Ruth Gantioler macht es Spaß, immer wieder etwas Neues auszuprobieren

© Ruth Gantioler
© Ruth Gantioler
Ruth Gantioler fällt auf. Blaue Haare, bunte Kleidung, jedes der Stücke, das sie trägt, wurde von ihr in irgendeiner Form bearbeitet. Es leuchtet und glitzert. Auch weil sie gerne lacht. Ruth arbeitet vor allem mit Secondhand-Teilen, die sie upcycelt und je nach Kund*innen-Wunsch entsprechend umgestaltet. Die Kreativität, sagt sie, liege bei ihr in der Familie, der Vater ist Handwerker, ihre Mutter hat immer alles selber gemacht. Sie selbst habe früh begonnen, ihre Kleidung „aufzuhübschen“, erzählt sie. Ruth hat jedenfalls keine Angst, etwas falsch zu machen, sondern experimentiert drauf los. Ich habe sie in Villanders besucht.



Ruth, wie beschreibst du deinen Stil?
Mein Stil war schon immer extravagant. Da es nicht einfach war, die Stücke, die mir gefielen, zu bekommen, habe ich Bestehendes eben umgemodelt. Ich liebe Neon, diese Liebe begleitet mich schon seit langem. Und ich liebe Secondhand, weil man da Teile findet, die etwas Besonderes sind. Individualität ist mir sehr wichtig.
Wie ist REAZY.design entstanden?
Gestartet bin ich mit Taschen. Ich suchte nach einer praktischen Schwimmtasche für meinen Sohn und, da nichts Passendes zu finden war, habe ich eine entworfen. Diese Schwimmtaschen haben sich sehr gut verkauft. Es war mir von Anfang an wichtig, auf Qualität zu setzen. Die Taschen, die ich vor zehn Jahren gemacht habe, sind immer noch im Umlauf. Sie sind aus sehr guten Materialien gefertigt und hochwertig verarbeitet – wirklich langlebig. Im Lauf der Zeit haben sich viele Materialien angesammelt und die Kund*innen konnten sich genau die Tasche machen lassen, die sie wollten. Kleidung ist irgendwann dazugekommen. Ich hatte so viel zuhause und begonnen, die Stücke, vor allem Jacken, zu bemalen und zu bekleben. Ich habe ein riesiges Arsenal an Ketten, Schließen, Lederriemen, Stoffen … Daraus schöpfe ich. Sieben Jahre führte ich mein Atelier in Klausen, heute mache ich REAZY.design nebenbei und auf Anfrage.



Du liebst Mode, habe ich gelesen, dein Zugang aber habe sich verändert. Wie?
Ich gehe nicht mehr einfach so einkaufen. Alles von der Stange interessiert mich nicht, es schaut so 0815 aus. Für meine Anfertigungen und auch für mich kaufe ich nur mehr Secondhand. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, ein T-Shirt bei H&M zu kaufen. Die Sachen finde ich vor allem auf Vinted oder manchmal in einem lokalen Secondhand-Geschäft. Auch da kaufe ich aber keine Fast Fashion mehr.
Für eine Jeansjacke hast du sogar einmal eine Luxushandtasche zerschnitten …
Meine Mutter schenkte mir, als ich 14 war, eine Jeansjacke von Levi‘s. Das war damals etwas sehr Besonderes. Sie hat irgendwann einen Fleck bekommen und wurde mir auch zu langweilig. Ich wollte sie mit einem Logo aufmotzen und hatte die Idee, eine stark gebrauchte, originale Louis-Vuitton-Tasche zu bestellen, sie zu zerschneiden und Teile davon auf die Jacke zu nähen. Das Video dazu ist viral gegangen, eine solche Tasche zu zerschneiden kommt wohl eher selten vor. Aus den Resten habe ich noch kleine bunte Brieftaschen genäht und Birkenstocks überziehen lassen. Es macht mir einfach Spaß, immer wieder etwas Neues auszuprobieren.



Ruths Kund*innen-Kreis erstreckt sich vom „25-jährigen Raver, der sein Sweatshirt cooler gestalten möchte, bis zur Mutter mit zwei Kindern, die sich eine ganz persönliche Tasche wünscht“. Ruth fährt auch gerne zu ihren Kunden und berät sie. Vor kurzem hat sie begonnen, Workshop-Formate zu entwickeln, um ihre (Upcycling-) Fertigkeiten weiterzugeben. Den nächsten wird es im März/April in Villanders geben. Wenn ihr mit Ruth Kontakt aufnehmen möchtet, schreibt ihr auf Instagram oder Facebook.

