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November 3, 2021

Local Stores – Local Stories #3

Susanne Barta

Vor kurzem hat mich eine gute Freundin aus Innsbruck besucht, die ihr halbes Leben ein bis zweimal im Jahr nach Bozen kam, um ein paar schöne Stücke einzukaufen. Seit einiger Zeit macht sie das nicht mehr, da die Auswahl zu beliebig und auch vom Stil her zu uninspiriert geworden sei. Wie in vielen Städten eben. Neben den großen Ketten und billigen Discountern macht sich hier auch so etwas breit, das ich als „Maximilianisierung“ beschreiben möchte. Die erfolgreiche Südtiroler Geschäftskette Maximilian, die sich gefühlt gerade überall ausbreitet, steht für mich für einen Stil, den ich mit wenigen Ausnahmen nicht besonders schätze und weder für gegenwarts- noch für zukunftstauglich halte. Laut und oberflächlich und glatt. Es ist wirklich nicht so leicht, die paar Geschäfte zu finden, die eine gewisse Zeitlosigkeit, (handwerkliche) Qualität, coole Lässigkeit und auch Mode mit einem Background anbieten, wo faire Produktionsbedingungen und Umweltverträglichkeit zumindest mitbedacht werden.(c) Susanne Barta Foto_2_nord_store_sb_2

Dass neben den sich ausbreitenden konventionellen Anbietern auch nachhaltige und faire Mode in Südtirol mehr zum Thema wird, zeigt auch die Biolife mit ihrem Sustainable-Fashion-Schwerpunkt GREENSTYLE @ Biolife. Denn wer mal Bescheid weiß, was sich hinter den Kulissen der Modeindustrie abspielt, und gesehen hat, wie gut nachhaltig und fair produzierte Mode aussehen kann, wird sein Konsumverhalten vermutlich (ein wenig) verändern. Aber auch sonst tut sich einiges hier. Zwei neue Geschäfte möchte ich euch heute vorstellen: den Nord Store in Meran und das Crea S. in der Waltherpassage in Bozen. Crea S. Bozen Bolzano - Sarah Enderle + Myriam Senn

Crea. S ist der erste richtige Vintage-Store in Südtirol. Sarah Enderle hat Crea. S – abgekürzt für Creare Sarah – Ende 2019 gegründet, weil sie Mode liebt, ihr aber auch Nachhaltigkeit ein Anliegen ist. Der Start war etwas holprig, gleich nach der Geschäftseröffnung ging es los mit den Lockdown-Schleifen, aber Crea. S hat die Pandemie überstanden, auch dank des Online-Shops, und vor kurzem ist Sarah in ein größeres Geschäft gleich nebenan übersiedelt, das sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Myriam Senn mit viel Energie betreibt.Sarah Enderle + Myriam Senn - Crea S. Bozen Bolzano

„Different is moda“ ist ihr Slogan. Im Crea. S findet man eine große Auswahl an Vintage Kleidung, also nicht einfach Secondhand, sondern Vintage, das heißt die Teile sind alle älter als 20 Jahre. Auch ist das Geschäftsmodell anders als zum Beispiel bei Kleopatra https://www.facebook.com/kleopatra.bz/, wo man Sachen vorbeibringen kann; Sarah arbeitet mit Lieferanten aus Berlin, Barcelona, London und auch den USA zusammen. Sie sucht Stücke aus, die man in Südtirol sonst nicht findet. Vor allem für ihre Generation, sagt sie, sei es wichtig, sich mit seinem Stil auszudrücken, einzigartige Teile zu tragen, anders zu sein. Crea S. Bozen Bolzano Foto_6a_crea.s

Sarah ist früher viel gereist und dabei ist ihr aufgefallen, dass die aktuelle Mode eigentlich immer auch auf Altes zurückgreift. „Man sieht die Schnitte von früher, auch die Stoffe versucht man zu kopieren und ich dachte mir, warum also nicht gleich auf das Alte zurückgreifen, vor allem, weil die Stoffqualität ja viel besser ist.“ Auch für Sarah ist der persönliche Ausdruck über Mode sehr wichtig. „Ich mag es, dass hinter den Stücken Geschichten stehen und man gleichzeitig auch etwas für die Umwelt tut“, erzählt sie. Anfangs habe sie ein wenig gezweifelt, ob Secondhand/Vintage in Südtirol wirklich funktionieren könne, denn bisher habe eher die Devise gegolten „ja nicht auffallen“. Aber die Sorge war umsonst, denn Crea. S läuft gut. Die Kundschaft scheint selbstbewusster zu werden. Sarah macht auch Modeberatungen und unterstützt ihre Kund*innen dabei, sich modisch mehr zu trauen. Und Myriam legt immer wieder kreativ auch selbst Hand an und verwandelt zum Beispiel einfache Jeans in Tie-Dye Pieces oder macht aus simplen T-Shirts Cropped Tops. Für nächstes Jahr planen die beiden einige neue Projekte für Crea. S. Wir sind gespannt und ja, schaut mal vorbei.Nord Store Meran Foto_7_nord_store

