„In jedem Stück versuche ich der Perfektion so nahe als möglich zu kommen“ – Ida Roncat

Die junge Südtiroler Designerin und Maßschneiderin Ida Roncat hat sich im Februar 2022 selbstständig gemacht. Nach der Kunstschule in Gröden studierte sie ein Jahr Modedesign in Berlin und hat sich dann in Meran als Maßschneiderin ausbilden lassen. Im September wird sie 27. Ihr erstes Atelier bezog Ida im Stoffgeschäft Corradini, ihre erste eigene Kollektion hat sie für Oberrauch Zitt entwickelt. „Ich mache jedes Stück mit viel Freude, bin gerne mit meinen Kundinnen in Kontakt und berate sie auch gerne“, erzählt sie. Idas Augen glänzen, wenn sie über ihre Arbeit spricht. Seit der Neueröffnung von Oberrauch Zitt in Bozen – ihr habt vielleicht gesehen, dass die Schneiderei jetzt einsichtig ist –, sozusagen im Schaufenster steht, ist Ida dort als Designerin und Maßschneiderin tätig. Ihren Arbeitsplatz bei Corradini hat sie aber noch. Für jede Saison entwickelt sie eine kleine, feine Capsule Collection in zwei Größen, auch einen Klassiker gibt es bereits, einen sehr schön geschnittenen Rock, der immer wieder in verschiedenen Stoffen und Farben aufgelegt wird. Ida verwendet für ihre Designs Reststoffe, vor allem natürliche Materialien wie Baumwolle, Wolle und Seide. Ich habe ihr einige Fragen zu ihrer Arbeit gestellt.Ida, wie würdest du deinen Design-Stil beschreiben?
Romantisch, vor allem im Sommer. Sowohl was Stoffe und Farben betrifft als auch Modelle. Ich mache gerne besondere Teile, keine Trendteile, sondern Stücke, die man lange tragen kann, die aber etwas Besonderes haben. Das meiste probiere ich an mir selbst aus. Ich möchte, dass man meine Stücke auch nach vielen Jahren noch gerne aus dem Kleiderschrank holt. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für dich als junge Designerin, Maßschneiderin?
Ich nähe jedes Stück selbst, das ist schon mal ein sehr nachhaltiger Zugang. Vom Design bis zum fertigen Produkt wird alles von Hand in der Werkstatt gefertigt. Ich arbeite mit Reststoffen und fast ausschließlich mit natürlichen Materialien. In jedem Stück versuche ich der Perfektion so nahe als möglich zu kommen. Dazu nehme ich mir die Zeit, die es braucht, und mache jeden Herstellungsschritt sehr bewusst.
Deine Generation ist mit Fast Fashion aufgewachsen und daran gewöhnt, Mode zu sehr billigen Preisen kaufen zu können. Was beobachtest du in deiner Umgebung?
Ab und zu kaufe auch ich mir ein solches Teil, aber das meiste nähe ich selbst. Von zehn Kleidungsstücken in meinem Schrank sind neun von mir. Mittlerweile habe ich aber nicht mehr so viel Zeit dafür. Wenn ich meinen Freundeskreis betrachte, ist Nachhaltigkeit schon ein Thema, es wird auch secondhand geshoppt. Für einige meiner Freundinnen habe ich auch schon etwas genäht. Das ist eine Ehre für mich, denn ein handgemachtes Teil kostet einfach mehr, als schnell mal bei Zara reinzugehen und sich ein Kleid zu kaufen. Auch wenn das Thema immer mehr kommt, ist es schon noch schwierig, mehr Leute dafür zu gewinnen. Wie wird der Schneiderei-Service bei Oberrauch Zitt nachgefragt? Habt ihr viel zu tun?
Ich arbeite bei Oberrauch Zitt immer noch selbstständig, bin in der Schneiderei, aber nicht direkt mit dem Repair Service befasst. Aber ich weiß, dass der Service sehr gut angenommen wird. Man kann auch mit eigenen Teilen zur Umänderung kommen, das nehmen viele Leute wahr. Es freut mich sehr, dass Kleidung wegzuwerfen nicht mehr so selbstverständlich ist, sondern man immer öfter versucht, das Teil reparieren oder umarbeiten zu lassen.
Wie siehst du deine Zukunft als Designerin?
Wenn ich groß träume, dann hätte ich gerne irgendwann einen eigenen Laden im Zentrum von Bozen. Vielleicht einen Concept Store, denn mein Bruder ist begeisterter Drechsler und auch mein Vater arbeitet mit Holz. Hier einiges zusammenzubringen, wäre schön, und dem Handgemachten so einen größeren Wert zu geben.Wenn ihr Idas Stücke kennenlernen möchtet, schaut vorbei bei Oberrauch Zitt in Bozen, ihre Capsule Collection findet ihr in der Damenabteilung. Ihr könnt euch aber auch etwas Individuelles von ihr machen lassen. Nur mit Polyesterstoffen solltet ihr nicht zu ihr kommen, die schätzt sie nicht so sehr für ihre Designs. Ihr findet Ida auf Instagram hier und hier.
Fotos: (1, 4–11) © Ida Roncat; (2, 3) © Susanne Barta
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