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October 31, 2018

SK8M8 Daniel Merighi

Text Nadine Pardatscher
Alle die, die einen Versuch versuchen. Alle, die aus der Reihe tanzen, aber taktvoll! Jene, die ihre eigene Zukunft basteln und knipsen, um auf das aufmerksam zu machen, was ihnen wichtig ist. Andere schminken anstatt sich seinen eigenen Traum abschminken und dabei gleichzeitig in der Alltagsrolle bleiben. Leidenschaftlich begeistert und imstande, andere von der eigenen Leidenschaft zu begeistern. In dieser Serie werden einige dieser – jungen – Südtiroler KünstlerInnen, MusikerInnen, JungunternehmerInnen, SportlerInnen und TänzerInnen vorgestellt: MUT, NUR MUT #08 – Daniel Merighi

 

Der Asphaltsurfer – gerne unterwegs auf zwei Achsen, vier Rollen, einer siebenschichtig verleimten Holzschicht – ist sicherlich nicht auf dem Holzweg, trotz der vielen Bretter im Kopf. Kunst, Lebenseinstellung und Sport. Daniel Merighi ist 30 Jahre alt und Unternehmensgründer von Deaf Chips, Produzent von Skateboards und Streetwear.

Bist du oft mit dem Skateboard unterwegs? Wo skatest du meistens?

Sobald ich die Möglichkeit habe, fahre ich Skateboard! Fixe Termine sind Freitag, Samstag, Sonntag und manchmal auch unter der Woche – vorausgesetzt natürlich, meine Arbeit erlaubt es mir. Wir treffen uns direkt auf dem Platza Skatepark in Bozen, drehen ein paar Runden und filmen uns auch hin und wieder. Neben dem Skaten gefällt mir nämlich auch das Filmen und das Videodrehen von Freunden sehr gut.

Hast du an Skateboard-Contests teilgenommen?

Ja, ich habe an einigen teilgenommen … sind aber nicht gut gelaufen : D

Wie kam es dazu, dass du deine eigenes Unternehmen gegründet hast?

Ich glaube, dass das mit der vorherigen Frage zu tun hat. [lacht] – Soll heißen, dass ich nicht genügend Skater-Qualitäten hatte, um eine derartige Karriere anzustreben. Deshalb wollte ich mir meine eigene Geschichte kreieren und zum anderen versuchen, Teil der lokalen Skate-Szene zu werden. Viele Menschen glauben, dass man auf Biegen und Brechen einen Sponsor braucht, um stärker oder erfolgreicher zu sein. Meiner Meinung nach aber, um Teil dieser Bewegung zu sein (ich wüsste nicht, wie ich es anders definieren könnte), genügt nur einzig und allein das Ziel, um das sich alles und alle drehen – das Skateboard. Es allein zieht den Skater, den Fotograf, den Videomaker, das Magazin an.

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Wieso der Name “Deaf Chips”?

Die Geschichte zum Namen “Deaf Chips” ist eine wirklich alte … [lacht] … das ist sehr lange her. Damals bin ich sogar noch ins Baila gegangen. Das Wort “Chips” entstand zusammen mit Stefan Zozin: Es machte nicht wirklich einen Sinn und vor allem konnte man “Chips” in jedem Kontext benutzen. Die einzige Sache, die ich euch mit Sicherheit sagen kann, ist, dass es sich um ein Adjektiv handelt, sowohl offensiv als auch positiv brauchbar – einfach davon abhängig, was man mit dem Satz ausdrücken möchte. Im Grunde genommen ist Deaf Chips eine Person, die sich zwar bewusst ist, im Unrecht zu sein bzw. etwas nicht richtig zu machen, und dennoch nicht hören will, was du ihr erklären möchtest. Nicht aus Überheblichkeit, sondern einfach deshalb, weil sie es alleine machen, weiterbringen und schaffen möchte. Meiner Meinung nach spiegelt dieser Gedanke die Skateboard-Identität wieder, in welcher du derjenige oder diejenige bist, welche/r für das Schaffen einer Herausforderung und dem Ziele-Erreichen verantwortlich ist. Und im gleichen Moment gehörst du einer Gruppe von vielen verschieden Personen an, die andere Tricks probieren, aber dir Versuch für Versuch helfen und dich unterstützen, bis du dein persönliches Ziel erreicht hast. Es folgen Freudenschreie und Umarmungen und dann steckst du dir ein neues Ziel, ohne dass du dich lange auf deinen Lorbeeren ausruhen wirst. Es ist schwierig [lacht]  –  ich weiß … ich bin wirklich so ein Chips …

Zukunftsprojekte?

