Contemporary Culture in the Alps
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Alles auf Gefühl!

„Topographie des Fühlens“ beim Kulturfestival LanaLive

05.05.2026
Verena Spechtenhauser

© Hyunjin Park

Gefühle zulassen, Gefühle ausdrücken, über Gefühle sprechen … eigentlich das Selbstverständlichste der Welt. Und doch lernen wir früh, unsere Gefühle nicht zu zeigen, und auch, sie nicht ernst zu nehmen. Uns nicht zu sehr zu freuen, nicht zu laut zu weinen, Wut zu unterdrücken. Fast so, als wären Gefühle ein Fehler im System. Etwas, das man kontrollieren oder zumindest leiser drehen sollte. Etwas, das um jeden Preis unsichtbar bleiben muss.

Genau dieses Unsichtbare, das uns alle verbindet, rückt das transdisziplinäre Kulturfestival LanaLive in seiner diesjährigen Ausgabe ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Unter dem Titel „Topographie des Fühlens“ geht das Festival vom 8. bis 17. Mai 2026 in einem vielschichtigen Programm aus Musik, bildender Kunst, Performance, Film, Vorträgen und Workshops der Frage nach, wie sich Emotionen in einen Ort einschreiben und ihn prägen. Welche Spuren hinterlassen sie im gemeinsamen Erinnern, im sozialen Miteinander und in den alltäglichen Handlungen einer Gemeinschaft? Welche Gefühle finden Raum in der Öffentlichkeit – und welche bleiben im Verborgenen? Was und wie fühlt Lana? Um diesen emotionalen Resonanzen nachzuspüren, setzt der langjährige künstlerische Leiter Hannes Egger gemeinsam mit seinem Team in diesem Jahr verstärkt auf die Zusammenarbeit mit lokalen Kulturschaffenden, die ihre persönlichen Perspektiven und Erfahrungen in das Festival einbringen, das selbst zu einem Ort des Austauschs zwischen individueller Erfahrung und gemeinschaftlichem Erleben wird. Und liegt nicht genau darin die Stärke von Kunst: dass sie Gefühle nicht erklärt, sondern erfahrbar macht?

Besonders spannend im heurigen Programm liest sich das partizipative Projekt „l’h per vergognArti“ der italienischen Künstlerin Mona Lisa Tina. Dabei hat jede Familie aus Lana auf vorherige Anmeldung am Freitag, 8. Mai die Möglichkeit, die Künstlerin und Kunsttherapeutin für eine Stunde zu sich nach Hause einzuladen und ein offenes Gespräch über „familiäre Scham“ – also über jene oft unausgesprochenen Gefühle, die innerhalb von Familien weitergegeben und verborgen werden – zu führen.

© Mona Lisa Tina

Über das gesammte Festival zu sehen ist die von Hannes Egger und Annika Terwey kuratierte Ausstellung „Hinterbühne der Gefühle“ im Raiffeisenhaus (ehemals Kulturhaus). Das immersive Ausstellungserlebnis, das bildende Kunst, Video, Musik und Performance miteinander verwebt, führt in die Umkleiden, Lagerräumen und Gängen des 1973 von Architekt Willy Gutweniger erbauten Gebäudes, das kurz vor seinem Umbau steht. Zu sehen sind Werke der Künstler:innen Laurin Böhm, Franziska Egger, Mariam Giunashvili, En Kitane, Amanda SRGE Lindsay, Sabrina Mandelli, Sofia Margesin, Mahsa Naraghipour, Hyunjin Park, Nadia Tamanini, Mona Lisa Tina, Sissel Tolaas und Cass Yao. Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 9. Mai um 11:00 und kann bis zum 17. Mai täglich von 15:00 bis 19:00 besucht werden. Im Rahmen der Eröffnung zeigt die Junge Braunsbergbühne um 11:30 das Stück „Zwischen uns“. Aufgeführt wird es auch am Sonntag, 10. Mai um 17:00 und am Freitag, 15. Mai 2026 um 18:00. 

© Cass Yao

Im Rahmen einer kurzen Residency im öffentlichen Raum von Lana sowie in den unterirdischen Räumen des Raiffeisenhauses entstand die Performance „Arsenal“ der israelischen Künstlerin Kineret Haya Max, die am Donnerstag 14. Mai ab 19:00 ebendort zu sehen ist. In ihrer Arbeit vereint sie persönliche Erfahrung, politische Realität und poetische Bildsprache zu einer eindringlichen Reflexion über innere und äußere Konflikte und stellt sich der Frage, welches Licht ist in Lana gegenwärtig? Und was entsteht aus der Begegnung zwischen einer ruhigen Marktgemeinde in Südtirol und einer gelebten Realität, die von permanentem Überleben und Konflikt geprägt ist?

© Kineret Haya Max

Das experimentelle Electronic-Music-Duo The Bugfix, alias Lukas Mariacher und Philip Unterholzner, entwickelt am Freitag, 15. Mai um 18:00 ein „Gefühlsrauschen“ und lädt zu einer klanglichen Reise durch unterschiedliche emotionale Zustände im emotionalen Bauch von Lana – dem Roten Saal des Raiffeisenhauses – ein. Dabei kombiniert das Duo modulare Synthesizer, Drum-Machines und E-Gitarre zu einem analogen Live-Set.

Davor, danach und dazwischen finden während LanaLive weitere spannende Filmvorführungen, Vorträge, Konzerte, Workshops und eine Zirkusshow statt. Das detaillierte Programm mit allen wichtigen Informationen findet ihr auf der Seite von LanaLive. Schaut vorbei und zeigt Gefühle!

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Tags

hannes egger, LanaLive, Annika Terwey, Mona Lisa Tina, Kineret Haya Max, the bugfix
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