Wie ein alter Bahnhof wieder zu Leben zieht und an gesellschaftsrelevantem Wert gewinnt

AurOra, © Laura Graf
Züge rollen hier immer noch an und durch. Seit etlichen Jahren rattert hier hauptsächlich auch noch was anderes: Köpfe voller Ideen, um „Das historische Bahnhofsgebäude in Auer aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken und es in ein lebendiges Kulturzentrum für die gesamte Region zu verwandeln,“ erklären die Entschlossenen entschlossen.
AurOra dürfte vielen, nicht nur aufgrund der klugen Verschmelzung der Ortsnamen im Ohr wiederhallen. Abgesehen davon, dass der altehrwürdige Bahnhof in Auer an der Weinstraße geschichtsträchtig auch an den ehemaligen Ausgangspunkt der einstigen Fleimstalbahn nach Montan, Truden, Kaltenbrunn und Predazzo erinnert, ist in Garten, Saal und Bar dieses Dritten Ortes im letzten Jahrzehnt immer wieder bewundernswert viel Kultur- und Gesellschaftsrelevantes passiert. Der Aggregatszustand von AurOra ist auf alle Fälle lichterfüllt und kraftvoll wie der Anbruch eines neuen Tages – ganz im Sinn des lateinischen Begriffs.
Nach etlichen Jahren ehrenamtlichen Engagements wurde im Sommer 2024 offiziell der Verein AurOra gegründet. 2025 wurde am Bahnhof eine Summerfesta mit Live-Musik, Freilichtkino, Elektro-Musik und einem Restaurant im Grünen organisiert. Die Grundschüler:innen von Auer konnten in einem Projekt den alten Fleimstalbahnhof erforschen und die erarbeiteten Fotos, Zeichnungen und kreativen Konzepte im Mai in der Bibliothek Auer präsentieren. Auch 2026 ist so einiges geplant und auch durch eine EU-Förderung möglich.
Es ist uns wichtig, dass die bereits über Jahre bestehende Atmosphäre eines Kulturortes wiederbelebt wird: der Saal mit dem ehemaligen Ticketschalter, der ein einzigartiger Ort für Konzerte, Theater und weitere Kulturveranstaltungen ist, die Bar, die mit der gemütlichen Ausstrahlung der bunten Wände wieder ein Treffpunkt für alle im Unterland sein könnte, oder auch der Garten hinter dem Haus – die Feste, die wir in den letzten Jahren dort gefeiert haben, haben das Potenzial dieses Außenbereichs gezeigt.
Elias Hauser gibt uns in Vertretung des AurOra-Teams ein paar aktuelle Einblicke. Und wer mitreden und mitgestalten möchte, kann einfach am 25. März 2026 um 19:30 ins Point in Neumarkt kommen und sich bei einem Aperitivo über den aktuellen Stand updaten lassen und seine Ideen vorbringen.
Elias, Wer sind die Mitglieder des Kulturvereins AurOra?
Die Mitglieder des Kulturvereins AurOra stammen aus unterschiedlichen Altersgruppen und aus den umliegenden Dörfern rund um Auer. Unter ihnen finden sich Künstler:innen, Musiker:innen, Theaterspieler:innen, Restaurator:innen, politisch Engagierte und viele weitere kulturbegeisterte Menschen. Seit kurzem hat der Verein seine Türen bewusst für alle geöffnet – eine Mitgliedschaft ist jederzeit möglich. Ich selbst bin seit fast drei Jahren im Projekt engagiert, lebe in Kurtatsch und arbeite als Kunstschmied.
Warum ist es euch wichtig, das historische Bahnhofsgebäude in Auer zu sanieren?
Beim alten Bahnhofsgebäude handelt es sich um ein mehrstöckiges, großes Bauwerk mit Geschichte, das bereits früher über viele Jahre hinweg kulturell genutzt wurde. Darüber hinaus ist die Lage am Bahnhof Auer ein bedeutender Knotenpunkt im Unterland und bietet ideale Voraussetzungen für ein übergemeindliches Kulturzentrum. Nicht zuletzt steht heute aus Gründen der Nachhaltigkeit die Sanierung bestehender Bausubstanz im Vordergrund – ein Anliegen, das wir als Verein AurOra ausdrücklich unterstützen und aktiv fördern möchten.

Inwiefern habt ihr auf die Ausschreibung der Gemeinde für die Projektierung und Renovierung eingewirkt und daran mitgearbeitet?
Da sich das Gebäude in Konzession der Gemeinde Auer befindet, wurde auch die Ausschreibung von dieser Seite erstellt. Der Verein AurOra setzt sich kontinuierlich dafür ein, dass die notwendigen Schritte zur Sanierung eingeleitet werden, indem immer wieder auf die Bedeutung des Gebäudes und den dringenden Handlungsbedarf hingewiesen wird.