Das erste Projekt, das mir sofort einfällt, ist sicherlich die geplante Video-Produktion mit meinen Team-Ridern während einer Europa-Tour – und dabei jede Menge Spaß zu haben! Und dann, mal sehen … Mir würde es gut gefallen, für die grafische Planung der Skateboards mit weiteren KünstlernInnen zusammenzuarbeiten – mit Philipp Klammsteiner, zum Beispiel, passiert das schon. Ich möchte einfach so viele Leute wie möglich einbeziehen. Talentierte junge Leute helfen mir auch bereits beim Fotografieren oder den Videos.

Wo verkaufst du deine Skateboards?

Meine Produkte findet man in den Skateboard-Hauptgeschäften in der Region. Eines zum Beispiel in Bozen. Über den Online-Shop hingegen verkaufe ich nach Frankreich, Spanien, Deutschland, Österreich und Italien.

Lieblings-Skateboarder?

Hmmmmm … Nick Boserio, Dane Brady, Austyn Gillette, Jacopo Carozzi, Andrew Reynolds, Eric Koston, Andrew Allen und viele mehr …

Die Faszination am Skaten?

Das Faszinierende am Skaten ist für mich, dass es gegen alle kulturellen Differenzen ankämpft, indem rund um das Skateboard eine einheitliche Gruppe geschaffen wird. Egal, welchen Trick du stehst, auf welchem Niveau du dich befindest, es ist immer ein Kampf gegen dich selbst und gegen deine eigenen Ängste. Aber anstatt dass du dabei alleine ist, befindest du dich inmitten von Personen, die weder darauf schauen, welche Schuhe du trägst, noch über dich urteilen aufgrund dessen, wer oder was du bist. Wichtig ist einfach nur, den Trick zu schaffen; die Gruppe steht hinter dir, wenn du fällst oder dich verletzt, aber auch wenn du aufstehst und es einfach noch einmal versuchst. Eine Bekanntschaft von auch nur einer Stunde genügt, um Teil dieser Gruppe zu sein. Einfach mal Richtung Platza oder Sportzone starten … vielleicht skatet ja jemand … 

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Hast du Kooperationen mit anderen Skateboard-Unternehmen?

Nein, im Moment gibt es keine.

Barcelona soll die Stadt der Skates sein. Warst du dort auch schon?

Mehrere Male war ich schon dort und ich werde auch bald wieder dahin zurückkehren. Die Plaza dort ist auf europäischer Ebene das Skate-Mekka schlechthin und das nicht zuletzt wegen ihrer großartigen architektonischen Voraussetzungen. In letzter Zeit wachsen aber auch andere Skate-Realitäten in den Hauptstädten in Europa heran: Kopenhagen, Berlin, Amsterdam.

Deine letzte Reise … 

… war im September vergangenen Jahres zusammen mit vielen Freunden: Für zwei Wochen waren wir in Sardinien und haben überall gefilmt, um ein Video für einen bekannten, lokalen Skateshop zu schneiden. Eine ganze Woche lang haben wir in aufgeschlagenen Zelten und in Vans am Strand geschlafen, um anschließend in eine kleine Villa umzusiedeln. Einfach unvergesslich!

Wer ist der Verantwortliche für das Designen der Bretter?

Der Verantwortliche, würde ich sagen, bin ich. Um ehrlich zu sein, kümmere ich mich eigentlich um alles ein bisschen. Dank einer sehr guten Zusammenarbeit und seinem großen Talent entstehen mit Philipp Klammsteiner wirklich sehr schöne Arbeiten. 

Was kannst du mir über die Skateboard-Szene in Bozen und Südtirol erzählen?

Die Szene in Bozen – und an dieser Stelle Danke dem Projekt Platza – ist in den vergangenen Jahren total gewachsen! Der Park ist immer voll mit jungen Menschen, die total motiviert sind. Es herrscht wirklich eine schöne Atmosphäre! 14–20 -Jährige, 30- und 40-Jährige – bunt gemischt. Alle sind dabei! Ich bin auf jeden Fall gespannt, was die Zukunft mit sich bringt. Eine Lichtinstallation könnte den Skatepark zum Beispiel noch aufwerten. Jene, die unter der Woche arbeiten, schaffen es natürlich nur leider sehr selten die gesamte Struktur auszunutzen. Dies ist schade!

Fotos: Daniel Merighi

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