auf dem Blog von 39NULL weitere Texte und Interviews zum Thema veröffentlicht.

I think we like it!

Foto: Franziska Unterholzner

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