Was es jedoch dringend braucht? Mehr Wertschätzung für Kleidungsstücke und diese Arbeit!

Mit Monika Thomaser bei Albatros in Meran, © Susanne Barta
Monika Thomaser arbeitet seit 20 Jahren bei der Sozialgenossenschaft Albatros in Meran. Einen der Dienste, den Albatros anbietet, ist die Sammlung unserer Altkleider. Monika hat in all den Jahren schon viel gesehen und erlebt: Hausmüll in den Kleidercontainern, tote Tiere, schmutzige und kaputte Kleidungsstücke … „Seit in den Recyclinghöfen gesammelt wird, ist jedoch weniger Verschmutzung in den Containern festzustellen“, erzählt sie.
Die meisten haben bereits mitbekommen, dass die Altkleidersammlung in Südtirol umstrukturiert wurde. Die Caritas sammelt ja nicht mehr, sie hat die Sammlung Ende 2025 nach 30 Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt; die Straßensammlung bereits vorher. Das Geschäft mit Altkleidern war nicht mehr rentabel.

Allerdings: die Caritas hat nicht selbst gesammelt, sondern diesen Dienst von Anfang an, an die Sozialgenossenschaft Albatros ausgelagert. Albatros sammelt auch heute noch, arbeitet jetzt jedoch direkt mit den Bezirksgemeinschaften zusammen. Das Procedere ist etwas anders: Seit 2025 müssen Alttextilien getrennt erfasst werden, dafür zuständig sind die Gemeinden bzw. dann die Bezirksgemeinschaften. Diesen Dienst haben sie wieder an Albatros übergeben, im Osten des Landes erledigt das die Sozialgenossenschaft Renovas – sie werden dafür auch bezahlt.
Und das läuft nun so: An jedem Recyclinghof stehen Container einer der Sozialgenossenschaften, wo gut erhaltene Gebrauchtkleider, Schuhe paarweise zusammengebunden, gut erhaltene Bettwäsche und Decken hineinkommen. In Südtirol wird nicht sortiert. Monika Thomaser: „Wir öffnen und leeren die Container, lose Kleidung wird, sofern sie noch gut ist, abgepackt, gut zugemachte und trockene Kleidersäcke werden nicht geöffnet, das heißt, wir kontrollieren die Qualität nicht.“ Die Säcke werden dann verladen und kommen zum deutschen Textilrecycler FWS. „Alles, was aus den Containern kommt, wird ins Ausland geliefert, alles andere wird entsorgt.“


Monika, du hast seit 20 Jahren mit der Altkleidersammlung zu tun. Auch wenn ihr nicht sortiert, hat sich etwas verändert in der Handhabung?
Die Menge an Altkleidern ist stark gestiegen und die Qualität verschlechtert sich zusehends. Diese Rückmeldung jedenfalls bekommen wir von der FWS. Wir sind froh, dass sie uns die Kleidung noch abnehmen. Immerhin bezahlt nun der Verursacher – bei uns sind das die Bezirksgemeinschaften. Für die Bürger*innen bleibt der Dienst praktisch gratis: Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 1 € pro Einwohner und Jahr.
Gibt es Ambitionen, lokale Kreisläufe zu stärken?
Wir müssen unterscheiden zwischen den Kleidern, die in den lokalen Secondhand-Kreislauf kommen, also in Geschäfte, Kleiderkammern, zu Swaps und der Sammlung der Gebrauchtkleider. Diese fallen unter das Abfallbewirtschaftungsgesetz, sind Eigentum der Gemeinde und diese wiederum bezahlt uns für die Dienstleistung der Entleerung und Weitergabe an den Textilrecycler. Früher gab es ein Sortierwerk in Auer, aber das hat sich nicht rentiert.


Die Kleiderberge wachsen leider. Vor allem im Globalen Süden. Mehr als die Hälfte unserer abgelegten Kleidung bleibt nicht im Globalen Norden. 15 Millionen Kleidungsstücke landen laut OR Foundation wöchentlich in Containern in Accra, Ghana und fast die Hälfte davon (ca. 40 %) ist von so minderer Qualität, dass sie unverkäuflich sind und direkt auf Mülldeponien oder in den Ozeanen enden.
Was macht ihr mit euren abgelegten Kleidungsstücken? Wo und wie entsorgt ihr? Da man hier leider nicht mehr kommentieren kann, schreibt mir: su@susannebarta.com

Hier geht’s zu einem Interview mit FWS-Prokurist Oliver Schien und hier findet ihr ein gutes Video über Textilreycling in der Schweiz.