Am Donnerstag eröffnet die diesjährige Ausgabe des Innsbrucker Herbstfestivals zeitgenössischer Kunst

Die Premierentage eröffnen heuer im hammerl areal in Wilten, abseits des Zentrums. Der Ort wird von der diesjährigen Festival-Künstlerin Martina Moro installativ und partizipativ bespielt. © hammerl areal
Die Premierentage eröffnen heuer im hammerl areal in Wilten, abseits des Zentrums. Der Ort wird von der diesjährigen Festival-Künstlerin Martina Moro installativ und partizipativ bespielt. © hammerl areal
Seit bald 30 Jahren laden die Premierentage in Innsbruck allherbstlich zum (gemeinsamen) Kunstschauen. Das Prinzip des Festivals bleibt auch heuer unverändert – und ist wohl auch deshalb so nachhaltig. 3 Tage, 20+ Orte, freier Eintritt, ein dichtes Programm. Eröffnung reiht sich an Künstler*innengespräch, kommt neben Performance, Stadtspaziergang, Konzert und Buchpräsentation zu liegen, bevor Finissage und Party den Deckel draufhauen – wie kann man diesem Programmreigen und dem Festival 2026 überhaupt neu begegnen? Vielleicht, indem man Premierentage zur Eröffnung der diesjährigen Ausgabe für Kenner*innen und Nichtkenner*innen einmal buchstabiert.
I wie Innsbruck (aber nicht nur): Die Orte, die im Rahmen der Premierentage besucht werden können, sind vielfältig – und traditionell auf Innsbruck verteilt. Das Festival endet aber nicht an den Stadtgrenzen. Auch der Kunstraum Schwaz und das Klocker Museum in Hall machen Programm. Und werden per Shuttleservice angefahren. Es gilt das „first come & first served“-Prinzip (mit Anmeldung) und es gibt Kaffee & Kipferl.
E wie eineinhalb Stunden: So lange dauern auch in diesem Jahr die Art Walks, die das Festival zusätzlich zu speziellen Führungen der teilnehmenden Institutionen anbietet. Art Walk, das heißt auch, sich Kunst erwandern: Mit Kulturvermittler*innen geht es durch mehrere Institutionen – traditionellerweise werden die angesetzten eineinhalb Stunden gern auch gesprengt.
R wie Rückblick: Hier darf nun endlich das Bild übernehmen. Einen Rückblick im Fotoformat bieten die Premierentage online an. Dort können sich Interessierte durch vergangene Ausgaben scrollen. Und entdecken, was man nicht gesehen hat. Oder übersehen wurde.
E wie Einfache Sprache: Nach einem Testlauf 2025 mit einer Führung in Einfacher Sprache, bietet das Festival in einer Kooperation mit „Hunger auf Kunst und Kultur“ auch heuer eine Führung in Leichter Sprache an. Gemeinsam mit Vermittlerin Monika Mazegger können sich Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen auf Leichte Sprache angewiesen sind, auf ihren Weg zur Kunst machen. Das Organisationsteam der Premierentage will damit das Vermittlungsprogramm des Festivals erweitern. Oder wie sie es formulieren: „Die Führung soll es noch mehr Menschen ermöglichen, am Festival teilzunehmen.“
N wie neunzehnhundertachtundneunzig: Seit 1998 finden die Premierentage in Innsbruck statt. Gegründet wurden sie famously von Galeristin Elisabeth Thoman und Künstler Martin Gostner, damals wohl nach einem deutschen Vorbild. Formate nach (mehr oder weniger) ähnlichem Prinzip gibt es heute von Ost bis West und von Nord bis Süd, von den BAW Bolzano Art Weeks bis hin zum Zurich Art Weekend, Various Others in München oder curated by in Wien.
T wie Team: Hinter dem Festival stecken nicht nur die teilnehmenden Institutionen und Mitglieder des Vereins, sondern alljährlich auch ein Organisationsteam, das Kooperationen knüpft, das Programm ordnet und sich um die Außenwirkung kümmert. Für diese Ausgabe – wie schon im letzten Jahr – sind das Mona Erhart und Delia Salzmann.
A wie Areal, hammerl areal: Dieser Eröffnungsort hat einen eigenen Buchstaben verdient – aufhorchen dürften dabei auch all jene, die um die Debatte zu fehlenden Kulturräumen in Innsbruck wissen. Das hammerl areal, eine denkmalgeschützte Villa, liegt im Stadtteil Wilten zwischen Südring und Bahntrasse und wird im Rahmen der Premierentage als Eröffnungsort, Infopoint und Offspace benutzt und aktiviert. Laut Festivalleiterinnen wird das hammerl areal gerade „von einer Gruppe motivierter Menschen saniert und Stück für Stück wiederbelebt“, um künftig „für kulturelle, kreative und handwerkliche Zwecke“ zu dienen. Hinter dem (ambitionierten!) Vorhaben steckt Architektin Julia Pohl, war zuletzt in der Tiroler Straßenzeitung 20er zu lesen. Pohl bekommt Unterstützung von Kulturschaffenden oder Studierenden der Architekturfakultät der Uni Innsbruck. Bespielt wird das hammerl areal, das auch schon Drechslerei für Spielzeugherstellung war, übers Premierentage-Wochenende von Konzeptkünstlerin Martina Moro, die partizipativ und installativ auf das Umfeld reagieren will.
G wie Ganzjahresprogramm: Seit einigen Ausgaben gibt es Premierentage auch das ganze Jahr – nur halt digital. Mit einem Newsletter informiert das Festival über die Festivalzeit hinaus seine Subscriber*innen über die Aktivitäten der Institutionen im Festival. Wer sich informieren will, was Woche für Woche auf dem Feld der zeitgenössischen Kunst in Innsbruck so abgeht, ist mit dem Wochenbriefing (auch einsehbar über Instagram) gut bedient.
E wie Ergänzung: Was geht noch mehr? Die Premierentage kooperieren auch heuer mit Initiativen, die sich außerhalb des „klassischen“ Kunstkontextes bewegen – 2026 etwa mit dem Theater praesent, dem feministischen EAT Network oder dem gleichzeitig stattfindenden Film Festival Inncontro – siehe dazu auch Z wie Zusatzprogramm im diesjährigen Premierentage-Programm.