Contemporary Culture in the Alps
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© 2026 FRANZLAB
Slow Fashion

Singing to the choir?

Letzte Woche fand die 4. Ausgabe unseres Festivals „Fashion For Future“ statt.

30.04.2026
Susanne Barta

Von links nach rechts: Aart van Bezooijen, Alice Collareta, Max Scheidle, Alexandra Fruhstorfer, moi, Brigitte Gritsch, Caterina Occhio, Natalia Adrian, Annalena Egger, Seçil Uğur Yavuz, © Urban von Klebelsberg

Nach jeder Ausgabe reflektieren wir, was gut gelaufen ist und was weniger. Nach dem Festival ist bekanntlich vor dem Festival. Wir möchten ja so viele Menschen wie möglich mit dem Thema Slow Fashion erreichen. Die Frage, die ich mir – nicht nur nach solchen Veranstaltungen –, sondern regelmäßig stelle: „Wie vermittelt/kommuniziert man wichtige Inhalte, die nicht immer bequem, vor allem aber komplex sind?“

Zu denjenigen zu sprechen, die schon mit im Boot, Teil der „Bubble“ sind, ist zwar eine angenehme Sache, aber nicht wirklich Ziel der Übung. Die zu erreichen, die weit(er) weg sind von diesen Themen, den Mainstream anzusprechen, darum ginge es in erster Linie. Das gelingt mal besser, mal weniger gut.

© Susanne Barta
© Aart van Bezooijen
© Urban von Klebelsberg

Niemand wird gerne belehrt, aber es ist gar nicht so einfach, nicht zu belehren. Denn die Praktiken der Modeindustrie mit ihren vielen sozialen und ökologischen Auswirkungen sind gelinde gesagt, sehr oft, sehr schrecklich. Das schön zu reden macht unglaubwürdig. Dennoch prallen geballte Negativ-Botschaften nachweislich meistens ab.

Die Erfahrungen der letzten Festival-Ausgabe haben gezeigt, wir müssen noch mehr als bisher über unsere Zielgrupp(en) nachdenken und passgenauere Formate entwickeln. Denn einige Veranstaltungen waren mau besucht. Was richtig gut angekommen ist, sind die Formate im öffentlichen Raum mit viel Ramba Zamba, wo es etwas zu sehen gibt oder ein unmittelbarer Nutzen da ist. Die Secondhand & Fair Fashion Show am Bozner Kornplatz wurde begeistert aufgenommen. Die Leute sind ins Gespräch gekommen, neue Kontakte wurden geknüpft, für einige Zuseher*innen war es vielleicht der erste Kontakt mit „besserer“ Mode.

© Urban von Klebelsberg
 
 

Ebenso gut besucht und lebendig war die Swap Party im Ahoi Minigolf. Die Fixing Fashion Workshops in Bozen, Brixen, Bruneck und Meran sind unterschiedlich gut besucht gewesen. Am besten jedenfalls funktionieren Formate, die einfach zugänglich sind, wo man kommen und gehen kann, wie es einem gefällt, die eine gewisse Form von Leichtigkeit vermitteln und wo Inhalte fast wie nebenbei vermittelt werden.

© Urban von Klebelsberg
 
 

Mit unserem Programm versuchen wir unterschiedliche Zugänge zum Thema anzubieten. Von Plakaten im öffentlichen Raum über Vorträge, Workshops und eine Ausstellung bis hin zu Modenschau und Swap. Eine Mischung aus Information und Inspiration. Ganz ohne Info geht’s nicht, denn nur wenn wir besser informiert sind, können wir auch bessere Entscheidungen treffen. Ebenso wichtig ist die Komponente der Selbstwirksamkeit. Deshalb gibt es unterschiedliche Workshops, wo es um „hands on“ geht, wo man machen und gestalten kann, wo Inhalte direkt erfahrbar werden.

