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July 6, 2015

Faust + Kunst am Brenner: Refugee Fashion + globale Verwebungen des Kapitalismus

Kunigunde Weissenegger

“Was trägt man auf einer Kreuzfahrt übers Mittelmeer? Wie fühlt es sich an, das Global Village? Und wo, bitteschön, beginnt der Strand?” – Diesen und weiteren Fragen gehen Mika Stolte und Leander Schwazer mit der Sommertheaterprojekt TIPI – Theatre for Incredible Performance Investigations nach. Zu TIPI, wie könnte es anders sein, trägt sich an der Grenze-Nichtgrenze Italien-Österreich zu: die Dramaturgin und der Künstler laden auf den Brenner vor. 

Leander Schwazer TIPI Brenner BrenneroLeander Schwazer, refugeefashion.tumblr.com

Der Aktion erster Teil ist “Faust – der Tragödie zweiter Teil” und spielt im Gobal Village Brenner. Das Stück ist am 2. Juli 2015 auf dem Blog refugeefashion.tumblr.com gestartet [inklusive Fashiontipps] und endet am 9. Juli 2015 um 17h mit einem Foto-Fashion-Shooting für alle in der St.-Valentinstr. 25 am Brenner. – “Faust wollte wissen, was die Welt im Innersten zusammen hält, TIPI feiert zur Eröffnung die Oberfläche,” meinen die beiden InitiatorInnen. – Was hat er nicht alles versucht, ihrer habhaft zu werden. Mika Stolte und Leander Schwazer: “Was haben wir heute noch gemeinsam mit diesem nimmersatten, alten Mann? Alles? Nichts? Ein größeres Drama ist uns jedenfalls nicht eingefallen. Außer vielleicht… da unten… im Süden Italiens. Klar ist: Wir suchen das Innerste auf den Oberflächen und stille Wasser sind tief. Also lädt TIPI zum Foto-Shooting mit Jasmine Deporta. Kommt vorbei und werdet Europe’s Next Blog Model. Es gibt Refugee Fashion, billiges Make-Up, Glitter und jede Menge Neontape. Also, Ladies, übt schon einmal euer Duckface, und Boys, lasst das Bärtchen wachsen.”

TIPI Brenner BrenneroFoto: TIPI

Zwei Tage darauf, am 11. Juli um 17h, same place, präsentieren TIPI und ES gallery erstmals südlich der Alpen “Kunst” von Arundhati Agarwal. Mit KUNST ist hier ein anderes Wort für Utopie gemeint – geschaffen von Künstlerin und Publikum zugleich. Am Brenner findet die Arbeit der indisch-britische Künstlerin den idealen Widerhall: Auf kleinstem Raum spiegelt das 300-Seelen-Dorf globale Zusammenhänge.Arundhati Agarwal TIPI es gallery BRENNER BRENNEROFoto: Arundhati Agarwal

Arundhati Agarwal ist 1985 in Kalkutta in Indien geboren und studierte Bildende Kunst am Goldsmiths College in London. Sie lebt und arbeitet in London und Neu Delhi. Seit dem Selbstmord ihres Onkels beschäftigt sich Arundhati Agarwal mit der globalen Geschichte des Kapitalismus: Wie 250.000 andere indische Baumwollbauern konnte er von den Erträgen seiner Arbeit nicht leben – und brachte sich um. Arundhati Agarwal gestaltet und performed Räume der Auseinandersetzung mit den Prinzipien und Regeln der vernetzten Weltwirtschaft, in der nicht nur die Chancen des Warenverkehrs ungleich verteilt sind, sondern auch die der Menschen.

Im Juli und September vergibt TIPI übrigens 24-Stunden-Residencies “Nachtasyl” – Bewerbungen + Fragen sind willkommen: brownboxbrennero@gmail.com

Aufmacherfoto: Mika Stolte, refugeefashion.tumblr.com

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