Interview mit Sophie Wastian, Initiatorin des Georg-Paulmichl-Preises für Wort und Bild

© Georg Paulmichl
© Georg Paulmichl
„Traut euch, wenn ihr Ideen habt, auch wenn ihr etwas zum ersten Mal macht, auch wenn ihr nicht in allem Erfahrung habt, am besten, einfach mal starten und schauen, was passiert, denn in den meisten Fällen passiert eh etwas Tolles.“
Am Samstag, 28. Februar 2026, wird im aquaprad in Prad am Stilfserjoch um 10:30 erstmals der Georg-Paulmichl-Preis für Wort und Bild verliehen. Die Idee dazu hatte Sophie Wastian im Rahmen ihres Maturaprojektes. Von ihr stammt auch das Zitat oben. Unnötig zu sagen, dass ich neugierg geworden bin, als mir die Einladung digital entgegengeflattert ist, und ich unbedingt wissen wollte, wer hinter dieser Idee und Initiative, hinter diesem Projekt und Preis steckt.

Warum ein „Preis für Wort und Bild“?
Der Preis heißt so, weil Georg Paulmichl in seiner Arbeit Sprache und Zeichnungen eindrucksvoll miteinander verbunden hat und somit für viele zum Vorbild und zur Inspiration geworden ist. Diese Verbindung soll öffnen, weil damit viele verschiedenen Ausdrucksformen gemeint sein können und möglich sind, zum Beispiel auch Fotografie, Film, Theater und vieles mehr. Auch aus Gesprächen mit Fachpersonen mit langjähriger Erfahrung ging der Fokus auf Wort und Bild hervor.
Warum ist er nach Georg Paulmichl (1960–2020) benannt?
Der Preis ist nach ihm benannt, weil sein Lebenswerk absolut inspirierend ist und er die Fähigkeit hatte, seine Gefühle, Beobachtungen und Erfahrungen auszudrücken. Er war Maler und Schriftsteller und hatte ein großes Mitteilungsbedürfnis, sein Wunsch war es immer, seine Arbeiten nach außen zu tragen. Er sah sich auch immer als Dichter. Im deutschsprachigen Raum genießt er große Anerkennung für seine Arbeit. Zudem ist er Ehrenbürger von Prad. Auch mich hat sein Schaffen sehr berührt. Ich hab ihn als Person sehr geschätzt und bewundert, deshalb finde ich es wichtig, dass die Veranstaltung auch ihm zu Ehren stattfindet und er hoffentlich für die zukünftigen Preisträger:innen den Weg freigegeben hat.
Berühmt war jeder Mensch gearn. Wenn ma berühmt isch, norr kennt oan a jeder. Selm mecht jeder a Autogramm hobm. Wenn a viel int Zeitung drin bisch, norr bisch berühmt. I bin iatz olm viel int Zeitung drin. Berühmt sein isch olm eppas scheans.
Wer ist der erste Preisträger und was zeichnet ihn aus?
Der erste Preisträger ist Elmar Rufinatscha. Er hat gemeinsam mit Dietmar Raffeiner für den Vinschger über zwei Jahre 50 Glossen geschrieben. Darin setzt er sich niemals oberflächlich mit der Welt auseinander. Indem er tief auf das Leben und die Gesellschaft eingeht, schafft er es, die Menschen zum Nachdenken zu bringen, aber auch zum Lachen, und ihnen den Spiegel vorzuhalten. In seinen sehr originell geschriebenen Texten macht er neben seiner eigenen auch andere Lebensrealitäten sichtbar. Denn ihm war und ist es äußerst wichtig, dass seine Texte gelesen werden, er gesehen und auch berühmt wird. Er ist ein toller erster Preisträger, finde ich, denn er hat mit seiner Arbeit gewiss viel bewegen können.
Was hat dich motiviert, diesen neuen Preis zu initiieren?
In der Landesfachschule für Sozialberufe sollten wir im Herbst im Fach Projektmanagement ein soziales Projekt planen – nicht zur groß, mit wenig Aufwand. Doch in mir wurde sogleich der Wunsch stark, etwas mit einem Mehrwert zu schaffen, das bleibt. Ich wollte auch unbedingt spüren und erfahren, welche Prozesse und Herausforderungen bei der Entwicklung eines sozialen Projekts zu erleben und zu bewältigen sind. Ich erinnere mich, wie ich nach einem ersten Brainstorming das Zitat von Hannah Arendt „Sich anderer annehmen bedeutet, dem Leben einen Sinn geben“ draußen am Schulgebäude lesend gedacht habe: Ich möchte etwas für jene Menschen schaffen, die mich immer schon einen tieferen Sinn spüren lassen haben – und das waren viele Menschen in sozialen Bereichen. Gleichzeitig ist es mir ein großes Bedürfnis, diesen Menschen etwas zurückzugeben. Ich finde, die Ausdruckskraft und Kreativität, wie sie etwa Georg Paulmichl, Elmar Rufinatscha und vielen anderen Menschen innewohnt, verlangt nach Anerkennung auch im öffentlichen Raum. Bewußt findet die Preisverleihung nicht in einer Werkstatt statt. Künstler:innen werden auf Bühnen geehrt, gut sichtbar, inmitten der Gesellschaft.
