Contemporary Culture in the Alps
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Visual Arts

Life is a canvas

Carmen Maria Alber im Frei.Raum des SKB

18.03.2026
Elisa Barison

© Carmen Maria Alber

Im Frei.Raum des Südtiroler Künstlerbundes in der Weggensteinstraße in Bozen ist seit vorgestern und noch bis Samstag die kunterbunte Malerin Carmen Maria Alber aus Kurtatsch einquartiert. Ein Quartier ist es deshalb, weil Carmen andauernd vor Ort ist und mit ihr sind Werke von 2018 bis heute und gleichzeitig darf aber jede und jeder vorbeikommen und Hand bzw. Pinsel anlegen und wer nicht aktiv werden möchte kann passiv mitmachen und sich portraitieren lassen und wer doch selber mal will kann bei einer Porträt-Malrunde mit Modell mitwirken und warum verwende ich keine Satzzeichen sondern immer wieder die Konjugation und? Weil sich so das Werk und die Person und das Universum von Carmen Maria Alber anfühlt. Mehr ist mehr im positiven Sinn. Deshalb ist sie auch für die sogenannten community paintings bekannt, wovon auch eines in-the-making im Frei.Raum ist. Es gibt eigentlich wirklich nicht so viel zu sagen, sondern viel mehr zu sehen und zu tun. Aber die wirklich interessanten Fragen, hat die Künstlerin trotzdem vorab beantwortet – juhu!

© Carmen Maria Alber

Was lässt sich mit Pinsel malen, das sich mit Worten nicht sagen lässt?
Mit Farbe kann man schon ganz schön viel ausdrücken, was mit Worten nicht so leicht ist. Wir sind immer überzeugt davon, dass es gesprochene oder geschriebene Worte braucht, um sich auszudrücken, dabei gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, zum Beispiel Tanzen, Kleidung oder eben Malerei. Und ich habe vor allem in den community live paintings, welche im Freiraum auch ausgestellt werden, bemerkt, dass es den Leuten richtig gut tut, mal eine andere Art zu finden, sich auszudrücken, einfach weil es intuitiver ist und weniger verkopft. Es gibt keine Regeln wie in der Sprache. Bei den Events, in denen ich Leute zum Malen motiviere, fordere ich sie einfach dazu auf, Farbe und Pinsel nach Gefühl zu wählen und dann jene Bewegung zu machen, die der Körper gerade will. Das ist so etwas Selbstverwirklichendes. Für mich kann man mit Malerei sehr viel loslassen. Es ist irgendwie etwas total Nahes und für mich eine der realsten Formen sich auszudrücken.

Muss Malen gelernt sein, damit es gelingt?
Nein, gar nicht. In der Malerei gibt es sicher auch einen technischen Part, aber ansonsten: Nein. Und was heißt gelingen? Für mich ist gelingen, dass es einem hilft, dass es einem gut tut, einen Mehrwert gibt. Dass es einem mehr Energie gibt, auch wenn malen natürlich körperlich anstrengend ist. Ich glaube, richtig gute Kunst ist authentisch und nicht gelernt. Da ich beruflich hauptsächlich Portraitmalerei mache, braucht es Technik, aber das muss ja nicht sein und nicht jede:r machen. Ich denke, der größere und wichtigere Teil ist der Ausdruck und das, was man fühlt. Und selbst wenn meine Portraits technisch gut wären, ich aber keinen Ausdruck und kein Gefühl reingebe, finde ich das schlimmer als fehlende Technik. Also wenn man die Authentizität spürt, ist es gelungen, finde ich. 

© Carmen Maria Alber

Ist die Kunst für dich ein Beruf oder eine Berufung?
Auf jeden Fall eine Berufung. Ich glaube, nein, ich hoffe, es wird irgendwann mal was geben, was mir wichtiger ist als die Malerei. [lacht] Einige Menschen sind mir natürlich wichtiger. Aber was für mich im Leben essenziell ist, ist hauptsächlich die Bilder zu malen, die ich noch malen will.

Der verrückteste Untergrund, auf dem du je gemalt hast?
Ich experimentiere gerade ein bisschen herum, aber ich denke der verrückteste Untergrund war der Partycontainer beim Foehrentanz in Barbian. Das war nämlich nicht nur ein Container: Wir haben auf einem Container gemalt, während darin Party gemacht wurde. DJs, tanzende Leute und sogar eine Performance – all das ist in diesem Container geschehen, während ich ihn bemalt habe. Als mir dann auch noch ein kleines Licht hingestellt wurde, habe mich gefühlt wie auf einer Bühne.

Wenn du eine Lieblingsfarbe wählen müsstest, welche wäre es?
Blau. Blau hat sich irgendwie durchgezogen. Auch in den community paintings kommt es immer wieder vor. Es gibt auch orange-gelbliche Akzente in Dingen. Aber ich glaube, Blau ist für mich irgendwie eine Farbe, die mich beruhigt, mir Tiefe gibt, aber dann auch nicht so übertrieben ist wie Gelb. Blau ist irgendwie alles, alles findet da Platz. Viele Leute sehen in Blau Traurigkeit, ich aber glaube, das ist nur, wenn man traurig ist. Wenn man hingegen glücklich ist, kann Blau auch etwas Luftiges sein. Ich finde es einfach eine angenehme Farbe.

© Carmen Maria Alber

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Tags

skb, südtiroler künstlerbund, frei.raum, SKB Artes, Carmen Maria Alber
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