Music

September 12, 2016

Metaphysisch + erwachsen: London Elephants are back + @ Rosengarten Planet

Irina Angerer

Die Jungs von London Elephants sind zurück. Und das motivierter als je zuvor. Am 16. September 2016 – zeitgleich mit der Veröffentlichung ihres neuen Songs „Yet unknown“ – werden sie am Rosengarten Planet in Bozen auf der Bühne stehen. Mit im Gepäck haben die Initialmitglieder Michael Della Giustina aka Jus und Markus Hinrichs aka Meuk (beide Stimme + Gitarre) einen neuen Drummer (Tobias Ramoser aka Tobi – auf der Rosengarten Festa exklusiv ersetzt durch Niki Comploi), einen neuen Keyborder (Guglielmo Cantelli aka Gulli) und einen neuen Bassisten (Giovanni Calderisi aka Jochi), zahlreiche kosmische Elemente und ganz viel Tiefgang.

franzmagazine: Wie lange gibt es euch jetzt schon?

Jus: Ich habe die Band 2011 zusammen mit Meinhard Niederstätter, Christian Niedermair und Kevin Prantl aka Otti von Mainfelt gegründet. Anfangs waren wir also nur zu viert. Wir haben dann aber schnell erkannt, dass wir eine zweite Gitarre brauchen. So kam Markus Hinrichs alias Meuk dazu. Wir kannten uns schon aus früheren gemeinsamen Bandprojekten. Kurz darauf haben wir dann unsere erste Single „Day That Never Comes“ herausgebracht und gaben diverse Konzerte im In- und Ausland. Höhepunkt dabei war das Frequency Festival 2012 in St. Pölten. Bis auf die eine EP und kleineren Live-Mitschnitte gab es aber keine weiteren Releases. Irgendwann ist das Ganze dann stagniert.

Warum?

Meuk: Ich war in Wien, die anderen waren in Südtirol. Es war kompliziert. Trotzdem haben wir die Band am Leben gehalten und einige Konzerte gespielt. 2013 bin ich wieder nach Südtirol zurück gekommen, dann haben wir wieder richtig angefangen. Gescheitert ist es dann daran, dass Christian und Meinhard nach Österreich gezogen sind. Es wurde zu aufwendig. 

Auf Facebook habt ihr es bereits mitgeteilt: London Elephants ist neu besetzt. Was ist passiert?

Meuk: Jus und ich wollten trotzdem weitermachen und haben uns auf die Suche nach einer neuen Formation begeben. Wir haben dann Gulli (Guglielmo Cantelli) gefunden, der uns sofort unterstützt hat. Er war es auch, der Jochi (Giovanni Calderisi) und Tobi (Tobias Ramoser) mit in die Band gebracht hat.

Jetzt sind wir aber neugierig…

Meuk: Wir wollten unbedingt einen Synthesizer und ein Klavier in der Band haben. Diesen Part übernimmt jetzt Gulli. Wir haben immer viel auf unserem Computer produziert, live konnten wir das aber nie rüberbringen. Durch Gulli können wir das jetzt. Ganz ohne im Hintergrund etwas laufen zu lassen.

Kurz darauf ist auch Tobi dazu gekommen?

Jus: Tobi ist unser neuer Drummer und er entstammt der bekannten Ramoser-Familie in Brixen. Alles Top-Musiker. Er ist klein, blond und erstaunlich gut trotz seines jungen Alters.

Meuk: Es macht großen Spaß mit ihm zu proben. Er gibt uns eine neue Basis und Sicherheit. Durch ihn sind wir auf einem komplett anderen Level.

London_Elephants-franzmagazine-Irina_Angerer02Niki (Niki Comploi, Drums) + Jochi (Giovanni Calderisi, Bass)

Und wie ist Jochi so drauf?

Jus: Er ist ein Physiker, Chemiker, Wissenschaftler-Typ, genau wie Gulli. Ich habe bemerkt, dass ich total auf Nerds stehe. Beide sind extrem produktiv und mit dem Kopf bei der Sache. Sie stehen einfach mit beiden Beinen auf dem Boden.

Jochi: …wenn man nichts über den Bassisten sagt, heißt das, er ist in Ordnung und spielt gut… (lacht)

Meuk: Jochi lernt daheim, kommt vorbereitet zur Probe, macht sich Gedanken. Außerdem ist er sehr flexibel was Songs betrifft – und das trotzt seiner Attitude vom militärischen Drill, den er von Zuhause aus hat (Carabinieri-Dad). Er bringt einfach Ordnung in die Band. Etwas, was wir bis jetzt noch nie hatten. Wir waren immer eher eine chaotische Jam-Session-Band.

Könnte man also sagen, dass London Elephants jetzt etwas erwachsen geworden sind?

Jus: Sie sind erwachsen geworden, genau!

Jochi: Als ich in die Band gekommen bin, habe ich gemerkt, dass ich in eine Band mit einem sehr guten Gespür gekommen bin. Wenn etwas passt oder etwas nicht gut klingt, wird das sofort gesagt. Alle sind sehr direkt, das mag ich.

