Music

November 19, 2016

„die Art, wie ich etwas erzähle…“ Anna Widauer, Sängerin + Musikerin

Kunigunde Weissenegger

Sie singt, schreibt, komponiert, spielt verschiedenste Instrumente und tritt in den verschiedensten Formationen auf. Wir haben uns mit Anna Widauer aus Wörgl in Tirol über Grenzen, Zusammenarbeiten, Vorbilder und schönste Töne unterhalten.

Erzähl uns bitte mal, was du gerade so machst, wo du so unterwegs bist? 

Im Juni habe ich in Basel mein Musik-Studium abgeschlossen und wohne seither wieder auf unbestimmte Zeit ; ) in Tirol. Im Moment kann ich mich ganz meinen musikalischen Projekten widmen. Darüber freue ich mich sehr, besonders, dass ich hier Musiker und Musikerinnen gefunden habe, mit denen ich mich musikalisch und menschlich verstehe. Im Herbst habe ich mich besonders auf meine Arbeit mit den Duos LOW und LOST TOYS fokussiert. Im Duo LOW arbeite ich zusammen mit Chris Norz an unkommerziellen Popsongs. Im Gegensatz dazu ist die Musik von LOST TOYS frei improvisiert. Im Jänner 2017 werden wir mit LOST TOYS unser erstes Album veröffentlichen. 

Mit geschlossenen Augen ins Konzert: Woran erkennen wir Anna Widauer? 

Ich habe mich sehr gefreut, als eine Frau nach einem Konzert zu mir meinte: Es ist nicht nur die Stimme, es ist noch etwas Anderes. Ich hoffe, es ist die Art, wie ich etwas erzähle, an der mich meine ZuhörerInnen wiedererkennen. 

Jazz, Elektronik, Improvisation, was noch? Wo sind Grenzen? 

Wir sind ja immer auf der Suche nach innovativen Ideen, ich versuche nicht zu kategorisieren, nicht daran zu denken, in welche Sparte etwas passen könnte. Ich glaube, Musik wird oft unauthentisch, sobald man sich beim Schreiben Gedanken über eine Zielgruppe oder ähnlichem macht. Was meine Arbeit am meistens begrenzen und schwierig machen kann, ist vielleicht, wenn mich mein Selbstvertrauen verlässt und die Angst kommt, dass es kein Interesse für meine Musik gibt. Anna Widauer - Wiesenrock FOTO gpunkt-art.com

Zu wem schaust du auf? 

Es gibt sehr viele MusikerInnen, die mich faszinieren; dabei eint diese Gruppe, dass jeder und jede einzelne eine ganz eigenständige künstlerische Sprache gefunden haben, wie etwa David Bowie, Kate Bush, Billie Holiday, Nick Cave… Dann gibt es noch die AutorInnen unglaublicher Romane und Gedichte, die mich sehr inspirieren… Astrid Lindgren, Oscar Wilde, Tennessee Williams, Ernest Hemingway. Alle sind GeschichtenerzählerInnen. 

Was war die bisher spannendste Zusammenarbeit?

In Basel habe ich bei einem Chorprojekt mit Guillermo Klein mitgearbeitet, mit Martin Nitsch bei seinem Projekt „Ingredients“. Die Zusammenarbeit mit HI 5 finde ich besonders spannend, weil ich ihre Musik schon so lange kenne und immer wieder beim Hören Ideen für eine Gesangsstimme hatte. Es ist für mich immer am Spannendsten, wenn jeder beteiligte Musiker, jede beteiligte Musikerin etwas von sich beitragen kann. 

Mit wem möchtest du unbedingt irgendwann einmal etwas zusammen machen? 

Ich würde wirklich sehr gerne mehr mit Videokünstlern und -künstlerinnen zusammenarbeiten, oder auch Kunstinstallationen ins Bühnenbild integrieren. Dafür hatte ich bisher noch nicht die Gelegenheit. 

Komponierst du auch selbst? Was geht dir dabei durch den Kopf…? 

Ja, ich komponiere auch selbst. Auch wenn ich mich selber eher als Songwriterin bezeichnen würde. Ich möchte etwas Neues hören… Etwas, das mich überrascht, einen Melodieton, eine Akkordfolge, auf die ich mich jedes Mal freue, eine Geschichte ausdenken, Charaktere erschaffen, sie denken und sprechen lassen. Eine Stimmung kreieren, alles einsaugen in einem Song, die ganze Traurigkeit, die ganze Freude und alles dazwischen – haha, so ungefähr. 

Der schönste Ton für dich? 

Der schönste Ton ist der, der mich berührt. Der Ton, bei dem ich Gänsehaut bekomme, der mir Angst einflößt, mich zu Tränen rührt. 

Was steht demnächst an, abgesehen von deinem Auftritt am 19.11. beim fmRiese?

Am 10.12. um 20.30 H „Zeitgespenst“, eine Performance im Rahmen der Kunstraße IMST: Kulturcafe Bühne Imst Mitte, Pfarrgasse 7. Mit LOW, im Duo mit Chris Norz, spiele ich Anfang Jänner 2017 in der Bäckerei Kulturbackstube in Innsbruck. Die CD-Release LOST TOYS steht im Jänner 2017 an: Tobias Steinberger und ich werden unser erstes Duo-Album mit free Songs und Instant Songwriting veröffentlichen . Da meine Heimatgemeinde Wörgl im Jänner den Tiroler Ball in Wien ausrichten wird, darf ich dort am 21.1.2017 mit einer Jazzband auftreten. Und am 9. März 2017 haben wir mit Little Roses Kindergarden, einem neu gegründeten Improvisationskollektiv mit MusikerInnen aus ganz Österreich am 9. März einen ersten (Zappa-) inspirierten Auftritt in Wien. Bald werden  alle Termine auch auf annawidauer.at zu finden sein. Danke für euer Interview. 

Am 19. November 2016, dem letzten Tag des fmRiese Forward Music Festivals in Wattens, zeigen HI5, konsTellation und Anna Widauer, was passiert, wenn ein Quartett auf ein Ensemble auf eine Sängerin trifft: Groove, Flexibilität, Poesie. 

Foto: (1) Anna Widauer by  Ben Raneburger; (2) Wiesenrock Wattens by gpunkt-art.com

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