Music

July 6, 2017

Sein Sax lebt:
DDT Damian Dalla Torre

Kunigunde Weissenegger

Viel unterwegs ist er zur Zeit, „… schon seit einer ganzen Weile, ich habe diverse Tourneen hinter mir. Ich komm gerade von einem Konzert bei den Eldenaer Jazz Evenings in Greifswald an der Ostsee – mit der Leipziger Big Band Spielvereinigung Sued feat. Brigade Futur 3 mit Musikern aus Berlin (unter anderem mit Olaf Ton, Seeed).“ Mit dieser Band hat der Saxophonist in den legendären Funkhausstudios in Berlin im Februar eine CD aufgenommen, die im September erscheinen wird. „Nach Südtirol bin ich für das Südtirol Jazzfestival und die heuer gegründete Euregio Jazzwerkstatt angereist.” Drei Auftritte (3. Juli @ Seis, 5. Juli @ Sarnthein, 6. Juli @ Innichen) sind geplant. „Es ist sehr spannend,“ meint der Musiker, „mich fasziniert die unglaubliche Vielfalt an MusikerInnen und ihre Art zu spielen. Jeder kommt aus einer anderen Szene, bringt seine Erfahrungen mit und teilt sie mit den anderen. So wird man automatisch Teil der Erfahrung des anderen, tauscht sich aus, erlebt manchmal auf der Bühne unfassbar gute Momente und macht zusammen das, was man am Liebsten macht. Es mangelt nie an Material, sondern an Zeit, die leider begrenzt ist, um die vielen Ideen und Songs zu entwickeln. 

Wir trinken Kaffee. Mir gegenüber sitzt Damian Dalla Torre. Für South-Tyrol-Reggae-Fans kein unbekanntes Gesicht – vor einigen Jahren hat er mit Sisyphos Geschichte geschrieben. Der gebürtige Sterzinger lebt, studiert, musiziert und komponiert nach seinem Bachelor-Abschluss in Jazzsaxophon am Konservatorium in Wien nun in Leipzig. Damian Dalla Torre - Südtirol Jazz Festival Alto Adige - Günther Pichlerf

Was den Jazz so besonders macht, ist die Vielzahl an Spiel- und Interpretationsmöglichkeiten. Ich glaube, diese Neugierde und was so hinter den Bergen passieren könnte, hat mich auch aus Südtirol weggezogen. Mir war schnell klar, dass man in einer Großstadt, auf engem Raum, viele verschiedene Meinungen und Lebensweisen findet. Deshalb bin ich auch nach Wien gezogen und wurde mit etwas Glück am Konservatorium in Wien angenommen. Eine Hochschule oder ein Konservatorium ist ein idealer Schmelztiegel. Wenn du mit Gleichgesinnten auf engstem Raum, sehr viel Zeit verbringst, dann entsteht automatisch etwas.“

Gleich im Anschluss an das Südtirol Jazzfestival startet DDT Richtung Norden zum Bayerischen Jazz-Weekend in Regensburg, wo er mit seinem Quartett The Real MOB auftritt. Das internationale Jazz-Kollektiv zollt damit Hank Mobley, einem Tenorsaxophonisten der Jazz-Ära der 50er-60er Jahre Tribut. Ende Juli 2017 soll ein Album herauskommen.

Kürzlich, Ende Juni–Anfang Juli war Damian Dalla Torre im Studio und hat Songs aufgenommen, die er im Laufe des letzten Jahres komponiert hat. „Im Herbst werde ich dann an meiner ersten eigenen Platte arbeiten und mit meinem Lehrer und guten Freund Johannes Enders, bei dem ich in den letzten zwei Jahre studieren durfte, gemeinsam eine CD aufnehmen. Mit dabei sind auch der Münchner Bassist Lorenz Heigenhuber und der amerikanische Schlagzeuger Howard Curtis. Die Kompositionen dazu sind ebenfalls in Zusammenarbeit mit Johannes Enders im Lauf des letzten Jahres entstanden. Dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen, da ich schon von klein auf ein großer Fan der Musik von Johannes Enders bin.“ 

Ein letzter Schluck Kaffee, fast am Ende frage ich Damian Dalla Torre noch nach drei–vier Stücken zur Erholung und Beruhigung unserer sommerhitsverseuchten und zwangsbeschallten Ohren. Voilà, meint er: Sofa Song von Seamus Blake; Siebzehn von Jan Roth; Brothers & Sisters von Bongmaster Inc; Baba von Bilderbuch.  

Im Weggehen noch eines: Welche Tipps würdest du einem leidenschaftlichen Saxomophonspieler wie Homer Simpson geben, Damian? „Ich würde Homer empfehlen, zunächst sehr viel Musik zu hören – besonders Platten und Solos von alten Meistern; dann, im besten Fall, viel zu üben und auswendig zu lernen, jeden Tag 1 Stunde lang. – Jeder kann gut auf einem Instrument werden. Das Grundlegende ist, ob man Motivation hat und eine treibende Kraft, die einen beispielsweise auch nach langen Abenden und Auftritten am nächsten Tag aus dem Bett in den Proberaum zwingt.“ 

Bis bald, im Herbst, bei einem der Album-Release-Konzerte! 

Fotos: (1) franzmagazine; (2) Südtirol Jazz Festival Alto Adige/Günther Pichler 

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