Contemporary Culture in the Alps
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Design,Places

Willkommen in der Casa Sciscioré

Von 16. April bis 20. Juni ist die von Anna Quinz konzipierte und kuratierte Ausstellung zu Gast im SKB LAB in Bozen

10.04.2026
Verena Spechtenhauser
Willkommen in der Casa Sciscioré

© Tiberio Sorvillo

© Tiberio Sorvillo

Wer Anna Quinz, Kreativdirektorin und Mitbegründerin von franzLAB, kennt, weiß um ihre besondere Liebe zu schönen Dingen und ihr feines Gespür für gutes Design. Es ist, so beschreibt es mir Anna, eine Leidenschaft, die sie schon seit ihrer Kindheit begleitet: „In meiner Familie spielte die Wertschätzung für gutes Design – sowohl in Bezug auf Mode als auch in der Einrichtung – immer eine wichtige Rolle. Durch meine vielen Jahre intensiver Recherche zur Kreativszene in der Region für franzLAB hat sich dieses Interesse noch weiter vertieft. Dabei wurde mir zunehmend klar, dass mich Design unter den zahlreichen Ausdrucksformen kreativen Schaffens am meisten fasziniert. Weil es Vorstellungskraft und Funktionalität auf einzigartige Weise miteinander verbindet und dadurch sowohl als Alltagsgegenstand als auch als Designobjekt wirksam wird.“

© Tiberio Sorvillo

Vom 16. April bis 20. Juni 2026 teilt Anna Quinz diese Leidenschaft nun als Kuratorin mit dem Publikum. Im neuen SKB LAB des Südtiroler Künstlerbundes – in Zukunft auch als Ort für Künstler:innenresidenzen gedacht – entsteht mit CASA SCISCIORÉ ein bewohnbarer und lebendiger Raum, in dem Designobjekte ihren ursprünglichen Kontext zurückerlangen und Teil einer Umgebung werden, die erlebt, berührt und entdeckt werden kann. „Ich freue mich sehr, diesen neuen Kunstraum, mit CASA SCISCIORÉ als erste bespielen zu dürfen. Der Raum, der künftig im Rahmen der geplanten Künstler:innenresidenzen auch eine häusliche Funktion erfüllen wird, passt perfekt zur Grundidee von SCISCIORÉ, nämlich Designobjekte zu präsentieren, die eine klare Funktion und einen konkreten Gebrauchszweck haben und nicht für das Museum geschaffen wurden, sondern für den Alltag und die tatsächliche Nutzung. Gerade deshalb erschien es naheliegend, beide Ansätze miteinander zu verbinden“, so Quinz.

© Tiberio Sorvillo

Passend dazu wird auch der Ausstellungsraum selbst inszeniert. In den kommenden Monaten nimmt er die Form eines echten Hauses an – ausgestattet mit Möbeln, Einrichtungsgegenständen und Objekten, die eine große Vielfalt gestalterischer Ausdrucksformen und Haltungen sichtbar machen und den Raum zwischen Ausstellung und gelebtem Alltag bewusst verschwimmen lassen. Die Besucher:innen erwarten Räume, die in unterschiedlichen Farben und Formen aufleuchten und eine vielschichtige, eklektische und ironische Erzählung entstehen lassen. Verschiedene Materialien – von Holz über Keramik bis hin zu Textilien, Glas und Metall – treten dabei ganz selbstverständlich in Dialog miteinander, während handwerkliche Traditionen und zeitgenössische Visionen, Funktionalität und erzählerische Dimension ineinander verwoben werden. „Jede einzelne Position trägt dazu bei, eine häusliche Landschaft zu formen, die den kulturellen Reichtum des Territoriums widerspiegelt und zugleich ein facettenreiches, spielerisches Bild vermittelt,“ so Anna Quinz. Aufgefrischt wird das Zuhause mit frische Blumen von Elisa Barison und Papierblumen von Blooming Bea by Beatrice Tisot.

© Tiberio Sorvillo

CASA SCISCIORÉ  ist nicht die erste Station dieses Projekts. Seinen Ursprung hat es in dem von Anna Quinz für die internationale Designmesse EDIT Napoli 2025 konzipierten und kuratierten Forschungs- und Ausstellungsprojekt SCISCIORÉ. „Das Projekt erforscht alpines Design durch die Linse des Spiels und bewegt sich zwischen Tradition und Gegenwart, Materialität und Imagination. Es zeigt einen Ansatz, der handwerkliche Wurzeln, Materialkultur und spielerisches Denken miteinander verbindet.“ Im Oktober des letzten Jahres brachte Anna Quinz mit SCISCIORÉ Werke von 24 Designer:innen aus Südtirol und dem Trentino auf diese renommierte Messe für zeitgenössisches Design.

