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April 5, 2012

Begegnungen am Himmelsfluss Ganges: Fotograf Kurt Tappeiner im Interview

Verena Spechtenhauser

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt …  So oder so ähnlich erging es mir diese Woche bei meinem Treffen mit dem Fotografen Kurt Tappeiner. Eigentlich wollte ich mir mit ihm zusammen nur kurz seine neueste Fotoausstellung Indien – Begegnungen am Himmelsfluss Ganges ansehen. Aber dann nahm er mich mit auf eine faszinierende Reise durch den Norden Indiens …

Man taucht sofort ein in die sechzehn großformatigen Farbfotografien, die in den Räumen des Restaurants Miil ausgestellt sind. Portraits von Kindern und heiligen Männern wechseln sich ab mit Momentaufnahmen aus dem indischen Alltag. Landschaftsbilder und religiöse Szenen hängen neben Aufnahmen von Frauenhänden und Tempeln. Sie passen hinein in das Ambiente und doch wünscht man sich kurz man wäre mit ihnen alleine – ohne essende Gäste und freundliche Kellner.

Gedruckt auf  Leinen, einer lebenden Materie, welche die einzelnen Motive besser zur Geltung kommen lässt, wirken die Bilder fast lebendig. „Es war eine bewusste Entscheidung für die Leinwand,“ erklärt Tappeiner, „denn auf diesem Material wirken die Fotoaufnahmen wie ,gemalt‘„.

Authentizität ist dem Fotografen sehr wichtig. Das erkennt man beim Betrachten seiner Bilder und daran, wie er über sie spricht. Denn hinter jedem Bild steckt eine Geschichte. Und Kurt Tappeiner hat das Talent diese dem Betrachter nahezubringen. „Die Menschen sollen auf den ersten Blick erkennen, worum es in den Fotografien geht, sie sollen realistisch sein. Ich will von nichts ablenken.“

Es sind sehr intensive Aufnahmen, sowohl von den Farben her als auch von den Motiven. Sie zeigen die Leidenschaft des Fotografen für fremde Kulturen und für das Detail. Und sie machen einen neugierig. Man möchte zu gerne mehr wissen: über den Künstler, über das Land, über die Motive, über seine Reise.Kurt Tappeiner selbständiger Fotograf,  Jahrgang 1978, aufgewachsen in Laas, hat in Innsbruck die Akademie für Mediendesign absolviert. „Es gab immer wieder Leute, die mich auf die Motivvielfalt Indiens aufmerksam machten“, erzählt mir Tappeiner später bei unserem Gespräch. Die Ideenach Indien zu reisen kam aber doch spontan. Natürlich war bereits vor der Reise ein gewisses Interesse, eine Art Verbindung zu diesem Land da. Vor allem für die hinduistischen Priester, die Sadhus und Brahmanen, für die Musik und die Lebensart. Er habe sich jedoch bewusst wenig über das Land informiert. „Ich wollte nicht voreingenommen sein.“

Nach Indien aufgebrochen ist er dann letzten Sommer. Nur mit dem Rucksack und seinem wichtigsten Werkzeug: der Kamera. Sein Ziel war der Norden Indiens, das Kaschmirgebiet, Delhi und natürlich auch die heilige Stadt Varanasi. „Ich bin ein neugieriger und abenteuerlustiger Mensch und reise gerne, wohin es mich gerade zieht.“Wichtig dabei war ihm das Land und seine Leute so nahe wie möglich an sich ran zu lassen. „Ich wollte den direkten Kontakt zu den Menschen, sehen, wie sie ihren Alltag leben und meistern.“

„Indien war für mich zuerst ein extremer Kulturschock, lacht Tappeiner, aber nicht so stark, wie ich es mir vorgestellt hatte.“Es ist bunt in Indien und es ist laut und chaotisch. Das Essen ist scharf, die Straßen sind schmutzig und man ist immer umgeben von Menschen. „Das war anstrengend und macht einem zu schaffen. Man ist sofort ernüchtert.“ Und trotzdem kriegt man Lust auf mehr.

Besonders fasziniert hat ihn die Art, wie in Indien der Glaube praktiziert wird. Und die Tatsache, dass eine Jahrtausende alte Kultur noch immer so authentische gelebt wird. „Es ist keine Show für Touristen, es ist Realität.“

Bis zum 15. April 2012 ist die Fotoausstellung, noch im Kränzelhof in den Räumen des  Restaurants Miil in Tscherms (Gampenstraße 1) zu sehen. Danach würde Kurt Tappeiner seine Fotografien gerne auch in anderen Dörfern und Städten zeigen und sucht dafür nach geeigneten Ausstellungsräumen.

Alle Fotos: Kurt Tappeiner

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