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October 23, 2019

How could Activism 4.0 look like?

Susanne Barta

Ein Satz ist mir in Erinnerung geblieben. Aus Jan Lauwers Stück „All the good“, mit dem Transart sein diesjähriges Festival eröffnet hat. Ob ich den Satz ganz präzise wiedergebe, weiß ich nicht, aber von der Aussage her lautete er so: „Die Aktivisten von heute sind die Unterdrücker von morgen.“ Ich finde, da ist einiges dran. Wer mit allem Eifer davon überzeugt ist, dass er/sie das richtige tut, sagt, schreibt, macht, kann leicht die Perspektive verlieren. Die Welt wird dann sehr klein, die Handlungsmöglichkeiten ebenso und es sind immer die anderen, die alles falsch machen. Das gilt auch für die Beschäftigung mit nachhaltiger und fairer Mode. In der Textilindustrie läuft ja wirklich vieles grundlegend schief. Dass da, was zu tun ist, denke ich, wird niemand bezweifeln, der hier besser hinschaut. Die Frage ist aber wie. Der Zeigefinger ist nicht wirklich hilfreich, mit Beschuldigungen kommt man bekanntlich nicht weit.

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Vor einiger Zeit bin ich bei einer Green Fashion Tour in München mitgegangen, geführt von Mirjam Smend, der Gründerin der Greenstyle München. Ein sehr schöner Vormittag war das, interessante Geschäfte, nette, engagierte Leute und auch noch tolles Wetter. The Green Fashion Tours sind in Berlin gestartet, seit einem Jahr gibt es sie nun auch in München. 31 Stationen sind auf dem Folder ausgewiesen. Man kann sie alleine besuchen, oder eben als geführte Tour. Man lernt die Shopbesitzer/innen kennen, Designer und Produzentinnen. Erfährt Wissenswertes über die Konzepte und Hintergründe der Marken und Shops. Und hat auch Zeit in Ruhe zu stöbern und kann, wenn man möchte, etwas kaufen. Ich habe eine sehr schöne Secondhand Bluse im Capricon Store gefunden.

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Was mir an diesem Vormittag besonders aufgefallen ist: Die Leute sind begeistert von dem was sie tun; sie zeigen nicht mit dem Finger auf andere, sondern machen vor, wie es anders gehen kann. Überhaupt habe ich im Rahmen meiner Recherchen und Beschäftigung mit nachhaltiger Mode viele interessante, reflektierte und sehr zupackende Menschen getroffen. In gewisser Weise sind sie alle Aktivisten, auch ich bin eine. Aber ich wage mal zu behaupten, wir sind nicht die Unterdrücker von morgen. Sondern wir möchten die sein, die mit dem, was sie können, neue Wege aufzeigen. Das heißt für mich aber nicht, dass man nicht laut sagen soll, was schief läuft. Die jungen Leute von „Fridays for Future“ haben allen Grund, finde ich, laut zu sein und zu sagen, was ihnen nicht passt. Aber eines sollte klar sein: Wir brauchen keine Unterdrücker, weder heute noch morgen.

Nochmals zurück zu den Greenfashion-Touren: Zu gerne würde ich solche Touren auch in Bozen anbieten. Da gibt’s aber leider nicht genug, was man besuchen könnte. Der Trend geht eher in die gegenteilige Richtung: Fast-Fashion-Kette reiht sich an Fast-Fashion-Kette in der Bozner Altstadt. Die Kaufleute scheinen den Trend zu mehr Nachhaltigkeit im Konsum geradezu zu verschlafen. Etwas Aktivismus könnte da vermutlich nicht schaden.

Fotos:
(1): Jeans > goodsociety; Jeanshemd > von meinem Lebensgefährten; Sakko > Vintage, The Renewery; Schuhe > Prada (seit über zehn Jahren mehr in meinem Schrank als an meinen Füßen)
Foto (2): Susanne: Jeans > Arket; Lederjacke > Re-Bello; T-Shirt > Bandshirt/Beatles; Tasche aus Piñatex > Maravillas Bags; Mirjam: Jacke > Secondhand; Hose > Armedangels; Pullover > Petite Bateau; Schuhe > nat-2 Footwear; Tasche > Maravillas Bags;
Foto (3): Jeans > Arket; Bluse > Secondhand, Capricorn Store 

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