Die Strottern aus Wien im Interview + heute bei „Alles wird gut“ im Obervinschgau

Die Strottern aus Wien im Interview + heute bei „Alles wird gut“ im Obervinschgau

Sie sind zwei: Gitarrist David Müller und Geiger Klemens Lendl. In Telegrammform: Akustik, Wiener Lied, Gstanzln, Tänze. Zeitgemäß, bissig, humorvoll, jazzig, bluesig auch. Zwei musikalische Gauner. Heute Abend spielen sie bei der Eröffnung der Kunstausstellung „Alles wird gut“ im Vinschgau im ehemaligen Montecatini-Arbeiterwohnhaus zwischen Schluderns und Tartsch. Wir haben Die Strottern vorab zu einem Interview gebeten.

Was bedeutet Strottern? Wie kommt ihr auf diesen Namen?

Ein Strotter ist einer, der im Abfall stochert, “nach Verwertbarem sucht”, wie es im Wiener Mundart-Wörterbuch sehr elegant umschrieben ist. In Wien gab es vor allem die Kanalstrotter, die den Sud von der Kloake abschöpften und zum Seifensieder brachten. Wir finden, das ist ein schönes Bild, wenn aus dem Dreck etwas Reinigendes wird. Unsere Lieder erzählen ja auch eher von Antihelden, Abgründen, Schwächen, Alltagssorgen, vom Scheitern etc. Uns interessieren die Verlierer mehr als die Gewinner. Das ist für uns näher am Menschen. Und zu Liedern gemacht wird dann doch etwas Schönes daraus, im besten Falle etwas für die Seelenhygiene.

Was bringt ihr auf die Bühne?

In unseren Konzerten spielt David Gitarre und ich Geige und wir singen beide.
Auf unseren CDs nehmen wir gerne auch andere Instrumente in die Hand, David ist ja eigentlich Klavierspieler (da hatte er zumindest einmal ein paar Unterrichtsstunden, im Gegensatz zur Gitarre).

Ihr singt auf Wienerisch. Warum?

Weil es unsere Sprache ist, in der wir uns viel präziser ausdrücken können als in Hochdeutsch oder gar einer Fremdsprache.
Und weil der Wiener Dialekt, so wie viele Dialekte, eine ganz eigene und wunderbare Musikalität hat.

Wenn wir euch in Schubladen stecken möchten, wo würdet ihr eure Musik einordnen?

Wenn es die Schublade im deutschen Sprachraum gäbe, dann wohl am ehesten Chanson. Gibt es aber nicht. Deshalb sind wir mit allem zufrieden, wo man uns hin steckt. Wir selber tun das sowieso nicht, Kategorien brauchen immer nur Musikverwerter, nie die Erzeuger.

Kommenden Freitag seid ihr in Vinschgau in Südtirol. Wart ihr schon mal da? Was erwartet ihr euch? Und was werdet ihr uns mit bringen? – Das Thema des Abends ist ”Alles wird gut”…

Nein, noch nie. Nachdem Tirol für Wiener Musik ein extrem schwieriges Pflaster ist (wir spielen fast nie in Tirol), sind wir schon neugierig, wie das in Südtirol ist.
Wir spielen ein Mischmasch von eigenen Liedern und alten Wienerliedern, wobei das Thema der Ausstellung “Alles wird gut” natürlich eine ziemliche Auflage für uns ist. Zum Thema Scheitern können wir ein paar Abende bestreiten.

2009 habt ihr den Amadeus Award gewonnen und 2012 den Deutschen Weltmusikpreis. Wie war das? Überraschend? Was bedeuten euch solche Preise und Wettbewerbe?

Sehr überraschend und sehr beglückend, vor allem der deutsche Weltmusikpreis, weil er beweist, dass unsere Lieder im gesamten deutschen Sprachraum ankommen und niemand Angst vor dem Wiener Dialekt haben muss.
Amadeus und Weltmusikpreis werden ausgelobt, das heißt man kann sich da nicht bewerben und spielt auch keinen Wettbewerb, sondern man wird, ohne es zu wissen, von einer Jury vorgeschlagen bzw. gekürt. Beim Amadeus gibt es dann unter den fünf Vorgeschlagenen noch ein Publikumsvoting. Musikwettbewerbe mögen wir nicht. Musik und Wettbewerb – das sind zwei Dinge, die für uns nicht zusammengehören.

Was ist das schönste am Beruf, Musiker zu sein?

Menschen zu berühren, Menschen kennen zu lernen, mit anderen Musikerinnen und Musikern enorm beglückende Momente zu erleben. Mit dem, was man eigentlich am liebsten macht, auch noch Geld zu verdienen.
Allerdings: Bis auf ganz wenige Ausnahmen (zu denen wir leider nicht gehören), lebt man doch immer am Rande des Prekariats.
Aber auch das hat sehr schöne Seiten. Es geht immer um so wenig Geld (zumindest in unserem Umfeld), dass man überwiegend mit sehr entspannten und normalen Menschen zu tun hat. Geld macht die Leute ja bekanntlich auch deppert.

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