Contemporary Culture in the Alps
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Books, I’ve never read: Der Technowalter

30 Jahre DJ Veloziped, erzählt in Buch und EP

25.09.2026
Verena Spechtenhauser
Books, I’ve never read: Der Technowalter

Walter Garber, DJ-Hände aufgenommen im Ottmanngut 2024, ©Patrick Schwienbacher

Walter Garber, DJ-Hände aufgenommen im Ottmanngut 2024, ©Patrick Schwienbacher

Fantastic DJ and fantastic friend. Happy 30th!
Scott Ferguson Producer, Labelowner, DJ, Detroit/London

REWIND
Wir spulen zurück in den Juli 2026: Walter Garber hat mir stellvertretend für die ganze franz-Crew sein Buch Walter Garber Veloziped überreicht. Wir sitzen im Meraner Café Darling direkt an der Passer, die Sonne im Gesicht, und haben uns eigentlich nur auf einen kurzen Plausch über das Buchprojekt verabredet. Aus dem geplanten kurzen Interview werden fast zwei Stunden Gespräch. Über Musik, Vinyl und drei Jahrzehnte DJ Veloziped. Hier ein kurzer Auszug aus einem ziemlich langen Gespräch ...

Doch vorher noch ein paar Infos zum Buch selbst, das am Montag, 28. September 2026, um 19:30 in der Listening Bar im Aurora in Meran präsentiert wird. Mit dabei: Grafik-Designer Alessandro Gatti, Mitgründer von doc a communication und gemeinsam mit Vanessa Moroder verantwortlich für die Gestaltung des Buches, sowie einige der Fotograf:innen und Weggefährt:innen, die am Buch mitgewirkt haben. Im Anschluss stellt sich Veloziped selbst an die Decks.

Veloziped back2back mit Davide Piras aufgenommen im (alten) Ost West Club 2023, ©Karlheinz Sollbauer

AUSSEN
Neongelb, großformatig, solider Einband: Schon von außen macht Walter Garber Veloziped ziemlich unmissverständlich klar, dass hier niemand leise auftreten will. Die Handschrift von Designer Alessandro Gatti ist unverkennbar. Auf dem Cover des Hardcovers: die Rillen zweier schwarzer Vinylplatten. Ein ziemlich starkes visuelles Statement.

INNEN
Das Buch ist in verschiedene Kapitel gegliedert – Friends, Press, Flyer Tribute Mixes – und versammelt in sich nicht nur Bilder und Erinnerungen, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte. Am Beispiel von Veloziped dokumentiert der Band drei Jahrzehnte DJ-Kultur und Subkultur in Südtirol: die Menschen, Orte, Nächte und Geschichten, die diese Szene geprägt haben.

DRINNEN
Auf rund 200 Seiten entfaltet sich ein Bildband und visuelles Archiv aus 30 Jahren Veloziped: mit zahlreichen Fotos und alten Flyern aus drei Jahrzehnten DJ-Geschichte. Dazu kommen Statements von Wegbegleiter:innen, Kulturschaffenden und Freund:innen – darunter etwa Christine Vescoli von Literatur Lana, Bart van der Heide, Direktor des Museion in Bozen, Antonio Lampis, Kulturmanager und ehemaliger Direktor der Kulturabteilung des Landes Südtirol. Spannend ist vor allem der Perspektivenwechsel: Wie sehen andere Walter Garber alias Veloziped? Und wie wurde er über die Jahre in der Presse wahrgenommen? Zu finden sind unter anderem Interviews und Beiträge aus verschiedenen Jahren – darunter auch ein franzmagazine-Interview von 2013 mit Kunigunde Weissenegger mit dem Titel Kein Interview mit Giorgio Moroder, dafür eins mit ­ Walter und Matthiasüber ihn. Mein Lieblingsteil: die umfangreiche Sammlung der alten Flyer. Sie erzählen auf ihre ganz eigene Art von den Partys, den Orten und der visuellen Sprache der jeweiligen Zeit. Und hey, wer kann schon von sich behaupten, dass Kultdesigner Martino Gamper ihm ein ganzes Gedicht gewidmet hat?

ZUGABE
30YRS Veloziped EP – Walter Garber präsentiert Scott Ferguson. Auf seinem Label Veloziped veröffentlicht Walter Garber zwei bisher unveröffentlichte Tracks von Scott Ferguson. Der DJ und Producer stammt aus Detroit, lebt heute in London und ist seit Jahren mit Garber befreundet – inklusive zahlreicher gemeinsamer Sets. Auf der EP zu hören: einmal Electro, einmal Downbeat. Die EP ist unabhängig vom Buch erhältlich. Die Umsetzung von Buch und Platte wurde durch einen Beitrag des Amtes für Deutsche Kultur der Autonomen Provinz Bozen ermöglicht.