Schon der Name „Sciscioré“, ein ladinisches Wort für das Murmelspiel, bringt das Wesen des Projekts zum Ausdruck: eine leichte, aber präzise Bewegung, geprägt von Beziehungen, Bahnen und Möglichkeiten. „In den Alpen – und insbesondere im Grödnertal – war das Spiel historisch zugleich Ausdruck handwerklichen Wissens und Produktion: aus Holz geschnitzte und von Hand bemalte Spielzeuge, die weite Wege zurücklegen konnten und ihre Herkunft durch das Material selbst erzählten.“ Dieses Erbe, zusammen mit dem Bewusstsein, dass das Entwerfen und Vorstellen von Objekten an sich ein spielerischer Akt ist, spiegelt sich heute in der Arbeit von Designer:innen verschiedener Generationen wider, die die Beziehung zu den Bergen auf freie, experimentelle und reflektierte Weise neu interpretieren. Die ausgestellten Objekte – Möbel, Lampen, Accessoires, Textilien und Spielzeuge – entstehen genau aus diesem Dialog zwischen Wurzeln und Vision, zwischen Funktion und Imagination. 

Auch bei CASA SCISCIORÉ bleibt das Spiel als Leitmotiv bestehen. Gezeigt werden Objekte, die spielerisch gestaltet sind oder durch einen leichten, experimentellen Prozess entstehen – ähnlich wie bei Kindern, die ausprobieren, bauen, auseinandernehmen und wieder neu zusammensetzen. „Zwar ist der Raum nicht speziell für Kinder gedacht, doch die spielerische Dimension durchzieht jeden Raum und jedes einzelne Objekt. Wie Kinder alle Räume eines Hauses erobern, lädt auch CASA SCISCIORÉ dazu ein, die Umgebung als lebendigen, spielbaren Raum zu erfahren, in dem Kreativität, Funktion und Fantasie auf spielerische Weise miteinander verschmelzen,“ so Anna Quinz.

© Tiberio Sorvillo

Dass die Ausstellung nach Neapel nun auch in Bozen gezeigt wird, freut die Kuratorin besonders: „Es war und ist mir wichtig, alpines Design auch nach außen zu tragen. Darum wird es auch noch eine dritte Station von SCISCIORÉ geben, nämlich vom 21. Mai bis 28. Juni 2026 im ADI Design Museum – Compasso d'Oro in Mailand. Die Ausstellung in Bozen ist aber besonders wichtig, weil hier die Designer:innen ihr Potenzial, ihre Kreativität und ihre Ideen in ihrem ursprünglichen Umfeld zeigen – sie kehren also gewissermaßen nach Hause zurück.“ In Bozen erwartet alle Interessierten eine sorgfältig kuratierte Auswahl an Designobjekten von über 60 Designer:innen und Handwerker:innen. Einige davon waren bereits bei SCISCIORÉ in Neapel dabei, andere wurden über einen Open Call des Künstlerbundes eingeladen. „Den Großteil der Arbeiten habe ich ausgewählt, weil ihre Arbeiten einfach perfekt zum Thema des Spiels passen und mir ihr Ansatz sowie ihre Ästhetik besonders gefallen“, erklärt Quinz.

© Tiberio Sorvillo

CASA SCISCIORÉ öffnet seine Türen in der Weggensteinstraße 12A für das Publikum mit einer Vernissage am 16. April um 18:00 und kann bis einschließlich 20. Juni immer Donnerstag, Freitag und Samstag vormittags besucht werden. Besonderes Highlight: Am Samstag ist entweder Kuratorin Anna Quinz oder eine:r der Künstler:innen für einen Rundgang, einen Kaffee und ein Gespräch vor Ort ... wie in einem echten Zuhause eben!

In der Casa Sciscioré zu sehen sind folgende Künstler:innen: Aree di Studio, Marie Therese Auer, Antoinette Bader, Roland Baldi, Othmar Barth, Patrizia Bertolini, Walter Blaas, Luca Boscardin, Das Ganze Leben, Debiasi Sandri, Marco Dessí, Dissegna, Diyr.dev/unibz, Draw Studio, Robert Engl, Elisabeth Frei, Karolina Gacke, Martino Gamper, Elisa Grezzani, Alexander Gufler, Beatrice Harb, Insalata-mista Studio, Kira Kessler, Katharina Theresa Mayr, Ignacio Merino, Sissa Micheli, Christian Mittendorfer, Neue Serie Handdruck, Niva Design, Elisabeth Oberrauch, Miriam Pardeller, Patternhouse.org, Plank, Reinhard Plank, Kuno Prey, Othmar Prenner, Anuschka Prossliner, Paula Prugger, Patrick Rampelotto, Alessio Ramundo, Andreas Rier, Ruralurban, Sagaría, Dunja Scannavini, Ursula Schnitzer, Barbara Schweitzer, Giorgio Seppi, Luis Seiwald, Benno Simma, Judith Sotriffer, Sabine Steinmair, Reinhold Stoll, Laurenz Stockner, Ursula Tavella, Harry Thaler, Tiefenbacher Lehmann, Veronika Thurin, Paul Thuile, Ariel Trettel, Ùtol Ceramica, Gabi Veit, Vetroricerca, Cristina Vignocchi, Lucas Zanotto, Christian Zanzotti, Katherina Zoeggeler, Zilla.

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Tags

anna quinz, südtiroler künstlerbund, sciscioré, casa sciscioré, SKB LAB
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