Contemporary Culture in the Alps
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Slow Fashion

„Es macht mir Spaß, zu schauen, was noch möglich ist“

Simone Augschöll im Gespräch über ihr Upcycling-Projekt „Ich war einmal“

03.11.2026
Susanne Barta
„Es macht mir Spaß, zu schauen, was noch möglich ist“

© Simone Augschöll

© Simone Augschöll

Secondhand und Upcycling passen sehr gut zusammen. Vor allem, wenn man so konsequent arbeitet wie Simone Augschöll. Für ihre hübschen Upcycling-Teile verwendet sie nur das, was schon getragen oder ausgemustert wurde. Nicht mehr verwendete Hosen, Röcke, Tischdecken, Vorhänge, Mäntel, Jacken, Hemden werden bei ihr zu richtig coolen Teilen. Die Stücke sehen dabei aus wie neu. „Neu ist relativ“, sagt sie lächelnd. Ihr Projekt nennt sie „Ich war einmal“, hier findet ihr es auf Instagram.

© Susanne Barta
 
 

Seit Oktober 2026 ist Simone mit ausgewählten Stücken zu Gast bei Klamotte in Meran. Beide freuen sich über diese erste Zusammenarbeit. „Nicht alles Upgecycelte gefällt mir", sagt Sara Daltrozzo, die Gründerin von Klamotte, „aber die Stücke von Simone haben mich gleich angesprochen. Die Kundschaft für Secondhand ist oft auch interessiert an Upcycling-Mode, vor allem wenn sie so zeitgemäß aussieht und so gut gemacht ist wie Simones.“

 
© Simone Augschöll
 
 
© Simone Augschöll

Simone hat einen werbegraphischen Hintergrund, ein Jahr Produktdesign in Bozen studiert, dann aber wollte sie verschiedene Handwerke kennenlernen und ist beim Textilen hängen geblieben. Sie hat sich für eine Schneiderinnen-Ausbildung entschieden und auch eine Ausbildung in Weberei gemacht. „Die viele Arbeit, die vielen Produktionsschritte, die vielen Menschen, die hinter einem fertigen Kleidungsstück stehen, haben mich nachhaltig beeindruckt“, erzählt sie. „Und die oft niedrigen Preise für Kleidungsstücke nachdenklich, ja, betroffen gemacht, denn eine faire Bezahlung kann sich da niemals ausgehen.“ Ein Upcycling-Projekt während ihrer Ausbildung hat dann ihre Leidenschaft geweckt, es anders zu machen. Um ihr Projekt aktuell finanzieren zu können, arbeitet sie zusätzlich in einer Bäckerei.

© Susanne Barta

Ich habe Simone bei Klamotte getroffen und mich mit ihr über ihre Arbeit unterhalten:

Simone, was treibt dich an Upcycling-Mode zu machen?
Es macht mir Spaß, zu schauen, was noch möglich ist aus einem bestimmten Stoff, einem Stück zu machen. Wieviel ich noch verwenden kann zum Beispiel von einem verschlissenen Oberteil. Ich möchte nichts Neues kaufen, es gibt ja schon so viel. Mir ist wichtig, etwas Schönes und Tragbares zu machen aus etwas, das schon da, vielleicht zum Teil schon kaputt ist. Es gibt viele Stücke aus guten Materialien, die einfach nicht mehr modern sind und daher weggegeben werden. Die Modeindustrie ist sehr problematisch, es wird so viel Müll produziert und mit meiner Herangehensweise mache ich darauf aufmerksam, dass es auch anders gehen kann. Ich möchte den Wert dieser Arbeit zeigen und Konsum bewusster machen.

Der Aufwand ist also nochmals größer als herkömmlich zu produzieren …
Natürlich ist diese Arbeit sehr aufwendig. Einen Stoff zu kaufen, das Schnittmuster draufzulegen und loszulegen ist viel einfacher. Ich brauche zum Beispiel drei Hosen für eine Jacke. Die Stoffe sollen zusammenpassen, ich muss alles auftrennen, schauen, dass ich das Schnittmuster aus dem geringen Material herausbringe … Diesen Aufwand kann ich gar nicht ganz in den Preis hineinrechnen, denn sonst werden die Stücke zu teuer. Aber mir macht diese Arbeit so viel Freude, dass ich gar nicht anders arbeiten möchte.

Sara gibt Simone einige Hosen © Susanne Barta
 

Woher nimmst du deine Ausgangs-Stücke?
Ich habe immer viel aufbehalten, zum Beispiel Teile, in die ich nicht mehr hineinpasse, oder Sachen, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Ich bekomme einiges von Freunden, manches kaufe ich selbst secondhand, aber das meiste bekomme ich geschenkt. Ich wähle gut aus, denn zum Teil sind die Materialien nicht gut genug, zum Beispiel, wenn der Anteil an Elastan bei Jeans zu hoch ist.

Hast du einen bestimmten Design-Stil?
Mir ist wichtig, dass meine Stücke lange tragbar sind und Freude machen, gleichzeitig sollen sie natürlich auch modern sein. Derzeit mache ich vor allem Jacken und Taschen sehr gerne. Aber das ändert sich auch je nach Ausgangsmaterial. Immer das Gleiche zu machen, wäre mir eher zu langweilig. 

© Klamotte
 
 

Die Eröffnung des Pop-ups ist für euch beide gut gelaufen, habt ihr erzählt …
Ich habe mich bewusst für Klamotte entschieden, weil hier Leute herkommen, die auch nachhaltig shoppen möchten. In einer schicken, teuren Boutique würde ich mich nicht wohlfühlen. Mir ist der Hintergrund auch bei den Kund*innen wichtig. Diese Zusammenarbeit mit Sara motiviert mich jedenfalls sehr.

Sara fügt hinzu: Das Feedback bisher ist sehr gut. Was mir besonders gefällt, ist, dass Simone Stücke macht, die aussehen, als wären sie neu, sei es vom Design her als auch von der Sauberkeit und vom Stil. Workwear-Jacken zum Beispiel. Es sind wirklich schöne Designs. Und das passt sehr gut zu meinen Vintage-Teilen.

© Simone Augschöll
 
 

Simone, wohin soll es gehen mit dem Projekt „Ich war einmal“?
Ich glaube, das Ziel zeigt sich auf dem Weg. Natürlich möchte ich einmal ausschließlich von dieser Arbeit leben können. Die Freude an der Arbeit steht für mich aber im Vordergrund, gleichzeitig auch damit etwas Gutes bewirken zu können. Ich habe ja keine große Produktion, das würde auch nicht zu meinem Ansatz passen. Ich muss niemandem gefallen, ich mache diese Arbeit in erster Linie für mich und mal sehen, wohin es mich führt.

© Simone Augschöll
 

Das Projekt „Ich war einmal“ von Simone Augschöll ist noch bis 14. November 2026 im Vintage-Store Klamotte in Meran zu Gast. Schaut vorbei.

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Tags

secondhand, Klamotte, Simone Augschöll, Ich war einmal, upcycling
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