Book-Cover: Walter Garber Veloziped 2026, ©Walter Garber

90er jahre, Vellauer Bunker-Fest, die ersten Südtiroler Underground Raves,organisiert von DJ Veloziped, ein Abenteuer mit Carabinieribesuch zu später Stunde, unvergesslich und so heute nur noch schwerstens möglich.
Walter Thaler und Sabine Ladurner, Designer und Schauspielerin, Meran

Ich glaube kaum, dass wir dich unseren Leser:innen noch vorstellen müssen. Aber falls doch: Wer ist eigentlich Walter Garber?
Ich bin 1968 in Meran geboren und habe in den 1990er-Jahren acht Jahre in Wien gelebt, wo ich Germanistik und Publizistik studiert habe. Dort bin ich auch zum DJing gekommen, aber beruflich hat sich mein Weg zunächst in eine ganz andere Richtung entwickelt. Nach meiner Rückkehr nach Südtirol 1998 habe ich mehr als zwei Jahrzehnte an der Erschließung historischer Bibliotheken in Südtirol gearbeitet. Das war ein ziemlich spannendes Projekt und führte mich durch ganz unterschiedliche historische Bestände im Land. Heute bin ich in verschiedenen kulturellen Projekten tätig, unter anderem bei Literatur Lana. Musik ist dabei aber immer ein wichtiger Teil meines Lebens geblieben.

Und Veloziped? Wie hat das eigentlich angefangen?
Veloziped ist eigentlich in Wien entstanden. Ich bin in dieser Zeit immer tiefer in die elektronische Musik eingetaucht. In unserer WG wurde irgendwann nicht mehr nur über Musik geredet, sondern auch aufgelegt. 1995 tauchte der Name Veloziped dann erstmals auf einem Flyer für eine Bunkerparty oberhalb von Algund auf. Wir waren damals zu dritt: Armin Holzgethan, Josef Hafner und ich. Seitdem hat mich das Auflegen eigentlich nicht mehr losgelassen. Von Südtirol ging es später dann auch zu Gigs ins Ausland. Musikalisch habe ich mich dabei nie auf ein Genre festgelegt. House, Techno, Electro, Funk, Soul, Disco oder Hip-Hop – entscheidend ist für mich nicht das Etikett, sondern ob mich die Musik packt. Als DJ sehe ich mich auch ein bisschen als Vermittler: Es gibt unglaublich viele gute Tracks, die kaum jemand kennt oder hört. Die möchte ich auflegen, mit anderen teilen und schauen, was sie mit einem Raum machen.

Snapshots, Flyer Tribute Mixes, Walter Garber Veloziped 2026, ©Walter Garber

Warum ein Buch zum 30-jährigen DJ-Jubiläum?
Die Idee kam eigentlich ganz nebenbei. Ich habe Alessandro Gatti erzählt, dass ich seit bald 30 Jahren DJ bin. Daraufhin hatte er die Idee, ein Buch zu machen. Ich fand die Idee sehr passend, sind Bücher doch auch ein großer und wichtiger Teil meiner Persönlichkeit. Wir haben dann nicht lange überlegt und direkt mit dem Sammeln von Materialien begonnen ...

Was macht für dich einen guten DJ aus?
Wenn Menschen in einem Raum zusammenkommen, entsteht eine bestimmte Energie. Als DJ versuchst du, dieses Chaos in eine bestimmte Richtung zu lenken, ihm deinen Stempel aufzudrücken. Du reagierst ständig auf das Publikum und merkst schnell, wohin sich die Stimmung entwickelt und wohin du sie weiterführen kannst. Das ist keine Einbahnstraße. Die Leute geben genauso etwas zurück. Wenn einige anfangen, etwas richtig gut zu finden, ziehen andere oft mit und öffnen sich. Es entsteht ein Austausch von Energie: Der DJ gibt die Richtung vor, aber ohne das Publikum funktioniert es nicht. Ich möchte als DJ nicht im Mittelpunkt stehen. Der Fokus soll auf der Party, der Veranstaltung, dem Raum und den Menschen liegen. Interessant ist, was in diesem Raum passiert: Am Anfang ist er leer, dann füllt er sich, und durch die Musik verändert er sich. Diesen Prozess mitzuerleben und mitzugestalten, finde ich spannend. Die Leute sind dabei genauso wichtig wie der DJ. Sie müssen mitgehen und geben etwas zurück. Und so entsteht über eine bestimmte Zeit gemeinsam etwas, das vorher noch nicht da war.

