Das Kammermusikfestival „listening closely“ geht 2026 in die 4. Runde

Viktoria Mullova, © Benjamin Ealovega
„Wollte man das Programm insgesamt beschreiben, könnte man sagen: Ja, das ist ein Frühlingsprogramm, mit jungen, frischen, zarten Farben. Aber es hat auch etwas Nachdenkliches, Stilles und lädt ein zu Innenschau und Meditation,“ lädt Thomas Larcher, Komponist und künstlerischer Leiter von listening closely zum diesjährigen Kammermusikfest. Mit dem gleichnamigen Verein hat er sich der Förderung zeitgenössischer, klassischer und sakraler Musik verschrieben.
Vom 1. bis 10. Mai 2026 findet in Wattens, Innsbruck und Schwaz das Kammermusikfestival listening closely statt und stellt Gespräche und Konzerte zeitgenössischer, klassischer Musik in kleinerem Rahmen in den Mittelpunkt. Der künstlerischer Leiter gibt uns ein paar nähere Einblicke.
Ihr habt euch als Verein der Förderung von zeitgenössischer, klassischer und sakraler Musik verschrieben. Warum?
Thomas Larcher: Wir sind ein Minigruppe, bestehend aus einer sehr schlanken Organisation, einer Autorin und einem Komponisten. Wir zeigen im Festival das, was uns selber persönlich musikalisch (und manchmal auch literarisch) am brennendsten interessiert.
Wer steckt hinter der Organisation?
Maria Salchner, Organisation; Friederike Gösweiner, Erscheinungsbild, Texte, Programm; Thomas Larcher, künstlerische Leitung.

Was meint ihr mit „listening closely“?
Als Musiker:in ist man seinem Instrument immer sehr nahe, man hört alles bis ins kleinste Detail, jede Nuance. Unser Ziel ist es, den Zuhörer:innen dieses Erlebnis möglichst ohne Abstriche nahezubringen. Wir veranstalten deshalb auch in akustisch ausgesuchten, nicht zu großen Räumen. Kammermusik hat immer etwas Intimes, das steckt schon im Begriff – das wollen wir hervorkehren.
Was ist eure Idee und Vision hinter Listening closely?
Wir wollen eine einzigartige Verbindung zwischen jungen, aufstrebenden, regionalen Musiker:innen und internationalen Stars der Klassik-Szene schaffen. Bei der Programmauswahl achten wir vor allem auf musikalisch-inhaltliche Gesichtspunkte. Uns ist wichtig, dass die Stücke innerhalb eines Konzerts Bezüge zueinander haben und wirklich besondere Programme entstehen, und wir suchen mit den internationalen Musiker:innen im persönlichen Austausch nach besonderen Programmen, die es nicht so oft zu hören gibt. Unsere Programme sind vielleicht manchmal anspruchsvoll zu hören. Aber wir sind der Meinung, daß auch Zuhören eine Kunst ist, die man sehr zur eigenen kulturellen Bereicherung erlernen kann und soll.
Wie kuratiert ihr das Festival? Was ist euch wichtig?
Wie gesagt: Wir besetzen eine Nische, die es eigentlich gar nicht gibt: Weltstars treffen junge Musiker:innen in Masterclasses und Workshops, Superstars treten in Werkshallen und Dorfgasthäusern auf, stilistisch reicht die Bandbreite vom gregorianischen Choral bis hin zu Uraufführungen neuer Auftragswerke.
Wir sind der Meinung, dass klassische Musik seit weit über tausend Jahren unsere Kultur geprägt hat und dass die Beschäftigung mit dieser Musik auch heute innovativ, kreativ und zukunftsweisend ist – und außerdem wunderschön.

Was sind die „Featured Artists“?
Jedes Jahr stellen wir ein junges „Supertalent“ aus der Region vor und versuchen so, diesen Leuten auch internationale Aufmerksamkeit zu verschaffen. Im ersten Jahr war es die Cellistin Valerie Fritz, die inzwischen eine große Karriere macht, im zweiten Jahr der Lautenist David Bergmüller, inzwischen Universitätsprofessor in Wien. Im letzten Jahr war es der in Luxemburg lebende Saxophonist Andreas Mader und 2026 ist es der Südtiroler Perkussionist Hannes Vonmetz, der derzeit in Berlin studiert.
Spielstätten sind Kulturhäuser, das ORF-Studio, die Kristallwelten und Kirchen – warum diese Vielfalt?
Wir wollen die Musik heraus aus den ohnehin etablierten und oft sehr großen Konzertsälen bringen und suchen für jede Art von Musik einen passenden Raum mit Charakter: Es muß akustisch stimmen, von der Raumgröße her passen und auch eine gewisse Atmosphäre mitbringen. Nur so gelingt listening closely.