Von Bozen nach Meran. Erinnert ihr euch noch an Brigitte Frank und ihr Geschäft „Less is more“? Leider musste sie den schönen Concept Store diesen Januar pandemiebedingt schließen. Aber Brigitte ist zurück, als Managerin des Nord Store am Rennweg in Meran. Das kleine, feine Geschäft führt zwei skandinavische Marken: Knowledge Cotton Apparel und Makia Clothing. Beide stehen für cleanen Scandi-Schick mit einem verantwortungsbewussten Fashion Background. Good News für Männer, das Geschäft führt Mode für Damen und Herren.

Hinter dem Nord Store stehen Franz Höller und Eric Mader, beide haben viel Erfahrung im Fashion-Bereich und vertreten auch beide Firmen in Italien. Ihren Anspruch formulieren sie auf der Website so: „We want to be part of a greener future by providing sustainable, fair and easy to wear clothing for everyday use”.

Nord Store Meran Merano

Die sehr erfolgreiche finnische Brand Makia wurde 2001 in Helsinki gegründet und hat sich Schritt für Schritt hineingearbeitet in die Nachhaltigkeit. Das Label steht für einfaches, funktionales Design mit hochwertigen Materialien. Oder anders ausgedrückt: „We have stood long enough in cold rain, to favour simple and functional design that focuses on materials respecting the harsh Northern climate.”

Die dänische Brand Knowledge Cotton Apparel hat sich von Anfang an für einen ethischen Zugang zu Kleidung entschieden und möchte Teil der Veränderung im Mode Business sein: „We design and develop for a new tomorrow. Determined to be one of the game changers – we take action by sustainable innovation”. 

„Nachhaltige und faire Mode ist in Skandinavien schon viel selbstverständlicher als in Italien,“ sagt Brigitte, „auch der Lebensstil ist nachhaltiger und essentieller“. Das fällt auch mir immer wieder bei verschiedenen Recherchen auf, die Skandinavier sind meist einige Nasenlängen voraus. So hat sich zum Beispiel die Copenhagen Fashion Week schnell zur Lead-Veranstaltung entwickelt, was Nachhaltigkeit im Bereich des Fashion Show Business anbelangt. Und der Copenhagen Fashion Summit ist die erfolgreichste Konferenz für nachhaltige Mode.Meran Merano Nord Store

Und wie läuft der neue Shop? „Sehr gut“, freut sich Brigitte, „auch viele meiner früheren Kund*innen kommen jetzt in den Nord Store“. Die Pandemie hat in ihren Augen bisher aber nur bei wenigen ein Umdenken bewirkt, ihr komme vor, dass es eher heftiger zugehe als zuvor, als ob man alles Versäumte nachholen möchte. Das beobachten gerade viele, mit denen ich in letzter Zeit gesprochen habe, es wird geshoppt als gäbe es kein Morgen. Leider vor allem Fast Fashion. Brigitte wünscht sich, dass sich die Leute in Zukunft bewusster kleiden, „denn Konsument*innen können entscheidend dazu beitragen, was und wie produziert wird“. Und dass man dabei auf Stil nicht verzichten muss, davon könnt ihr euch auch im Nord Store überzeugen.

Weitere Inspirationen findet ihr auch bei Teil #1  und Teil #2 der „Local Stores – Local Stories“-Serie.

Ja und unbedingt vorbeischauen bei GREENSTYLE @ Biolife!

Local Stores - crea S. Bozen - Nord Store Meran

Fotos: (1) © Crea. S; (2) © Susanne Barta; Brigitte im Nord Store; (3–6a) © Crea S. (links Sarah, rechts Myriam); (7­–10) © Nord Store (Eric Mader, Brigitte Frank, Franz Höller); (11) © Susanne Barta; (12) © Crea. S; (13) © Nord Store

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