Vito Zingerles naturmuseale Reise beim Aperitif Ladin in der Museion Passage

Er ist Ladiner. Er ist aus Sankt Martin in Thurn. Er ist der Direktor des Südtiroler Naturmuseums. Und er ist am Mittwoch zu Gast beim Aperitif Ladin in der Museion Passage in Bozen. Wir haben Vito Zingerle vorab getroffen und uns ein wenig von der Arbeit im Museum und den Perspektiven in der zukünftigen Museumsarbeit erzählen lassen. Live und mehr Antworten auf die Frage, wie und was ein Naturmuseum heute und in Zukunft vermitteln sollte, gibt es am Mittwoch 10. Oktober 2012 beim Aperitif Ladin in der Museion Passage in Bozen.
Wir können uns vorstellen, dass die Arbeit eines Museumsdirektors äußerst vielseitig und abwechslungsreich ist. Nun interessiert uns: Was ist für Sie das Besondere und die Herausforderung, ganz allgemein, der Direktor eines Museums zu sein? Was bedeutet Museum für Sie? Wie interpretieren Sie diese Institution?
Ein Museum ist heute ein vielseitige und vor allem lebendige Institution, ein Kristallisationspunkt von vielen Interessen und ein Ort an dem sich interessante Menschen treffen. Moderne Museen sind längst nicht mehr „verstaubt“ sondern Bildungsinstitutionen, international vernetzte Zentren der wissenschaftlichen Forschung, Speicher von Kulturgut sowie letztlich auch Orte der Unterhaltung. Die besondere Herausforderung für mich ist, möglichst viele Wünsche der „Besucher“ zu erfüllen und jedem, der irgendwie sich für das Museum und deren Inhalte interessiert etwas zu bieten. Die Zielgruppen reichen dabei quer über alle Qualifikationen und Altersgruppen: vom Kindergartenkind, das im Museum einen besonderen Geburtstag zusammen mit seinen Freunden erleben will, zum Amateur, der Information über bestimmte Pflanzen oder Tiere einholen möchte, bis hin zu Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die an bestimmte Objekte in der Sammlung interessiert sind.
Seit 2004 sind Sie der Direktor des Naturmuseums Südtirol. Wie hat sich die Museumslandschaft im Laufe der Jahre verändert?
Die Museumslandschaft in Südtirol hat sich insofern zum Positiven verändert, als dass sie heute doch viel vernetzter ist als früher. Viele Museen haben sich in den letzten Jahren stärker und professioneller zum Besucher hin orientiert und organisieren spannende Veranstaltungen, die sich auch in den höheren Besucherzahlen widerspiegeln. Im Naturmuseum haben wir die Ziele des Museum in einem klaren Mission Statement definiert und konnten in den letzten zehn Jahren die Besucherzahlen mehr als verdreifachen. Unsere Angebote werden inzwischen von zirka 1.000 Schulklassen pro Jahr aktiv genutzt und insgesamt sind von den über 100.000 Besuchern 70% Einheimische, die für die verschiedenen Sonderausstellungen und Aktivitäten wiederholt das Museum aufsuchen. Zudem finde ich es erwähnenswert, dass sich etliche Museen in den letzten Jahren erfolgreich für die Forschung geöffnet haben. Was vor ein paar Jahren noch ein Fremdwort war, ist jetzt effektiv zu einer Möglichkeit geworden, um wichtige museumsbezogene Forschung durchzuführen. Das Naturmuseum hat in den letzten zwei Jahren über eine halbe Million Euro an externen Mitteln lukrieren und internationale Forschungsprojekte und Kooperationen beginnen können.
Wo sehen Sie Ihr Museum in Zukunft? Welche Rolle wird es in der Südtiroler Museumslandschaft spielen? Und welche Rolle im nationalen beziehungsweise grenzüberschreitenden Kontext?
Wir sind in Südtirol die einzige Institution, die Naturkunde umfassend in die Öffentlichkeit bringt. So gesehen haben wir das Bestreben prioritär sein zu wollen und unsere Position auszubauen. Im Naturmuseum werden wir die nächsten Jahre mit dem Bau von neuen Sammlungsräumen beginnen und den Eingangs- und Sonderausstellungsbereich des Museum an den erhöhten Platzbedarf der vielen Besucher anpassen. Das denkmalsgeschützte „Amtshaus“ in der Bindergasse in Bozen platzt durch die vielen Besucher und die regen Forschungsaktivitäten wahrlich aus allen Nähten. Das Projekt ist von strategischer Bedeutung, weil es langfristig den optimal gewählten Standort sichern wird. Zudem werden wir uns mit der Planung einer neuen Dauerausstellung beschäftigen, weil die jetzige Ausstellung bzw. sowohl die Anlagen als auch die Themen der Dauerausstellung inzwischen ein kritisches Alter erreicht haben. In den kommenden Jahren werden wir uns aber auch vermehrt der Erforschung der Sammlungsobjekte widmen.