Contemporary Culture in the Alps
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Performing Arts,Music

„Wir sind ein Labor“

Manuela Kerer und Katrin Beck für die Münchener Biennale für neues Musiktheater 2026

19.05.2026
Kunigunde Weissenegger

Codeborn, Zara Ali, © Frol Podlesnyi

„Wagemutig, experimentierfreudig und hellwach für die Widersprüche unserer Zeit stellen sich zahlreiche internationale Komponist:innen unserer komplexen Gegenwart.“ – So steht’s auf der ansehnlichen Website der Münchener Biennale, des – wohlgemerkt – weltweit einzigen Uraufführungsfestivals für neues Musiktheater, die zudem ihr 20. Jubiläum feiert. 

Das künstlerische Leitungsteam, das mit dieser Ausgabe erstmals zum Einsatz kommt, hat es sich mit dem Anspruch, Überraschendes und Unerwartetes aufzuspüren, sicher nicht einfach gemacht. Doch lugen wir ins klug kuratierte Programm, können wir recht zufrieden feststellen, dass es Katrin Beck und Manuela Kerer wahrhaftig gelungen ist. Ausverkauft Ausverkauft Ausverkauft steht unter etlichen Acts.

Katrin Beck und Manuela Kerer, Künstlerische Leitung, Münchener Biennale 2026, © Astrid Ackermann

Was zeichnet eurer beider Meinung ein Festival für neues Musiktheater heute aus?
Manuela Kerer und Katrin Beck: Ein Festival für neues Musiktheater zeichnet sich heute im besten Fall durch eine Vielfalt an Stimmen, Ästhetiken und künstlerischen Strömungen aus – jedoch nicht im Sinne eines beliebigen „anything goesgoes“. Entscheidend ist vielmehr eine bewusste Öffnung: hin zu neuen Perspektiven, diversen künstlerischen Handschriften und gesellschaftlich relevanten Fragestellungen. Ein solches Festival schafft Räume für Experimente, ohne dabei die eigene kuratorische Haltung aus dem Blick zu verlieren. Es geht uns dabei um Dialog, Reibung und Resonanz – zwischen unterschiedlichen Formen, Kontexten und Publikumserwartungen.

Als Ausdrucksform, die Klang, Sprache, Körper, geteilten Raum und Zeit miteinander verbindet, eröffnet Musiktheater ganze Welten, in denen verschiedene Stimmen, Wirklichkeiten und Imaginationen gleichzeitig bestehen können und in ihrer Widersprüchlichkeit sinnlich erfahrbar werden.
Katrin Beck, Manuela Kerer, Künstlerische Leitung

Insgesamt 13 Tage und Nächte hat das Duo Suprageniale Beck-Kerer, Kulturmanagerin-Komponistin, auf Basis ihres innovativen und experimentell erneuerten Konzeptes mit zehn Neuproduktionen – davon zum ersten Mal mit einem neuen Werk für Kinder – gefüllt. „Wir sind ein Labor. Wir sind ein Labor für Durchlässigkeit, wir sind ein Labor für Möglichkeiten“, betont Manuela Kerer bei der Vorstellung des Festivals. „Wenn Sie in unser Magazin, in unsere Programmlinien hineinschauen, dann sehen Sie eine Multigeografie, Sie sehen eine Multiästhetik. Gerade das ist auch das Spannende heute an zeitgenössischer Musik, dass es verschiedene Positionen gibt, dass es verschiedene Perspektiven gibt, und das war einer unserer ganz großen Intentionen, unseres Willens, zu zeigen, was da ist und auch möglich zu machen.“

Isithunzi, Monthati Masebe, © Laura Nickel
V01CES//B0­D1EZ, Piyawat Louilarpprasert, Hans Werner Henze, © Cordula Treml
ENDLICH, Asia Ahmetjanova, © Nancy Jesse
Xochiyaoyotl, Maximiliano Soto Mayorga, © Frol Podlesnyi
Hidden Heartache, Ailís Ní Ríain, Julie Herndon, © Frol Podlesnyi
Der Miesepups, Margareta Ferek-Petrić, v. l. n. r. Jacobo Ochoa/Olivia Johnson, © Matthias Baus
crypt_, Yuri Umemoto, © Frol Podlesnyi
Wie das flunkert, Piyawat Louilarpprasert, © Frol Podlesnyi
FOOSBALL[D], Tempo Reale, © The Factory PRD/Tempo Reale Archive

Manche Komponist:innen schreiben zum ersten Mal ein Musiktheater, deshalb ist es den Kuratorinnen wichtig, „mit ihnen an der Hand gehend auch diese vielleicht zum Teil ersten Schritte ganz intensiv zu begleiten, weil dieses Schreiben für Musiktheater ja ein arbeitsteiliger Prozess ist und für manche unserer etwas jüngeren Komponist:innen einer, den sie zum ersten Mal gehen“, wie Katrin Beck hervorhebt. Alle Produktionen der Münchener Biennale 2026 sind mit starken Partner:innen koproduziert, unter anderem mit der Theaterakademie, dem Müchner Kammerorchester, mit der Hochschule für Musik und Theater und weiteren Akademien, mit der Bayrischen Staatsoper München. – „Dieses Vertrauen ist eine Stärke der Münchener Biennale: Wir können die Zeit geben, dass sich Teams entwickeln und im Rahmen von zwei Jahren an eine Position kommen.“ Das Editorial der beiden künstlerischen Leiterinnen führt die Mission des Festivals schön aus.

Abschließende Frage: Was ist bisher, nach den ersten Festivaltagen, die interessanteste Erkenntnis?
Manuela Kerer und Katrin Beck: Dass man noch mehr über und mit den Menschen reden muss über das Erlebte, Gesehene, Gehörte – über das Warum und Wie, und dass das Staunen über die unterschiedlichen Wahrnehmungen nicht aufhört. Das zeigt uns nach diesen ersten zehn Tagen, dass die Münchener Biennale im Kopf und im Austausch beim Publikum und bei uns weitergeht und weiterarbeitet, und bestenfalls auch weiterlebt.

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Tags

Manuela Kerer, Katrin Beck , Münchener Biennale, musiktheater
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