Contemporary Culture in the Alps
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Zwischen Handwerk und Neugier. Martino Gamper zu Gast beim 21. Moontalk

Am 28. April spricht der Meraner Ausnahmedesigner im Parkhotel Mondschein mit Kunigunde Weissenegger

10.04.2026
Verena Spechtenhauser
Zwischen Handwerk und Neugier. Martino Gamper zu Gast beim 21. Moontalk

©JasminBruno

©JasminBruno

A recalled dialogue from some time ago:
Martino: I will make 100 chairs
åbäke: What, the same one 100 times?
M: No, they will be different. They’ll be actual size 3D sketching, somehow, you know, instead of drawing on a 100.jpg piece of paper.
å: Sounds great. Do it in 100 days then.
Auszug aus, 100 Chairs in 100 Days and its 100 Ways, 2022, dentdeleone.com

Das erste Mal, als ich Martino Gamper begegnete, trug er eine Küchenschürze und kochte seine berühmte Pasta mit Ingwer (zum Nachkochen findet ihr das Rezept übrigens auch in unserem JOSEF Merano Reiseführer abgedruckt). Es war Mitternacht, wir waren auf der Hochzeit von Freunden, es war laut, es war lustig — und die Pasta scharf … Unsere zweite Begegnung war genauso zufällig wie die erste und drehte sich um Fußball. Spontan kamen wir in kleiner Runde zu einem Public Viewing in meinem Garten zusammen. Italien wurde Europameister und Martino Gamper entpuppte sich als wahrer Tifoso, (dass Italien auch heuer nicht bei der WM dabei ist, schmerzt ihn sicher genauso wie mich). In den folgenden Jahren sahen wir uns bei verschiedenen Gelegenheiten immer wieder: in Weinbergen, bei Ausstellungseröffnungen, mit Freunden … Vor allem aber durfte ich mit regelmäßiger Frequenz über seine Arbeit lesen und schreiben — über Ausstellungen in London, Kalifornien und auf dem Fuorisalone, über die Inneneinrichtung eines Restaurants am Haidersee, über Blumentöpfe, Haken, Betten und natürlich auch Stühle – what else?!

Nun freue ich mich, Martino Gamper OBE als einundzwanzigsten Gast der von franzLAB organisierten Gesprächsreihe Moontalk ankündigen zu dürfen: Am Dienstag, den 28. April, um 19:00 Uhr spricht er mit Kunigunde Weissenegger, Mitbegründerin der Kommunikationsagentur und des Verlags franzLAB, in der Luna Bar im Parkhotel Mondschein in Bozen über seine beeindruckende Karriere an der Spitze der internationalen Designszene, die nun schon seit 25 Jahren andauert.

Martino Gamper, Sitzung, Haus der Kunst München, 2022, © Frank Stolle
Martino Gamper, Sitzung, Haus der Kunst München, 2022, Ausstellungsansicht, © Judith Buss

Eigentlich braucht man Martino Gamper kaum noch vorzustellen. Wer sich mit zeitgenössischem Design beschäftigt, ist seinem Namen mit großer Wahrscheinlichkeit bereits begegnet. Auch auf franzmagazine verfolgen wir sein kreatives Schaffen. Ein Teil seines wohl bekanntesten Projekts 100 Chairs in 100 Days – bei dem er über zwei Jahre hinweg ausrangierte Stühle von Londons Straßen oder aus den Häusern von Freund:innen sammelte, mit dem Ziel, 100 Tage lang jeden Tag einen neuen Stuhl zu bauen, indem er Teile dieser Fundstücke neu kombinierte – wurde im dritten Band unserer Trilogie Moreness 03 veröffentlicht. Ein innovatives Projekt, das sich unserer Wegwerfgesellschaft kritisch in den Weg stellte.

Ein paar biografische Eckpunkte seien dennoch genannt: Martino Gamper, Jahrgang 1971 und gebürtiger Meraner, absolvierte zunächst eine Lehre bei einem Möbeltischler in seiner Heimatstadt, bevor er in Wien Bildhauerei bei Michelangelo Pistoletto an der Akademie der bildenden Künste und Produktdesign studierte. Nach dem Masterstudium am Londoner Royal College of Art unter der Leitung von Ron Arad gründete er im Stadtteil Hackney sein eigenes Studio. Heute lebt und arbeitet er zwischen London und Neuseeland, der Heimat seiner Lebensgefährtin, der zeitgenössischen Künstlerin Francis Upritchard. 2023 wurde er von Prinz William für seine Verdienste im Bereich Design zum Officer of the Order of the British Empire, kurz OBE, ernannt.

Martino Gamper, Before, After & Beyond, installation view, © Angus Mill

Martino Gamper arbeitet disziplinübergreifend. Mühelos bewegt er sich zwischen Ausstellungsdesign, Innenarchitektur, Einzelobjekten und Produkten für die internationale Möbelindustrie. Seine Arbeiten reichen von Schaufensterkonzepten für Prada über Flagship-Stores für Valextra bis hin zu Stühlen für Rubelli und Dior, Glasdesigns für Lobmeyr und Restaurantprojekten, wie etwa das Interior von Norbert Niederkoflers AlpiNN am Kronplatz. In seinen Arbeiten ist er auf der ständigen Suche nach neuen Wegen, um Design im Alltag zu aktivieren und handwerkliche und industrielle Verfahren miteinander zu verknüpfen. Im Dialog mit Kunigunde Weissenegger erzählt Martino Gamper über seinen Werdegang, seine Arbeitsweise und seinen offenen Zugang zum Design – zwischen Handwerk, Forschung und radikaler Neugier. Das Gespräch findet in deutscher Sprache statt.

Kunst, Kultur, Design, Kreativität – darum geht’s bei den Moontalks in der Luna Bar im Mondschein in Bozen, kuratiert von franzLAB. Zu Gast sind Kreative von nah und fern.

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Tags

Moontalk, parkhotel mondschein, Martino Gamper, designer, kunigunde weissenegger
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