Doppelt gemoppelt: in Meran der „Lyrikpreis Meran“, in Brixen das Festival „Alpine Poesie der Gegenwart“

Yevgeniy Breyger eröffnet den 22. Lyrikpreis Meran, © Marc Krause
Yevgeniy Breyger eröffnet den 22. Lyrikpreis Meran, © Marc Krause
Die Verleihung des Lyrikpreises Meran findet bereits zum 22. Mal statt, heuer allerdings erstmals im Palais Mamming. Eingeleitet wird das Wochenende am Donnerstagabend, 7. Mai 2026, unter anderem mit der Rede des Lyrikers Yevgeniy Breyger mit dem Titel „Der Einsprachige“ (wir erinnen in diesem Zusammenhang gern daran, dass er neben anderen Teil der schönen Publikation wars in words. Krieg und Poesie. Scrivere la guerra ist). In den zwei darauffolgenden Tagen lesen die neun Finalist:innen ihre Texte dem Publikum und der fünfköpfigen Jury vor. Außerdem folgt auf jeden vorgetragenen Text eine Diskussion.
Am Freitag sind das: Odile Kennel, Hannah K Bründl, Heinz Peter Geißler, Jonis Hartmann, Sophia Klink und Hartwig Mauritz; am Samstagvormittag: Verica Tričković, Monika Vasik und Christine Zureich. Abgerundet wird das lyrische Wochenende in Meran mit der Preisverleihung von Lyrikpreis Meran sowie Preis der Stiftung Südtiroler Sparkasse und Medienpreis RAI Südtirol am 9. Mai abends. Partner des Lyrikpreises Meran ist neben anderen auch die Abteilung Deutsche Kultur der Südtiroler Landesregierung.
Eine andere Abteilung, die für Ladinische Bildung und Kultur, ist unter anderem Partner des zur gleichen Zeit in Brixen stattfindenden Festivals Alpine Poesie der Gegenwart, das SAAV – Südtiroler Autorinnen- und Autorenvereinigung und ZeLT – Europäisches Zentrum für Literatur und Übersetzung zum zweiten Mal veranstalten. Drei Jahre nach der ersten Ausgabe des Festivals zelebriert das Projekt auch heuer wieder zeitgenössische Autor:innen der bündnerromanischen, dolomitladinischen und friaulischen Sprachgemeinschaften.
poejia
n mostra sot ega iló dessëura minseda
te fuia sun mëisa a nëif ntiera danter i
piesc va persëura tl uet sota I tepih te
a-moll se destira n rima sun streda iló
dancà da mesa la dodesc fej ciom te ti
cë à fam se fej lerch mët man te chësc
nibl gëura I usc scota su à finalmënter
giatà la tle de cësa taia su fétes gëura I
bech fej grops fins chir si mans sautan
tla ierba auta tira n bredl ie danterite
gedicht
ausgestellt unter wasser dort oben angebrochen
in der hosentasche auf dem tisch im neuschnee
im weg geht über ins leere unterm teppich in
a-moll dehnt sich im reim auf der straße dort
vorne um halb zwölf macht schaum in deinem
kopf ist hungrig macht sich platz fängt an in diesem
nebel öffnet die tür hört zu hat endlich den haus-
schlüssel gefunden schneidet scheiben auf öffnet
den schnabel macht feine knoten sucht seine
hände im hohen gras springend stößt einen schrei
aus ist dazwischen
Am Freitag, 8. Mai, tragen Rut Bernardi (LAD), Leo Tuor (GRI), Lucia Gazzino (FUR), Stefen Dell’Antonio (LAD), Benedetto Vigne (GRI), Antonio Cosimo De Biasio (FUR), Silvia Liotto (LAD) und Nina Dazzi (GRI) ihre Gedichte vor. Am Samstag, 9. Mai folgen Giacomo Vit (FUR), Iaco Rigo (LAD), Romana Ganzoni (GRI), Stefano Moratto (FUR), Marco Dibona (LAD), Jessica Zuan (GRI) und Silvio Ornella (FUR). Umrahmt wird das Festival mit Musik von Liedermacher:innen der drei Sprachräume: Martina Linn, GOTA und Nicole Coceancig, die das Festival am Samstagabend mit einem gemeinsamen Konzert ausklingen lassen. Im Rahmen des Festivals „Alpine Poesie der Gegenwart“ erscheint auch heuer wieder ein Lyrikband, in dem Gedichte der 15 Autorinnen und Autoren auch mit deutscher und italienischer Übersetzung publiziert werden, um Leserinnen und Lesern außerhalb der rätoromanischen Sprachgemeinschaften einen Zugang zu den Werken zu ermöglichen.
Die SAAV beschreibt das Festival als eine „einmalige Gelegenheit, sich zu treffen, auszutauschen und die sprachlichen und literarischen Welten dieser drei alpinen Sprachinseln kennenzulernen“. Der Lyrikpreis erklärt, dass „das professionelle Gespräch über das zeitgenössische Gedicht zum Kern und Reiz der Lyriktage von Meran dazugehört“. Die Sprache als Kunstform und zeitgenössische Autor:innen stehen bei beiden Veranstaltungen im Mittelpunkt, beide verfolgen ein ähnliches Ziel. Warum wohl am selben Wochenende? Warum das Publikum aufteilen, anstatt gemeinsam zu begeistern? Vielleicht liegt die Antwort irgendwo zwischen Abgrenzung und Ergänzung. Oder es ist alles doch nur Zufall … Beide können übrigens kostenfrei besucht werden. Das Festival „Alpine Poesie der Gegenwart“ wird auch in Form eines Livestreams übertragen.