„Il paese di dopodomani“ in der Ar/Ge Kunst in Bozen

Il Paese di dopodomani, Exhibition view, Ar/Ge Kunst, 2025, © Tiberio Sorvillo
Lauter Wörter, die sich auf Zeit und ihr Vergehen beziehen. Dabei stellt sich gleich in einem der Videogespräche in der Ausstellung Il paese di dopodomani in der Ar/Ge Kunst in Bozen die Frage, ob lineare Zeit nicht ebenso ein geistiges Konstrukt ist wie Zeit und Uhrzeit überhaupt. Eine der vielen Antworten darauf lautet, dass wir Menschen diese Vorstellung von Zeit geschaffen hätten, um uns besser organisieren zu können, und daher gleich vorweg: Die Ausstellung ist noch bis diesen Samstag, 14. Februar 2026, zu sehen, also auf auf!
Eine weitere Frage in den Videogesprächen, welche die Kuratorin der Ausstellung Francesca Recchia, einer Reihe von Künstler*innen, Aktivisti*innen, Architekt*innen und Kolleg*innen, stellt ist: „Wie können wir uns Praktiken vorstellen, die Räume öffnen, ohne bloß symbolisch zu sein?“.
Nun, ich persönlich finde, diese Ausstellung ist ein solcher Ort.

Kunst wird oft die Fähigkeit zugeschrieben, sich Alternativen für die Gegenwart oder Zukunft ausmalen zu können, „bessere“ und mögliche Zukunftsszenarien zu imaginieren (so auch die Leitfrage der Ausstellung), doch ganz oft scheint dies ein bloß symbolischer Akt bzw. eine leere Hülle zu sein, die selten an den Aussagen und Praktiken der Künstler*innen selbst liegt, sondern ganz oft am Rahmen, der Institution oder der Instrumentalisierung dieser.
In diesem Fall haben die aktuellen künstlerischen Leiterinnen von Ar/Ge Kunst, Zasha Colah und Francesca Verga, die Pädagogin, Wissenschaftlerin, Schriftstellerin und Kuratorin Francesca Recchia (*1975, Avezzano, Italien) eingeladen, diese Ausstellung zu kuratieren, welche wiederum ihre fünfjährige Nichte Emma Snædis Recchia als Co-Kuratorin eingeladen hat. Dazu gibt es Werke von Stefano Graziani (*1971, Bologna, Italien), Lorenzo Tugnoli (*1979, Lugo, Italien) und Aziz Hazara (*1992, Wardak, Afghanistan) zu sehen und auf zwei Monitoren antworten die oben erwähnten Kolleg*innen von Francesca Recchia auf diverse Fragen zu unserer Vorstellungs- und Handlungskraft rund um die Gegenwart und Zukunft: Sandi Hilal (*1973, Beit Sahour, Palästina) und Alessandro Petti (1973, Pescara, Italien), [Gründer von Decolonizing Architecture Art Research 2007]; Ram Bhat (1981, NeuDelhi, Indien), Ekta Mittal (*1978, Indien), [Gründer von Maraa 2008]; Sanjay Kak (*1958, Pune, Indien); Amanullah Mojadidi (*1971, Jacksonville, USA); Jayaraj Sundaresan (*1972, Thrissur, Indien).

Es klingt so einfach zu sagen „Kinder an die Macht“ und, dass wir mehr auf diese hören sollten. Frasi fatte, könnte man meinen. Aber es sind doch wirklich sie, welche übermorgen gestalten werden, warum also nicht bereits jetzt aus ihrer Perspektive die Dinge betrachten? Dafür gibt es ein tolles kleines Fernglas in der Ausstellung und bemalte Steine. Nochmals, danke Emma.
