Contemporary Culture in the Alps
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Premierentage, einmal buchstabiert

Am Donnerstag eröffnet die diesjährige Ausgabe des Innsbrucker Herbstfestivals zeitgenössischer Kunst

04.11.2026
Barbara Unterthurner
Premierentage, einmal buchstabiert

Die Premierentage eröffnen heuer im hammerl areal in Wilten, abseits des Zentrums. Der Ort wird von der diesjährigen Festival-Künstlerin Martina Moro installativ und partizipativ bespielt. © hammerl areal

Die Premierentage eröffnen heuer im hammerl areal in Wilten, abseits des Zentrums. Der Ort wird von der diesjährigen Festival-Künstlerin Martina Moro installativ und partizipativ bespielt. © hammerl areal

Seit bald 30 Jahren laden die Premierentage in Innsbruck allherbstlich zum (gemeinsamen) Kunstschauen. Das Prinzip des Festivals bleibt auch heuer unverändert – und ist wohl auch deshalb so nachhaltig. 3 Tage, 20+ Orte, freier Eintritt, ein dichtes Programm. Eröffnung reiht sich an Künstler*innengespräch, kommt neben Performance, Stadtspaziergang, Konzert und Buchpräsentation zu liegen, bevor Finissage und Party den Deckel draufhauen – wie kann man diesem Programmreigen und dem Festival 2026 überhaupt neu begegnen? Vielleicht, indem man Premierentage zur Eröffnung der diesjährigen Ausgabe für Kenner*innen und Nichtkenner*innen einmal buchstabiert.

About the authorBarbara UnterthurnerWas tun, wenn’s in den Fingern juckt? Am besten einmal die eigene Meinung in die Tasten hämmern. Als [...] More
P wie Premiere: Ja, bei Premierentagen it’s all about Premiere – oder? In dieser Angelegenheit scheiden sich die Geister. Einige pochen darauf, die Premierentage müssten Neues, Ungesehenes zeigen – erinnern sich also an die ursprüngliche Initiative für gemeinsame Ausstellungseröffnungen. Andere sind überzeugt, das Programm ist die Premiere. Es geht bei der gemeinsamen Veranstaltung von unterschiedlichen Kunstinstitutionen nicht um die Vernissage als Format, sondern mehr um die Vielfalt der Zugänge. Auch heuer reihen sich an die Openings Artist Talks (der erste im Programm geht mit Christa Sommerer & Laurent Mignonneau in der Kunstbrücke über die Bühne) Art Walks, Führungen (die letzte im Programm mit Margret Schiestl und Sugarplum im artdepot) oder einem Konzert (mit Annette Fritz und Aron Ludwig im aut.). Fix ist: Alles steht im Zeichen der zeitgenössischen Kunst – und es geht um unterschiedliche Wege dorthin.

R wie „richtige“ Premiere: Gilt hier als Ergänzung zum vorherigen „P“ – wobei mit „richtiger“ Premiere jetzt wirklich die Openings gemeint sind. Wie viele Ausstellungen können überhaupt an einem Wochenende stattfinden? Im Premierentage-Programm sind es heuer fünf – neben dem Opening des Festivals selbst. Sie verteilen sich auf die Abende des 5. und 6. November. Zu sehen sind dann (und auch über das Premierentage-Wochenende hinaus) u. a. Schriftbilder von Irene Dapunt (im WEI SRAUM. Designforum Tirol) oder Druckgrafik und Hinterglasmalereien von Elisabeth Moser (in der Galerie Rhomberg).

E wie Eröffnung: Nach all den „richtigen“ und „nicht-richtigen“ Premieren jetzt zur Eröffnung des Festivals: Der Ort des Premierentage-Auftakts hat im Laufe der Jahrzehnte wiederholt gewechselt. Der Eröffnungsort ist – auch heuer – Infopoint und Offspace zugleich. Schon 2025 wurde dafür Leerstand bespielt, zuletzt ein aufgelassenes Geschäft in der Innsbrucker Museumstraße. Heuer steigt das Opening im sogenannten hammerl areal im Stadtteil Wilten. Die Premierentage lenken damit wohl bewusst den Blick vom Zentrum weg – auch die Programmpunkte Eröffnungsabend am Donnerstag spielen sich größtenteils südlich der Maria-Theresien-Straße ab.

M wie Mitglieder: Die Mitglieder der Premierentage sind die einzelnen Institutionen, aus denen sich letztlich auch der Verein der Premierentage zusammensetzt – und die den Großteil des Festivalprogramms vorgeben. Weil sie ihre Häuser und Orte mit zeitgenössischer Kunst bespielen. Im heurigen Festival sind 23 Mitglieder an Bord – sie reichen vom großen Kulturdampfer (Tiroler Landesmuseen) bis zum kleinen Space (Galerie A4 & Garage Span); vom Uni-Umfeld (Institut für Kunstgeschichte der Universität Innsbruck oder Universität Mozarteum [Bildnerische]) bis zur klassischen Galerie (Galerie Johann Widauer). Bemerkenswert ist: Das Netzwerk wächst – immer noch: Heuer neu dabei ist die wiedereröffnete Kunstbrücke, ebenso wie die Galerie gezwanzig, die in Innsbruck und Wien daheim ist.

