Kriegerin: Neonazi-Szene aus weiblicher Sicht

Kriegerin: Neonazi-Szene aus weiblicher Sicht

Kriegerin: Neonazi-Szene aus weiblicher Sicht

Note: 8

Entschuldigt – das Schreiben der Rezension hat diesmal etwas länger gedauert. Denn es ist harte Kost, was wir beim Film Kriegerin von David Wnendt präsentiert bekommen. Und das Gesehene musste erst verdaut werden.

„Demokratie ist das Beste, das wir je auf deutschem Boden hatten. Es gibt kein oben und kein unten. In einer Demokratie kann jeder mitbestimmen. Du, ich, Alkoholiker, Junkies, Kinderschänder und Neger. Weil denen unser Land scheißegal ist. Aber mir ist es nicht egal! Ich liebe mein Land!“

Mit diesen Worten aus dem Off gesprochen von der Protagonistin Marisa (grandios gespielt von Alina Levshin) beginnt der Film. Marisa ist jung, weiblich, rechtsradikal und ohne wirkliche Perspektive. Irgendwo in der ostdeutschen Provinz ist sie Teil einer erstaunlich großen Neonazi-Szene. Auf ihre Gesinnung ist sie stolz und trägt sie offen zur Schau: auf ihren T-Shirts, auf ihrem Auto, auf ihrer Haut. Und wenn ihr etwas nicht passt, dann schlägt sie einfach zu.

Eigentlich sieht man für Marisa keinen Ausweg aus dieser Gewaltspirale. Als sie jedoch in einem Rausch aus Hass und Gewalt zwei junge Afghanen mit ihrem Auto von der Straße abdrängt und überzeugt davon ist, dass sie den Älteren der beiden getötet hat, beginnt in ihr ein Umdenken. Etwa zur gleichen Zeit stößt die 15-jährige Svenja zur Clique. Svenja ist intelligent und aufgeweckt, leidet jedoch unter ihrem fast schon sadistischen Stiefvater. Das bürgerliche Leben wie sie es von zu Hause kennt verachtet sie, die rechtsradikale Szene zieht sie an.

Wnendt gelingt es anhand seiner beiden weiblicher Protagonisten sowohl das beginnende Loslösen aus der Szene als auch das immer tiefere Hineingleiten in die Szene aufzuzeigen. Und das ist auch das eigentlich faszinierende an diesem Film. Der weibliche Blick auf eine Bewegung die in der Öffentlichkeit fast ausschließlich mit Männern in Verbindung gebracht wird und in dessen verachtenswerter Ideologie eine Frau eigentlich keinen Stellenwert hat. Dies zeigt Wnendt auch gekonnt an der Figur der Mitläuferin Grete (die eigentlich Melanie heißt).

Daneben beeindruckt die eigens für den Film komponierte Musik. „Holocaust Reloaded“ heißt einer der Songs, der im Film immer wieder mit voller Lautstärke abgespielt wird. Die Lieder putschen auf, sowohl die Darsteller im Film als auch das Publikum im Saal. Und sie unterstreichen gekonnt die Atmosphäre der Gewalt, die sich durch den gesamten Film ja das gesamte Leben der Protagonisten zieht.

Noch eine wie ich finde wichtige Information zum Schluss. Der Film ist das Produkt einer zwei Jahre andauernden Recherche des Regisseurs in der rechtsradikalen ostdeutschen Jugendszene. Wenn doch auch jedem klar ist, dass es diese Szene gibt, finde ich es doch erschreckend zu wissen, dass irgendwo in Deutschland das im Film gezeigte Realität sein kann.

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