Angela Dorgan über das erfolgreiche Projekt in Irland

Ireland Music Week, concerts, mischa and the bear, © Ireland Music Week
Als Vorsitzende der „National Campaign For The Arts“ hat sie maßgeblich an der Konzeption und Umsetzung des Basic Income for the Arts (BIA) mitgewirkt. Dieses Grundeinkommen-Programm läuft nach einer Pilotphase nun von 2026 bis 2029 und gewährt Künstler:innen und Kreativen eine wöchentliche Zahlung in Höhe von 325 Euro und mildert so finanzielle Unsicherheiten, mit denen viele im Kunstbereich Tätige konfrontiert sind. Soeben wurden am 15. Oktober 2026 die ersten 750 Bewerber:innen benachrichtigt.
Angela Dorgan ist Geschäftsführerin von First Music Contact (FMC) in Irland, eine vom Arts Council geförderte Organisation, die sich im irländischen Musiksektor auf Beratung und Mentoring von Musiker:innen sowie Musikexport konzentriert, das Online-Musikportal Breaking Tunes zur Präsentation von Acts aus Irland betreut und das jährliche Branchen-Showcase Ireland Music Week organisiert.


Beim 102. Netzwerktreffen von Trans Europe Halles (TEH, transeuropäisches, gemeinnütziges Netzwerk unabhängiger, von Bürger:innen und Künstler:innen getragener Kulturzentren) vom 22. bis 25. Oktober 2026 in der BASIS in Schlanders hält sie am 22. Oktober um 16:00 zum Auftakt im Museion das eröffnende Impulsreferat. Was für eine Freude, dass sie Zeit gefunden hat, uns vorab ein paar Fragen zu beantworten.

Wie schafft es eine (kleine) Musiknation wie Irland, international so sichtbar zu sein?
Erstens: TALENT. Meine Firma First Music Contact hat 30 Jahre lang eine Infrastruktur zur Unterstützung der Popmusik aufgebaut. Wir bieten kostenloses Mentoring für Musiker:innen an, wir betreiben das Musikportal breakingtunes.com, auf dem über 500 Acts von der Insel Irland ihre Musik teilen können und über das wir die Branche dazu bringen können, neue Künstler:innen zu entdecken. Wir haben außerdem unser jährliches Showcase und unsere Konferenz, mit denen wir gezielt Buyer ansprechen, um professionalisierenden Künstler:innen zu helfen, ihre Teams und internationalen Möglichkeiten auszubauen. Außerdem betreiben wir das Music Export Office Music From Ireland, wo wir Künstler:innen finanzieren und Shows bei 14 internationalen Showcases wie ESNS, SXSW, The Great Escape, Primavera und vielen mehr produzieren. Unsere Förderstellen haben zudem Stipendien für die Entwicklung von Arbeiten (Arts Council) und für die Finanzierung internationaler Tourneen (Culture Ireland).
Wie arbeiten verschiedenen Akteure eines Musik-Ökosystems (Festivals, Export, Förderstellen, Labels, Spielstätten usw.) am besten zusammen, um Karrieren von Künstler:innen zu unterstützen? Wo hakt diese Zusammenarbeit noch?
Bezahlt die Künstler:innen fair. Die kommerzielle Musikindustrie wird weniger subventioniert und arbeitet im Kontext von Profit. Wenn man innovativ ist, und wie wir Service und Angebote für Künstler:innen nach ihnen ausrichtet ihnen und sie mit dem unterstützt, was sie brauchen, hat man eine bessere Chance, dass die exzellenten Künstler:innen im Geschäft bleiben.



Wie ließe sich das auf andere kleine Märkte oder Regionen übertragen, zum Beispiel auf Südtirol?
Hört auf eure Künstler:innen, sie werden euch sagen, was sie brauchen. Um eine Branche zu verbessern, ist es vor allem notwendig, die Handlungsmacht zugunsten der Künstler:innen neu auszutarieren.
Was bedeutet es für dich, Teil von Trans Europe Halles zu sein?
Das weiß ich noch nicht : ) Ich bin voll motiviert, allen zu erzählen, wie wir daran gearbeitet haben, das Basic Income zu ermöglichen. Mir liegt es sehr daran, dass andere, die es auch versuchen, von unserer Arbeit profitieren können, denn wir hatten viel Hilfe von Leuten wie Basic Income Ireland und Social Justice Ireland.
