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December 18, 2019

Nachhaltig und regional: die Gürtel von KRANZ

Susanne Barta

Die Geschichte der KRANZ-Gürtel hört sich auch richtig gut an. Nikolaus Schötz erzählt sie oft. Denn es ist ihm wichtig, dass mehr und mehr Leute beginnen, darüber nachzudenken, wie ihre Ledersachen produziert werden und woher sie kommen. Ich habe die Gürtel auf der Greenstyle munich das erste Mal gesehen, Kranz war auch eine der Brands, die beim Pop-up der Greenstyle auf der Biolife in Bozen präsentiert wurde.

Lederprodukte aus fairer, nachhaltiger und regionaler Herstellung im Handel zu finden, ist nicht ganz einfach. Die Lederproduktion ist ein dreckiges Business. Vor allem die eingesetzten, zum Teil gefährlichen Chemikalien. 80 Prozent des weltweit verwendeten Leders wird in großen Gerbereien in Asien verarbeitet, unter teilweise unzumutbaren Arbeitsbedingungen, die überwiegende Mehrheit der Tiere kommt aus Massentierhaltung. Mehr dazu könnt ihr zum Beispiel hier bei Quarks erfahren oder hier

Nikolaus, was unterscheidet die Gürtel von Kranz von herkömmlich produzierten Gürteln?

Wenn man liest „ökologisch hergestellt“, bezieht sich das meist auf die Art der Gerbung des Leders, also dass mit pflanzlichen Stoffen gegerbt wurde. Das ist bei uns auch der Fall, aber zusätzlich stellen wir sicher, dass das Leder von ökologisch gehaltenen Rindern aus dem süddeutschen Alpenraum stammt. Wir fahren die Roh-Häute selbst vom Schlachthaus zur Gerberei. Die zweite Besonderheit ist, dass wir auch die Schließen in Süddeutschland herstellen. Häufig ist bei Gürteln „Made in Germany“ eine Schließe vernäht, die im Ausland gefertigt wurde. Manchmal noch in Italien, mittlerweile aber meistens im fernen Osten.

Susanne Barta KRANZ Gürtel 

Für viele ist ja das bloße Verwenden von Leder unethisch …

Ich kann verstehen, dass jemand, der sich fleischlos ernährt, tierische Produkte auch sonst vermeiden möchte. Ich persönlich esse Fleisch, wenig, ökologisch und regional. Für mich ist es ein schönes Gefühl, Leder anzufassen, das aus einer ökologischen Landwirtschaft stammt und regional verarbeitet wurde. Solange Rinder geschlachtet werden, fallen Häute als Nebenprodukt an. Ohne Rinder wäre die Landwirtschaft eine andere. Auf großen Teilen der Erde wächst nichts anderes als Gras. Auch auf einem großen Teil der Südtiroler Berghänge lassen sich kein Obst, Getreide und Gemüse anbauen. Ohne Tierhaltung wären diese Flächen für die Lebensmittelproduktion nicht nutzbar. Rinder sind für uns also von großem Wert. 

Wie bist du zur Produktion von nachhaltigen Gürteln gekommen?

Nachhaltigkeit hat mich schon immer interessiert. Mir ist aufgefallen, dass es kein Leder auf dem Markt gab, bei dem die ökologische Haltung der Tiere garantiert wurde. Also habe ich mich 2016 daran gemacht, selbst Roh-Häute aufzukaufen und gerben zu lassen. Genauso war es bei den Gürtelschließen. Es gibt keine Schließen auf dem Markt, die in Deutschland gefertigt wurden. Also habe ich einen Gießer gesucht, der das kann, und wir gießen nun unsere eigenen Schließen.

Und wie läuft’s?

Mir ist klar, dass ich mich in einer Nische bewege. Ich muss nach wie vor viel erklären, denn nicht alle verstehen, dass meine Gürtel mehr kosten als andere (Anmerkung: zwischen 89 und 149 Euro). Aber viele finden die Marke und die Geschichte dazu sehr sympathisch und schätzen die Sicherheit, dass man weiß, wie der Gürtel produziert wurde. Immer mehr Menschen ist die Nachhaltigkeit der Produktionskette wichtig. Aber nicht an erster Stelle. Zuerst muss Mode gefallen. Das heißt, wir konkurrieren mit Herstellern, die in der Produktionskette nicht so genau hinschauen. Das klappt bei uns ganz gut, weil wir auf hohe Qualität setzen. Susanne Barta KRANZ GürtelWer sind deine Kunden?

Ganz gemischt. Anfangs hauptsächlich Herren. Wir bringen nach und nach neue Modelle heraus, mittlerweile tragen auch viele Frauen und junge Leute unsere Gürtel.

Die Gürtel von KRANZ gibt es nun auch in Bozen im eben eröffneten nachhaltigen Concept-Store Kauri in der Bindergasse.

Fotos: (1) Nikolaus und Susanne auf der GREENSTYLE @ Biolife Bozen; (2) Jeans > Secondhand; Gürtel > Kranz; Schuhe > Secondhand, Stuart Weitzman, Pullover > handgestrickt aus Bolivien; Rolli > CORA happywear; (3) KRANZ @ Kauri-Store Ó Zulupicture – Luca Zuccolo 

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