„Literatur und Wissen(schaft)“ und weitere Highlights bei den Bücherwelten 2026

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Die Bücherwelten im Waltherhaus in Bozen sind seit vielen Jahren Südtirols eigenes kleines Buchfestival. Für den hiesigen – deutschsprachigen – Literaturbetrieb und Literaturfans ist die Veranstaltungsreihe, die in diesem Jahr unter dem Themenschwerpunkt Macht vom 20. Januar bis zum 24. Februar 2026 stattfindet, der erste rot eingekreiste Fixpunkt im literarischen Kalender. Neben der Buchausstellung, bei der die Landesbibliothek Teßmann und das Jukibuz im Südtiroler Kulturinstitut über 1.000 Neuerscheinungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zeigen, ist über die Jahre vor allem auch das Rahmenprogramm aus Buchvorstellungen und Diskussionen, Ausstellungen, Workshops und Filmabenden zu einem vielfältigen und spannenden Highlight für Literaturinteressierte geworden. Eröffnet werden die Bücherwelten am Dienstag, 20. Januar um 18:00 mit der Präsentation der Prosa-Erzählung Das Buch der Macht (Die Andere Bibliothek, 2025) des bulgarisch-deutschen Schriftstellers Ilija Trojanow.
Mit der Publikation Literatur & Wissen(schaft), herausgegeben von Eurac Research und Literatur Lana unter Mitwirkung der Südtiroler Autorinnen- und Autorenvereinigung SAAV ist auch der Verlag franzLAB wiederum bei den Bücherwelten vertreten. Im Gespräch mit franzLAB-Verlegerin Kunigunde Weissenegger wird der Sammelband, der Texte, Essays und Gespräche von zahlreichen namhaften Autor:innen, Linguist:innen, Wissenschaftler:innen und Historiker:innen enthält, am Montag, 26. Januar um 18:00 im oberen Foyer des Waltherhauses vorgestellt. Es diskutieren die Herausgeber:innen Thomas Streifeneder, Christine Vescoli und Josef Prackwieser über die produktive Wechselwirkung von Fiktion und Fakt, poetischer Sprache und empirischer Beobachtung und versuchen dabei mit dem hartnäckigen Vorurteil aufzuräumen, Wissenschaft sei lediglich Datenlieferantin und Literatur bloße Unterhaltung.
Was mit einer Gesellschaft passiert, wenn Frauen streiken zeigt die Regisseurin Pamela Hogan in ihrem Dokumentarfilm Ein Tag ohne Frauen (The Day Iceland stood still). Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit, nämlich dem Streik vom 24. Oktober 1975 in Island, bei dem 90 Prozent der Frauen auf der Insel ihre Arbeit niederlegten, um gegen ungleiche Bezahlung, fehlende Kinderbetreuung und die Geringschätzung unbezahlter Care-Arbeit zu demonstrieren. Zu sehen ist der Film am Donnerstag, 22. Januar um 20:00 im Filmclub Bozen. Raus aus Südtirol geht der Blick auch bei der Präsentation der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Kulturelemente. Die Ausgabe Nummer 184 widmet sich unter dem Titel Welcome to the border(less) der slowenischen Minderheit im Friaul und dem Projekt GO!2025, bei dem die benachbarten Grenzstädte Nova Gorica und Gorizia als gemeinsame Europäische Kulturhauptstadt fungieren. Die Präsentation mit Podiumsdiskussion zwischen Historiker:innen und Übersetzer:innen findet am Freitag, 30. Januar um 18:00 in italienischer Sprache statt.
Sechs Romane, deren Inhalt sich um das Bleiben und Loslassen dreht, werden beim Literaturtag am Samstag, 31. Januar von 14:30 bis 18:00 vorgestellt. Zu Gast sind die Autor:innen Paola Lopez mit Die Summe unserer Teile (Klett Cotta, 2025), Ursula Knoll mit Zucker (Edition Atelier, 2025), Hannah Lühmann mit Heimat (Hanserblau, 2025), Maya Rosa mit Moscow Mule (Pinguin, 2025), Christian Mitzenmacher mit Knallerbse (Frankfurter Verlagsanstalt, 2025) und Katharina Feist-Merhaut mit Sterben üben (Otto Müller Verlag, 2025). Sie lesen aus und diskutieren über ihre Bücher unter der Moderation von Maria Piok, Leiterin des Literaturhauses am Inn und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut Brenner-Archiv. Ein Dialog zweier Autorinnen über ihr Schreiben findet am Dienstag, 3. Februar um 18:00 statt, wenn Anna Rottensteiner auf Miriam Unterthiner trifft. In ihrem preisgekrönten Theatertext Blutbrot (edition laurin, 2025) geht Miriam Unterthiner der Rolle eines Dorfes bei der Fluchthilfe für NS-Verbrecher nach. In Mutterbande (edition laurin, 2025) von Anna Rottensteiner kommen Frauen zu Wort, deren Leben über Generationen von den Entscheidungen der Männer geprägt wurden. Ein weiteres spannendes Zusammentreffen mit einer Autorin, dieses Mal mit der Boznerin Maddalena Fingerle, findet am Freitag, 13. Februar um 18:00 statt. Mit Pudore/Mit deinen Augen (Mondadori, 2024/Luchterhand, 2025) stellt uns Maddalena Fingerle ihren zweiten Roman vor. In dem Buch begleiten wir die Protagonistin Gaia, die nach dem Ende einer großen und wichtigen Liebe versucht ihren inneren Schmerz durch äußerliche Verwandlung zu besiegen. Die zweisprachige Lesung mit Gespräch wird von der Übersetzerin Cristina Vezzaro und dem Autor und Kulturredakteur Martin Hanni moderiert.
Das komplette Programm kann hier nachgelesen werden. Wenn nicht anders angegeben, finden die Veranstaltungen bei freiem Eintritt im oberen Foyer des Waltherhaus statt.