Kuratorin, Vintageliebhaberin und Geschichtenerzählerin Greta Langgartner aus Gröden erzählt …

Greta Langgartner, Kuratorin, Vintage-Liebhaberin und Geschichtenerzählerin aus Gröden, © Giulia Wörgartner
Greta Langgartner, Kuratorin, Vintage-Liebhaberin und Geschichtenerzählerin aus Gröden, © Giulia Wörgartner
Die ladinischen Täler rund um die Dolomiten sind bekanntlich voll mit Sagen und Geschichten von wunderlichen Wesen und vergangenen Königreichen. Ein modernes und doch historisches Märchen erzählt nun Greta Langgartner, Kuratorin, Vintageliebhaberin und Geschichtenerzählerin aus Gröden, mit ihrem neuen Brand haus und gretel. Es ist wirklich alles so geschehen und es ist klar, dass es so in den Sternen geschrieben stand. Liebhaber:innen der cuten und einzigartigen Dinge, be ready!
Greta, erzähl uns kurz von der Entstehung von „haus und gretel“ – aber wenn möglich so, als würdest du ein Märchen erzählen.
Es war einmal, in einem kleinen Dorf des Grödnertals, mitten in den Dolomiten, ein Mädel namens Greta, gern 's Gretele genannt, das zwischen Holzfiguren, Antiquitäten und allerlei wunderlichen Dingen aufwuchs. Schon früh lernte es von ihrer geliebten Mutter, dass alte Gegenstände die schönsten Geschichten erzählen.
Viele Jahre später entdeckte es in ihrem Tal einen beinahe vergessenen Schatz: unzählige staubige Schachteln, die seit fast 60 Jahren niemand mehr geöffnet hatte. Darin schlummerten kleine, von Hand geschnitzte und bemalte Holzwunder, die nur darauf warteten, wieder ans Tageslicht zu kommen. Und weil das Mädel schon lange davon träumte, eine eigene Marke zu gründen, beschloss sie diesen besonderen Dingen ein neues Zuhause zu geben – in haus und gretel.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann werden die kleinen Holzwunder hoffentlich noch viele Menschen glücklich machen.



Was genau hast du in dem Archiv alles gefunden?
In den vielen Schachteln befinden sich originale Grödner Holzarbeiten aus den 1960er- und späteren Jahren. Es sind Souvenirs, Spielzeug, dekorative Schachteln, verspielte Alltagsobjekte wie Nähkisten, Eierbecher und Dinge, bei denen ich oft selbst erst herausfinden muss, wofür sie eigentlich gedacht waren.
Von einigen Modellen habe ich Dutzende gefunden, von anderen nur ein oder zwei Stück. Das besondere an den Objekten ist der erstaunlich gute Zustand der meisten. Das liegt daran, dass die Objekte über Jahrzehnte sorgfältig verpackt und aufbewahrt wurden. Viele Sachen wirken fast so, als wären sie erst gestern hergestellt worden. Manche Schachteln sind mit alten Zeitungen ausgelegt, andere enthalten handschriftliche Notizen oder kleine Hinweise auf ihre Vergangenheit. Es ist ein bisschen wie eine Zeitreise.
Ich bin noch nicht ganz damit fertig, alles auszupacken, zu sortieren und zu dokumentieren. Und genau das macht es so spannend: Ich weiß selbst noch nicht, welche Überraschungen in den nächsten Schachteln auf mich warten. Es sind fast immer ein oder zwei unerwartete Schätze in jedem Karton.
Was können wir uns für die nächsten Monate von haus und gretel erwarten?
Ich freue mich darauf, weitere Entdeckungen mit euch auf Instagram zu teilen, die Geschichten hinter den Objekten zu erzählen und zu zeigen, wie viel Liebe, Kreativität und Geschick in jedem einzelnen Stück steckt. Am Sonntag, 18. Oktober 2026 erscheint die erste kleine Kollektion auf hausundgretel.com. Danach möchte ich in regelmäßigen Abständen neue, kuratierte Kollektionen und einzelne Objekte veröffentlichen. Nicht alles auf einmal, sondern Stück für Stück, damit jedes Objekt die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Langfristig soll haus und gretel aber nicht ausschließlich ein Ort für Vintage-Holzobjekte bleiben. Ich plane schon, auch besondere Vintage-Fundstücke aus Südtirol und eigene Kooperationen mit Künstler:innen und Handwerker:innen einzubinden.
Wie hat deine Herkunft und Ausbildung die Entstehung von haus und gretel beeinflusst?
Ich bin direkt über dem Geschäft meiner Familie, das mein Großvater vor über 50 Jahren gegründet hat, aufgewachsen. Nach dem Kunstgymmnasium in St. Ulrich habe ich in Mailand Kunstkommunikation studiert und mehrere Jahre im Bereich der zeitgenössischen Kunst gearbeitet, unter anderem als freischaffende Kuratorin und Projektmanagerin. Mit haus und gretel möchte ich meine Herkunft und meine Liebe zur Kunst, zum Gestalten und zum Kuratieren verbinden.



Wie sieht die Situation um die handgemachten Objekte in Gröden heute aus?
Gröden hat eine unglaublich lange und faszinierende Handwerkstradition. Über Jahrhunderte war die Holzschnitzerei einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Tales und unsere Holzobjekte wurden in die ganze Welt exportiert. Die Objekte aus dem Archiv wurden vorwiegend in Heimarbeit produziert. Es gibt fast keine Familie in Gröden, die nicht irgendwie in ihrer Geschichte etwas mit diesem Handwerk zu tun hatten.
Heute hat sich natürlich Vieles verändert. Die Produktion kleiner, handgefertigter Gebrauchsgegenstände, wie ich sie im Archiv gefunden habe, ist in dieser Form kaum noch mit der damaligen Zeit vergleichbar. Vieles wird mittlerweile mit dem Kopierfräsgerät hergestellt, und echte Handarbeit ist entsprechend aufwendig und kostspielig.
Gleichzeitig gibt es in Gröden nach wie vor unglaublich talentierte Bildhauer:innen und Künstler:innen sowie Ausbildungsstätten, die dieses Wissen weitergeben.
Was erhoffst du dir von diesem Projekt?
Ich hoffe, Erinnerungen zu wecken. Vielleicht erkennt jemand ein Objekt wieder, das früher mal auf dem Regal stand, oder erinnert sich daran, wie zu Hause geschnitzt, bemalt oder gedrechselt wurde. Und natürlich wünsche ich mir, dass die kleinen Holzwunder aus dem Archiv wieder ein Zuhause finden, wo sie geschätzt und geliebt werden. Wenn haus und gretel dazu beitragen kann, ein bisschen Neugier, Wertschätzung und vielleicht auch Stolz auf unser kulturelles Erbe zu wecken, wäre das für mich schon ein großer Erfolg.
Natürlich hoffe ich auch, dass haus und gretel wachsen und sich zu etwas Eigenständigem entwickeln kann. Ein Ort für Besonderes, für Handwerk, für Geschichte und für Menschen, die sich genauso wie ich über die kleinen, manchmal etwas eigenartigen Schönheiten des Alltags freuen.