I wie Innsbruck (aber nicht nur): Die Orte, die im Rahmen der Premierentage besucht werden können, sind vielfältig – und traditionell auf Innsbruck verteilt. Das Festival endet aber nicht an den Stadtgrenzen. Auch der Kunstraum Schwaz und das Klocker Museum in Hall machen Programm. Und werden per Shuttleservice angefahren. Es gilt das „first come & first served“-Prinzip (mit Anmeldung) und es gibt Kaffee & Kipferl.

E wie eineinhalb Stunden: So lange dauern auch in diesem Jahr die Art Walks, die das Festival zusätzlich zu speziellen Führungen der teilnehmenden Institutionen anbietet. Art Walk, das heißt auch, sich Kunst erwandern: Mit Kulturvermittler*innen geht es durch mehrere Institutionen – traditionellerweise werden die angesetzten eineinhalb Stunden gern auch gesprengt.

R wie Rückblick: Hier darf nun endlich das Bild übernehmen. Einen Rückblick im Fotoformat bieten die Premierentage online an. Dort können sich Interessierte durch vergangene Ausgaben scrollen. Und entdecken, was man nicht gesehen hat. Oder übersehen wurde. 

E wie Einfache Sprache: Nach einem Testlauf 2025 mit einer Führung in Einfacher Sprache, bietet das Festival in einer Kooperation mit „Hunger auf Kunst und Kultur“ auch heuer eine Führung in Leichter Sprache an. Gemeinsam mit Vermittlerin Monika Mazegger können sich Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen auf Leichte Sprache angewiesen sind, auf ihren Weg zur Kunst machen. Das Organisationsteam der Premierentage will damit das Vermittlungsprogramm des Festivals erweitern. Oder wie sie es formulieren: „Die Führung soll es noch mehr Menschen ermöglichen, am Festival teilzunehmen.“ 

N wie neunzehnhundertachtundneunzig: Seit 1998 finden die Premierentage in Innsbruck statt. Gegründet wurden sie famously von Galeristin Elisabeth Thoman und Künstler Martin Gostner, damals wohl nach einem deutschen Vorbild. Formate nach (mehr oder weniger) ähnlichem Prinzip gibt es heute von Ost bis West und von Nord bis Süd, von den BAW Bolzano Art Weeks bis hin zum Zurich Art Weekend, Various Others in München oder curated by in Wien. 

T wie Team: Hinter dem Festival stecken nicht nur die teilnehmenden Institutionen und Mitglieder des Vereins, sondern alljährlich auch ein Organisationsteam, das Kooperationen knüpft, das Programm ordnet und sich um die Außenwirkung kümmert. Für diese Ausgabe – wie schon im letzten Jahr – sind das Mona Erhart und Delia Salzmann.

A wie Areal, hammerl areal: Dieser Eröffnungsort hat einen eigenen Buchstaben verdient – aufhorchen dürften dabei auch all jene, die um die Debatte zu fehlenden Kulturräumen in Innsbruck wissen. Das hammerl areal, eine denkmalgeschützte Villa, liegt im Stadtteil Wilten zwischen Südring und Bahntrasse und wird im Rahmen der Premierentage als Eröffnungsort, Infopoint und Offspace benutzt und aktiviert. Laut Festivalleiterinnen wird das hammerl areal gerade „von einer Gruppe motivierter Menschen saniert und Stück für Stück wiederbelebt“, um künftig „für kulturelle, kreative und handwerkliche Zwecke“ zu dienen. Hinter dem (ambitionierten!) Vorhaben steckt Architektin Julia Pohl, war zuletzt in der Tiroler Straßenzeitung 20er zu lesen. Pohl bekommt Unterstützung von Kulturschaffenden oder Studierenden der Architekturfakultät der Uni Innsbruck. Bespielt wird das hammerl areal, das auch schon Drechslerei für Spielzeugherstellung war, übers Premierentage-Wochenende von Konzeptkünstlerin Martina Moro, die partizipativ und installativ auf das Umfeld reagieren will. 

G wie Ganzjahresprogramm: Seit einigen Ausgaben gibt es Premierentage auch das ganze Jahr – nur halt digital. Mit einem Newsletter informiert das Festival über die Festivalzeit hinaus seine Subscriber*innen über die Aktivitäten der Institutionen im Festival. Wer sich informieren will, was Woche für Woche auf dem Feld der zeitgenössischen Kunst in Innsbruck so abgeht, ist mit dem Wochenbriefing (auch einsehbar über Instagram) gut bedient.

E wie Ergänzung: Was geht noch mehr? Die Premierentage kooperieren auch heuer mit Initiativen, die sich außerhalb des „klassischen“ Kunstkontextes bewegen – 2026 etwa mit dem Theater praesent, dem feministischen EAT Network oder dem gleichzeitig stattfindenden Film Festival Inncontro – siehe dazu auch Z wie Zusatzprogramm im diesjährigen Premierentage-Programm.

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Tags

innsbruck, Premierentage, Mona Erhart , Delia Salzmann , hammerl areal, Offspace
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