Du legst am liebsten mit Vinyl auf. Um die 6.500 Platten stehen inzwischen bei dir zuhause. Was kann die Platte, was der Laptop nicht kann?
Mit Vinyl aufzulegen, macht mir einfach mehr Freude. Du bist stärker gefordert, musst dich einbringen und konzentriert zuhören. Einen guten Mix hinzubekommen und das auch technisch sauber zu schaffen, ist eine Herausforderung – wenn es nicht funktioniert, klingt es eben schrecklich. Genau das macht für mich aber den Reiz aus. Natürlich hat Vinyl auch seine Nachteile. Wenn du ständig unterwegs bist, viel fliegst und dein ganzes Equipment mitschleppen musst, ist digitales Auflegen viel praktischer und günstiger. Das verstehe ich total. Trotzdem ist für mich beim Vinyl einfach mehr Freude dabei. Vielleicht auch, weil du dich jedes Mal ein bisschen mehr damit auseinandersetzen musst – und es dadurch nie langweilig wird.

Snapshots, Walter Garber Veloziped 2026, ©Walter Garber

Auf der EP zum Buch sind zwei bisher unveröffentlichte Tracks von Scott Ferguson. Wie ist aus eurer langjährigen Freundschaft diese Platte entstanden?
Scott kommt aus Detroit und ich habe ihn über die Musik kennengelernt. Wir haben sehr oft gemeinsam aufgelegt – in Meran, London, Turin und anderswo. Ich habe ihn immer wieder zum Spielen nach Meran geholt, und irgendwann ist daraus eine Freundschaft entstanden. Er hat außerdem eine persönliche Verbindung zu Meran: Seine Frau kommt aus der Stadt, sein Track Merano Disco ist eine Hommage an ihre Heimatstadt. Ich schätze Scott als Producer, als DJ, aber auch als Mensch. Er lebt inzwischen in London und arbeitet dort bei Reckless Records in Soho. Dort ist er auf elektronische Musik spezialisiert und beschäftigt sich unter anderem mit dem Ankauf und der Bewertung von Plattensammlungen. Von ihm habe ich einmal 1.500 Platten gekauft. Die EP ist jetzt sozusagen eine weitere Verbindung zwischen uns: zwei bisher unveröffentlichte Tracks von Scott, erschienen auf meinem Label Veloziped. Und damit gibt es zum Buch auch noch etwas auf die Ohren.

Du hast inzwischen mehrere Generationen von DJs und Partygänger:innen erlebt. Was hat sich in diesen 30 Jahren verändert?
Meine Generation hat irgendwann Familien gegründet und Kinder bekommen und war plötzlich nicht mehr jedes Wochenende unterwegs. Also habe ich angefangen, für ein jüngeres Publikum aufzulegen. Das Schöne ist: Es gibt immer neue DJs, neue Ideen und neue Orte. Man lernt voneinander und irgendwann merkt man, dass man selbst den Jüngeren etwas mitgeben kann. Mittlerweile kommen auch einige der Älteren wieder zurück, wenn die Kinder größer sind und wieder mehr Freiheit da ist.

Dj Veloziped aufgenommen bei 1477 Reichhalter Lana, ©Franziska Unterholzner
Snapshots, Walter Garber Veloziped 2026, ©Franziska Unterholzner
Dj Veloziped aufgenommen bei 1477 Reichhalter Lana, ©Franziska Unterholzner

Gibt es junge DJs oder Festivals, die wir deiner Meinung nach nicht verpassen sollten?
Ich finde, da tut sich einiges. Es gibt viele junge DJs, die nachkommen, und es macht Spaß, ihnen zuzuhören und zu sehen, was sie machen. Über die Jahre habe ich einige von ihnen kennengelernt und dabei auch erlebt, wie sich die Szene immer wieder verändert. Das Schöne daran ist, dass man selbst nie auslernt und von der nächsten Generation genauso viel mitnehmen kann. Ein Festival, das ich auf jeden Fall empfehlen kann, ist Føhrentanz im Barbianer Föhrenwald – ein alternatives Kunst- und Musikfestival, bei dem auch viel Electro läuft und das vom Kulturverein VirusClub organisiert wird.

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Tags

meran, dj veloziped, Walter Garber, Alessandro Gatti, scott ferguson, listening bar
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