Die Designerin Alexandra Fruhstorfer, © Susanne Barta
 
 

Sehr gelungen war die Ausstellung der Wiener Designerin Alexandra Fruhstorfer „Inside Dust“. In ihrer interaktiven, multimedialen und sehr schön gestalteten Schau hat Alexandra Aspekte der Modeproduktion und des Konsums anschaulich verbunden: unsichtbare Fasern sichtbar gemacht, Recyclingmethoden hinterfragt, die Rolle der Ölindustrie im Kontext von Fast Fashion aufgezeigt und viele Querverbindungen thematisiert. Dazu hat sie entsprechende Workshop-Formate entwickelt.  

Ein Highlight auch der Vortrag von Caterina Occhio. Die international tätige Nachhaltigkeitsberaterin hat langjährige Erfahrung in der Modebranche und arbeitet u. a. mit Brands wie Maison Alaïa, Chloé, Aspesi und Versace. Wer sich vorher noch Illusionen über die Modeindustrie machte, hatte nachher sicher keine mehr. All das vermittelte Caterina jedoch gut gelaunt und kurzweilig.

Sustainability Advisor Caterina Occhio, © Susanne Barta
 

Ebenso ein Highlight für mich war der Workshop „How to care for your garment“ von Anne-Rose Klotz. Anne-Rose hat Bekleidungstechnik studiert und arbeitet seit elf Jahren in verschiedenen Funktionen für Boss. Die wenigen, die da waren, haben viel mitgenommen. Vor allem die Einsicht, dass wir schon mit etwas mehr Wissen unsere Kleidung um so vieles besser pflegen können. Und damit die Chance signifikant erhöhen, sie länger zu tragen und im Kreislauf zu halten. Zu diesem Thema gibt’s bald einen eigenen Newsletter auf The Slow Fashionista.

Bei unserem Festival geht es in erster Linie darum, Bürger*innen/Konsument*innen zu erreichen. Das heißt jedoch nicht, dass das Gewicht der notwendigen Veränderungen alleine auf ihren Schultern abgeladen werden sollte. Es braucht gesetzliche Regelungen – einiges ist ja schon in Kraft, einiges noch unterwegs –, vor allem jedoch müssen Unternehmen verantwortungsvoller und besser produzieren. Da schaut es leider gerade nicht so gut aus, Nachhaltigkeit und Fairness fallen immer öfter raus aus der unternehmerischen Agenda.

Anne-Rose Klotz, © Susanne Barta
 
© Birgit Mayr

Die Zeiten sind herausfordernd. Für uns alle. Die Augen jedoch zuzumachen und das was ist, zu ignorieren, hat bekanntlich längerfristig noch nie geholfen. Darum machen wir, darum mache ich weiter. Immer im Rahmen des Möglichen, unser Festival-Budget ist sehr überschaubar. Any Sponsors out there???

Um nochmals an den Ausgangspunkt dieses Textes zurückzukommen: Singing to the choir? Ja und nein. Manchmal fühlt es sich so an, als ginge gar nichts weiter, dann jedoch geht doch wieder ein wenig weiter. Euer Feedback ist herzlich willkommen. Solltet ihr die Zauberformel der Kommunikation herausfordernder Themen geknackt haben, bitte mir/uns weitersagen. 

Fashion For Future South Tyrol wird von Aart van Bezooijen/Universität Bozen, Annalena Egger/OEW, Brigitte Gritsch/Netzwerk Südtiroler Weltläden und von mir organisiert. Ein Dank an alle, die mitgearbeitet und geholfen haben! Nächstes Jahr feiern wir unser 5-jähriges Jubiläum. Vielleicht seid ihr dabei?

© Salma Remadi
 

Dieser Text erscheint heute auch auf meinem Substack The Slow Fashionista. Sozusagen eine Zusammenarbeit zwischen mir und mir auf unterschiedlichen Plattformen.

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Tags

Slow Fashion, Fashion For Future, festival, community
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