
Café Schindler, Tiroler Landestheater, © Birgit Gufler
Café Schindler, Tiroler Landestheater, © Birgit Gufler
Vom Fenster aus beobachte ich das Getümmel der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße, vor mir steht ein Cappuccino. Während mein Blick neugierig durchs Lokal wandert, bleibt er schließlich an der Getränkekarte hängen, genauer gesagt am schlichten Schriftzug, Das Schindler. Der Name ist auch Teil des Titels vom Buch, das in meiner Tasche liegt, Das verlorene Café Schindler – Eine Familie, zwei Kriege und die Suche nach der Wahrheit von Meriel Schindler. Das Cover ist in verschiedenen Blautönen gehalten, hervorstechen zwei Frauen mit langen Mänteln, die nostalgisch in die Ferne schauen.
Die Bühnenfassung des Romans mit dem Name Café Schindler wurde im Tiroler Landestheater 2024 uraufgeführt und dieses Jahr wieder aufgenommen. Mit einem minimalistischen Bühnenbild und einem Ensemble von sieben Schauspieler:innen, die abwechselnd in die Rollen der verschiedenen Familienmitglieder schlüpfen, wird die turbulente Geschichte des Innsbrucker Cafés auf Bühne gebracht. Eine Figur der Meriel Schindler führt das Publikum durch die Handlung und teilt ihre Gedanken und Gefühle aus der Perspektive der Gegenwart. Zwischendurch unterbrechen musikalische Einlagen die Szenen und schaffen Momente der Distanzierung und Reflexion. Noch zweimal ist Café Schindler im Rahmen der Wiederaufnahme auf der Bühne des Großen Hauses im Tiroler Landestheater zu sehen, am 24. und 25. Juni 2026.
An der Tasse, die vor mir steht, klebt mittlerweile nur noch ein Rest des Milchschaums. Ich schaue mich ein letztes Mal um. Ohne das Buch in meiner Tasche hätte ich wohl nicht hergefunden und hätte auch nie erfahren, welche Geschichte sich hinter dem Namen Schindler verbirgt. Mit diesem Gedanken steige ich die Treppen hinunter und stürze mich selbst in das Getümmel der Maria-Theresien-Straße.