Wie umsetzbar sind eure Vorhaben und Wünsche?
Wir sind überzeugt davon, dass die Sanierung – genauso wie die dieses Jahr anlaufende Projektierung – großzügig vom deutschen und italienischen Amt für Kultur unterstützt werden wird. Die Förderung der Provinz für die Renovierung des AurOra-Gebäudes basiert auf einem Konzept, in dem die Vision von AurOra klar formuliert wurde.
Dieses wurde damals von der Gemeinde Auer initiiert und vom Bildungsausschuss Auer ausgearbeitet. Vor diesem Hintergrund sind wir sehr zuversichtlich, dass unsere Vorhaben und Wünsche auch auf politischer Ebene weiterhin mitgetragen und verfolgt werden. Darüber hinaus engagieren sich im Verein auch prägende Persönlichkeiten, die das kulturelle Leben im Unterland seit Jahren maßgeblich mitgestalten und wichtige Impulse für die regionale Kulturszene setzen, was zu einem größeren Zuspruch der Bevölkerung beiträgt. Diesen Zuspruch spüren wir auch ganz unmittelbar bei unseren Veranstaltungen, bei denen immer wieder Personen auf uns zukommen, die sich sehr freuen, dass ein Kulturzentrum entstehen soll. AurOra ist ein Sehnsuchtsort für alle, die früher die Bar und Veranstaltungen besucht haben, und für alle Menschen, die sich einen solchen alternativen Kulturort im Unterland wünschen, aber noch nie die Möglichkeit hatten, einen solchen zu erleben und mitzugestalten.
Worin seht ihr das Potential eines solchen Projektes für die Dorfgemeinschaft, das Umland und Südtirol?
Die Zone rund um den Bahnhof Auer verdient es, durch ein solches Projekt nachhaltig aufgewertet zu werden. Für die Dorfgemeinschaft von Auer bedeutet das Vorhaben einen großen Mehrwert – nicht nur durch die Wiedereröffnung der AurOra-Bar, sondern auch durch ein erweitertes kulturelles Angebot. Da es im gesamten Einzugsgebiet Unterland kein größeres Kulturzentrum gibt, ist das Potenzial enorm. Kreative Köpfe finden hier Raum zur Entfaltung und das Projekt kann sich zu einem wichtigen Ankerpunkt für die Kulturszene der Region entwickeln. Auch für die nahegelegenen Städte Bozen und Trient entsteht ein attraktiver Treffpunkt, der dank der direkten Zuganbindung unkompliziert erreichbar ist.
Ein weiterer Aspekt, besonders für uns Jüngere, die sich im Verein engagieren, ist, dass wir darauf hoffen, durch das Kulturzentrum innerhalb unserer ländlichen Gemeinschaft einen urbanen Raum zu schaffen, einen Ort, an dem verschiedene kulturelle Ausdrucksformen erlebt und geschätzt werden können. Viele von uns haben aus Studiengründen in städtischen Gebieten gelebt und haben nach der Rückkehr ins Unterland festgestellt, dass es an einem gemeinsamen und inklusiven Raum mangelt, der hochwertige kulturelle Angebote und Raum für lokale Künstler:innen bietet und zu einem jungen lokalen Kulturleben beiträgt, indem er neue Möglichkeiten der Begegnung und des Austauschs bietet.
Was steht 2026 an?
Das Jahr 2026 begann für AurOra mit einem großen Erfolg: Unser eingereichtes Kulturprogramm wurde vom Europäischen Solidaritätskorps der EU genehmigt und damit stehen uns für die kommenden zwölf Monate 10.620 Euro zur Verfügung. Diese Förderschiene richtet sich an Gruppen von jungen Menschen unter 30 Jahren, die sich in bis zu 12 Monaten in einem Projekt mit Herausforderungen und Anliegen widmen, die ihnen am Herzen liegen: Für uns ist es das zukünftige Kulturzentrum AurOra. Geplant sind unter anderem Vorträge und Diskussionsabende, kleinere Konzerte und Kinoabende, verschiedene Workshops sowie die Zusammenarbeit mit zwei externen Expertinnen aus dem Kultursektor. Sie unterstützen uns dabei, den professionellen Betrieb des künftigen Zentrums vorzubereiten.
Bei unserem „Aperitivo für Neugierige“ am Mittwoch, 25. März 2026, um 19:30 im Jugend Cultura Point Neumarkt stellen wir den aktuellen Stand vor und geben einen Ausblick auf die kommenden Projekte. Wir freuen uns auf neue Gesichter, frische Ideen und inspirierende Gespräche in geselliger Runde.