Ounschoffer gibs ah. Di Ounschoffer schoffn in gonzn Tog oun. Zmorgets fongen di selme schun oun mitn ounschoffn. Di Ounschoffer tean nicht liebr as ondre af di Sockn gean. I honn Ounschoffer ah schun kennan glearnt. Pa di Ounschoffer isch besser ma stellt aus.
Was erwartest und wünschst du dir?
Ich wünsche mir, dass Menschen eine neue Perspektive einnehmen können und Vielfalt feiern. Das Tolle am Projekt ist, dass es nicht beim feierlichen Moment auf der Bühne bleiben wird, sondern dass die Preisträger:innen gemeinsam mit den von mir bewußt ausgewählten Kooperationspartnern unterstützt werden. Diese haben auch umfangreichere Möglichkeiten und Ressourcen als ich als Studierende etwa, und können neue Räume öffen, in die Zukunft begleiten und fördern. Mir war es deshalb wichtig, möglichst viele Partner ins Boot zu holen. Das Projekt ist als mein Maturaprojekt gestartet – ich habe, sozusagen, einen Stein in einen See geworfen, der Wellen geschlagen hat – und nun darf daran weitergearbeitet werden, Institutionelles, Bewertungskriterien usw. ausdefiniert werden. Ich wünsche mir auch, dass politische Verantwortungsträger:innen die Wichtigkeit erkennen, und hoffe auch, dass durch derartige Projekte Menschen, die in Wohnheimen und Werkstätten arbeiten und begleiten, achtsamer werden und gezielter hinschauen, auf Talente aufmerksam werden und die Vielfalt erkennen. Talent ist niemals eindimensional. Der Preis soll Offenheit in der Gesellschaft bewirken, für die Preisträger:innen einen Mehrwert bieten und sie zwei Jahre gut begleiten. In Zukunft soll sich die Jury aus Fachpersonen aus Literatur, Kunst, Sozialarbeit usw. sowie den ehemaligen Preisträger:innen selbst zusammensetzen. Ich hoffe, dass der Georg-Paulmichl-Preis für viele Jahre noch viele schöne Preisträger:innen hervorbringt.
A Gebiss hobm isch a modern, weil früher sein sie olle zohnlucket gwesn. Oune Gebiss schaugsch aus wia Vouglschuich. An Profum aue tean isch modern und in. Weil stinkn sell isch oltmoudisch.
Zur feierlichen Preisverleihung der ersten Ausgabe des Georg-Paulmichl-Preises für Wort und Bild laden am Samstag, 28. Februar 2026, um 10:30 Uhr in den Raiffeisensaal im aquaprad, Kreuzweg 4c, in Prad am Stilfserjoch die Initiatorin Sophie Wastian mit Bürger*Genossenschaft Obervinschgau, Landesfachschule für Sozialberufe Hannah Arendt, Forschungsinstitut Brenner Archiv, Südtiroler Künstler:innenbund, Lebenshilfe Onlus, Land Südtirol, Marktgemeinde Prad am Stilfserjoch, Raiffeisenkasse Prad-Taufers.
Begrüßung: Bürgermeister Rafael Alber der Marktgemeinde Prad am Stilfserjoch
Grußworte: Landesrat für Kultur Philipp Achammer
Projektvorstellung und Dankesworte: Sophie Wastian, Initiatorin des Georg-Paulmichl-Preises für Wort und Bild
Laudatio: Prof. Dr. Toni Bernhart
Preisverleihung an Elmar Rufinatscha
Moderation: Adina Guarnieri
Musik: Prader Böhmische
Umtrunk: Bürger*Genossenschaft Obervinschgau
Im Anschluss an die Preisverleihung an Elmar Rufinatscha erhalten alle Besucher:innen die Publikation „ELMARS BLICK AUF DIE DINGE“ mit allen Glossen von Elmar Rufinatscha. Außerdem wird sie dann auch im öffentlichen Raum aufliegen.