Die frühere Bandformation ging aufgrund unterschiedlicher Lebenswege in die Brüche. Wie schafft ihr es Studium, Arbeit und Musik unter einen Hut zu bringen?

Meuk: Die Motivation ist jetzt noch stärker da, früher fehlte die etwas. Probleme sind absehbar, denn jeder von uns hat andere Ziele im Leben. Wir warten nun auch mal ab, wie es sich weiterhin entwickelt. Wenn man zu hohe Erwartungen hat, wird man oft enttäuscht. Man sollte sich auf den Moment konzentrieren und das Beste daraus machen. Als Band muss man aber auch flexibel sein, sich ständig erweitern können. Es gibt ständig Veränderungen, man muss offen für neue Mitglieder bleiben.

Apropos flexibel: Bei der Rosengarten Festa am kommenden Freitag, 16. September, springt Niki (bekannt von den Artificial Harbor) für Tobi am Schlagzeug ein.

Niki: Die Grundbesetzung der London Elephants kenne ich schon länger. Der Sound hat mir immer schon zugesagt. Mir gefällt es auch, dass ich jetzt etwas Härteres spielen kann. Die Proben haben mir immer Spaß gemacht. Ich freu mich schon sehr auf das Konzert.

Jus: Wir haben ihn schon sehr in unser Herz geschlossen. Er ist ein Obergenie, mir gefällt einfach, was er macht.

Jochi: Eine sehr würdige Vertretung. 

London_Elephants-franzmagazine-Irina_Angerer03Jus (Michael Della Giustina, Guitar + Vocals) + Meuk (Markus Hinrichs, Guitar + Vocals)

Schon im letzten Artikel auf franz habt ihr Neues angekündigt. Wie sieht’s damit nun aus?

Meuk: Zu viel verraten wollen wir noch nicht. Nur eines: Es wird geil!

Jochi: Wir befinden uns gerade mitten im Songwriting-Prozess. Momentan konzentrieren wir uns auf die Live-Konzerte. Neue Ideen, neue Songs sind aber in Arbeit.

Jus: Einen ersten Vorgeschmack gibt es bereits nächste Woche. Ab da ist unsere neue Single „Yet unknown“ auf unserer Website erhältlich.

Was steckt dahinter?

Meuk: Wir versuchen nicht nur Musik zu machen, sondern wollen auch etwas bewegen. Unsere Weltanschauung, unser Glaube an Irgendwas kristallisiert sich langsam aus dem Prozess des Schaffens heraus. Im neuen Song geht es beispielsweise um diesen Prozess. Um die Entwicklung der Jugend. Sich zu fragen: Was macht man hier eigentlich? Hat das einen Sinn, was man gemacht hat? Wie kann man sich weiterentwickeln? Es soll nicht etwas Oberflächliches sein.

Wie kann man eure Musik am besten beschreiben?

Jochi: Wir sind einfach wir. Unsere Musik ist charakteristisch: Man erkennt sie sofort, wenn man sie hört.

Jus: Wir arbeiten vor allem mit mystischen Elementen, mit Bildern vom Universum, mit schamanischen Bemalungen, mit fluoreszierende Farben. Wir wollen auf den mystischen Kosmos anspielen, der uns ständig umgibt. Die Musik benutzen wir, um bestimmte Inhalte zu transportieren: unsere Weltanschauung, unsere Grundkonzepte, unsere Lebensphilosophie. Und das auf einer stark emotionalen Ebene.

Das alles klingt sehr spirituell…

Jus: Wir channeln ziemlich viel, stehen im ständigen Kontakt mit unseren Ahnen. Auch wenn es jetzt vielleicht etwas weird klingen mag: Wir sind eine sehr metaphysische Band und versuchen das über die Musik weiterzugeben.

Auch Rosengarten Planet steht voll im Stern des Universums… – Ganz spontan: Welchen Song würdet ihr im Raumschiff auf den Weg ins All anhören?

Jochi: „Space Oddity“ von David Bowie. Ist zwar ein Klischee, aber das erste, was mir in den Kopf kommt.

Niki: „Wake up“ von Arcade Fire.

Meuk: Wenn ich ins Weltall fliege, dann geht’s mir um die absolute Stille. Das ist mein Track.

Jus: Ich würde einfach einen Sinus-Ton von 432 Hz hören.

Und welche Gegenstände müssen unbedingt mit ins Raumschiff?

Jochi: Mein erster Gedanke: eine Sauerstoff-Flasche.

Niki: ein Mp3-Player mit ganz viel Musik.

Meuk: meine Analogkamera.

Jus: Meine Zimmerpalme und mein MacBook Pro.

Wenn ihr eine Person auswählen könntet, die euch auf eure Reise begleitet, wer wäre das?

Jochi: Ich glaube, ich könnte niemandem zumuten, mit mir alleine zu reisen…

Niki: meine Freundin.

Meuk: Der Yoga-Lehrerin meines Vertrauens.

Jus: Auf jeden Fall eine außerirdische Person von einem höheren Bewusstseinslevel. Und weiblich muss sie sein!

Fotos: franzmagazine/Irina Angerer

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