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May 26, 2021

Jewellery on Display #1

Susanne Barta

Schon länger wollte ich auf diesem Blog etwas über nachhaltigen und fairen Schmuck machen. Denn auch hier tut sich gerade viel. Die Ästhetiken, Strategien und Herangehensweisen der verschiedenen Labels und Designer*innen sind sehr unterschiedlich, einige möchte ich euch vorstellen. Den Anfang machen die Südtirolerin Valentina Romen und die in München lebende Designerin Lea Bürkert. Valentina Romen (c) Susanne Barta 02Auf Valentina aufmerksam geworden bin ich durch ein Mail, das sie um die Weihnachtszeit herum verschickt hat. Ich kannte sie nicht, einige Entwürfe haben mir sehr gut gefallen, vor allem ein Ring hat es mir angetan. Valentina lebt und arbeitet in Mailand und Bozen, ihre Marke heißt eigenart, sie hat als Restauratorin gearbeitet, dann Kunstgeschichte studiert, war in einer Galerie tätig und dann habe sie, wie sie erzählt, das Interesse am Handwerklichen über den Schmuck wieder entdeckt. „Zunächst nur nebenbei, dann der Sprung ins kalte Wasser und seit vier Jahren betreibe ich nun mein eigenes Studio.“

Innerhalb ihrer Arbeit gibt es verschiedene Formensprachen ­– von abstrakt bis figurativ. Eckige, filigrane Armreifen, markante Ringe, zackige Ohrringe, stilisierte Gesichter reihen sich neben Fledermaus-Anhänger (meine Favoriten!), Katzen-Broschen oder -Männchen, die tanzen und klettern. Valentina entwickelt ihre Kollektionen kontinuierlich weiter, immer wieder kommt auch Neues dazu. Valentina Romen Flughund 2020 2021Sehr hübsch sind ihre Verpackungen: Anfangs hat sie nach Maß zugeschnittene Kartonschachteln verwendet, immer öfter näht sie nun Säckchen aus den Stoffresten, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben.

Valentina arbeitet zu 95 % mit Bronze, ihre Entwürfe werden mit Wachs entwickelt und dann gegossen. „Natürlich ist die Bronze nicht wirklich nachhaltig, denn der Kupferabbau ist auch kein so reines Geschäft, aber da die für die Legierung verwendeten Metalle keine Edelmetalle sind und ich auch keine Edelsteine verarbeite, komm ich mit meinem Gewissen recht gut aus.“ In den letzten Jahren hat sie auch begonnen mit kleinen Mengen an Silber zu arbeiten.Valentina-Romen-at-work-bronze-@ERomen 05Im Schmuck interessiere sie hauptsächlich die Form, und da biete sich Bronze als Material an, erzählt Valentina. „Ich produziere selbst, das heisst, ich modelliere das Wachs und habe meine Vertrauensgiesserei in Mailand, ein kleiner, sehr sympathischer Dreimann-Betrieb. Danach bearbeite ich die gegossenen Objekte mit sehr einfachen Mitteln – Feilen, Schmirgeln, Polieren – selbst. „Insofern möchte ich behaupten, dass ich slow und fair arbeite – bei der Nachhaltigkeit gibt es kleine Haken.Valentina-Romen,-twosouls-in-one-2020 06In letzter Zeit ist auch die Kunst wieder in den Fokus geraten bzw. verbindet Valentina nun auch Schmuckdesign mit Kunst. Zum Beispiel platziert sie auf einem auf Aluminium gedruckten Foto eines Felsens ihre „Kraxler“ und „Lavater“. Das Foto fungiert hier als Träger, als eine andere Art Schmuckschatulle, die Arbeit wird zur Installation. Zu sehen derzeit im Romantikhotel Turm in Völs am Schlern.Valentina-Romen,-Kraxler-2021 07Valentinas Arbeiten rangieren zwischen 80 und ca. 500 Euro, zu kaufen gibt es sie in ihrem Atelier in Mailand, im Shop vom Kunsthaus Meran, in Bozen führt das Atelier Kompatscher in der Dr.-Streiter-Gasse ausgewählte Stücke, alle Entwürfe könnt ihr aber auch online bestellen.Lea Bürkert 8+9Die fröhlichen Ketten und Armbänder von Lea Bürkert sind mir auf Instagram aufgefallen. Die junge Designerin lebt in München und entwirft seit einigen Monaten Schmuck aus „alten“ Perlen, Upcycling nennt man das. Lea hat Modedesign studiert, bei verschiedenen Unternehmen gearbeitet, u. a. Menswear entworfen und dabei auch nachhaltige Praktiken kennengelernt. Ihr Schmuckprojekt habe durchaus mit Corona und den Lockdowns zu tun, sagt sie, „es ist eine Art Revival, denn schon in meinen Teenagerjahren habe ich mich damit beschäftigt“.Lea Bürkert 10-11Aus dieser Zeit waren noch viele Perlen übrig, alles nach Farben sortiert, die Perlen haben geradezu darauf gewartet wiederentdeckt zu werden.“ Dazu sind dann noch Perlen von Freunden, der Familie, vor allem der Tante und der Oma gekommen. Die Arbeit mache ihr großen Spaß, erzählt Lea, besonders wichtig sei ihr, dass es sich um ein Circular Projekt handle. Lea braucht auf, was in ihrer Umgebung so vorhanden ist und macht etwas Neues daraus. Den Stil ihrer Ketten und Armbänder beschreibt sie als bunt, fröhlich, jung, individuell und unregelmäßig. Sie schätze die Ästhetik des Nichtperfekten. Überhaupt sei das einer der großen Trends, ebenso wie die Wertschätzung von Selbstgemachtem, von Handarbeit.Lea Bürkert 12+13Leas Ketten sind immer Unikate. Gerne arbeitet sie auch auf Bestellung. Ihr findet Lea auf Instagram, eine Auswahl gibt’s auch auf vinted und im Münchner Shop Vintage Revivals. Die Preise bewegen sich je nach Einsatz von echten Süßwasser-, Murano- oder Swarowski-Perlen und verschiedenen Verschlüssen zwischen 20 und 28 Euro und bei der Luxury Edition zwischen 60 bis 65 Euro. Leas Ketten kommen sehr gut an, überzeugt euch selbst. 

To be continued… 

Fotos: (1) © Valentina Romen; (2) © Susanne Barta; (3–7) © Valentina Romen; (8–15) © Lea Bürkert

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