Contemporary Culture in the Alps
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© 2026 FRANZLAB
Slow Fashion

Ein Pullover für die Bergrettung Südtirol

Schön. Nachhaltig. Fair. Und so lokal als möglich produziert.

01.04.2026
Susanne Barta

Die Designerin Christine Overbeck mit Thomas Hellrigl, Landesleiter Bergrettung Südtirol, © ORF Südtirol

Christine Overbeck spricht Südtiroler Dialekt. Die Designerin ist in München aufgewachsen, ihre Mutter kommt aus Südtirol. Mehr als die Hälfte der Zeit verbringe sie in der Zwischenzeit in Bozen, erzählt Christine. Als sich die Bergrettung Südtirol bei ihr mit der Anfrage für einen Pullover gemeldet habe, sei sie sehr erfreut gewesen. „Die Bergrettung hat nach jemandem gesucht, die einen Pullover für öffentliche Anlässe entwerfen, produzieren und auch liefern kann.“ Kein Produkt von der Stange sei gefragt gewesen, sondern ein qualitativ hochwertiges, das auch den kulturellen Hintergrund mitberücksichtige. „Wir haben jemanden gesucht, der uns ein Produkt liefert, mit dem wir uns identifizieren können“, sagt Thomas Hellrigl, Landesleiter der Bergrettung Südtirol.

© Christine Overbeck
 

Christine ist auf Strick spezialisiert. Sie arbeitet heute vor allem für Firmen und entwickelt maßgeschneiderte Strick-Produkte. „Ich biete von der Idee, über die Herstellung, bis zu Packaging und Auslieferung, den kompletten Prozess an.“ Die Stückzahl kann kleiner oder größer sein, wenn notwendig, wird on demand produziert – ein sehr kundenfreundlicher Ansatz. Auch B2C hat sie länger gemacht, mit Unternehmen und Kund*innen direkt zu arbeiten, liege ihr jedoch mehr, sagt sie. 2022 habe ich schon einmal über Christine Overbeck und ihr Label C/OVER geschrieben, hier geht’s zum Artikel.

© Christine Overbeck
 
 

Die Pullover sind aus reiner Schurwolle. Die Spinnerei, mit der Christine arbeitet, ist in der Schweiz, sie sammelt Wolle aus dem Alpenraum und verspinnt sie zu Garn. Schurwolle kühlt und wärmt zugleich und ist pflegeleicht – ideal für die Anforderungen der Bergrettung. „Wir haben entsprechende Größen-Sets entwickelt, damit alle ein passendes Modell bekommen und nicht zu viel produziert wird“, sagt sie. Wenn weiterer Bedarf besteht, kann nachbestellt werden.

© Christine Overbeck
 

Dieser Pullover muss einiges können: Er soll vielen Leuten stehen, unterschiedlichen Figuren passen, repräsentativ sein und sich von der Funktionskleidung unterscheiden. Christine hat sich für ein tiefes Blau mit roten Details entschieden. Auf der Vorderseite arbeitet sie mit dem Sarner Muster, hinten schimmert rot durch, vor allem, wenn man sich bewegt; das Logo wurde etwas reduziert. „Ich möchte hochwertige Produkte machen, die zu den Kunden passen“, sagt sie, „das dauert auch seine Zeit.“ Im konkreten Fall hat das Projekt von der Idee bis zur Auslieferung in etwa ein Jahr gedauert. Christine arbeitet mit Strickereien in Wien, Tschechien und auch einer in Portugal zusammen. Das Feedback sei sehr gut, erzählt sie, der Pullover werde offensichtlich gerne getragen. Und dass alle wissen, wer diesen Pullover gemacht hat und wo er hergestellt wurde, habe viel Anklang gefunden. „Ein solches Kleidungsstück bekommt einen ganz anderen Wert, als ein Stück von der Stange“, sagt Christine.

© Oliver Soulas
Der Porträtfotograf Oliver Soulas hat eine Fotoserie entwickelt, denn Christine war es wichtig, nicht nur den Pullover, sondern auch die Menschen hinter der Bergrettung zu zeigen.
 

Der Pullover, den Christine Overbeck für die Bergrettung Südtirol entworfen hat, kann sich wirklich sehen lassen. Ich habe ihn in der Hand gehabt, er schaut nicht nur sehr gut aus, sondern fühlt sich auch sehr gut an. „Mir war wichtig, ein langlebiges Produkt zu entwickeln, ein Stück, das über Generationen weitergegeben werden kann“, betont sie.

© Christine Overbeck
 
 

Wollen wir hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht und sich mehr Südtiroler Unternehmen und Institutionen dazu entschließen, ein schönes, faires, nachhaltiges, langlebiges und maßgeschneidertes Produkt für diverse Anlässe bei Designer*innen in Auftrag zu geben. 

© Oliver Soulas
 
© Christine Overbeck
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Tags

Slow Fashion, Christine Overbeck, Bergrettung Südtirol, slow production, Wolle
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