Sie ist Pianistin und Organistin, Chorleiterin und Komponistin, spielt in mehreren Formationen und begleitet zeitgenössische Tanzklassen am Klavier und mit elektronischer Musik. Aufgewachsen ist sie in Brixen, zurzeit lebt und arbeitet sie in Rom. Michèle Schladebach ist eine der neun Komponist:innen, deren Werke im Rahmen des internationalen Kompositionswettbewerbs zum Thema Freiheit und Frieden am Sonntag, 1. Februar 2026 um 17:00 im Konservatorium Claudio Monteverdi in Bozen uraufgeführt werden.
Eingereicht worden waren mehr als 60 Kompositionen aus der ganzen Welt. Initiiert wurde der Kompositionswettbewerb vom Südtiroler Künstler:innenbund, vom Südtiroler Chorverband, von der Landesdirektion der deutschen und ladinischen Musikschulen, von der Katholischen Männer- und Frauenbewegung und von Südtirols Katholischer Jugend. Die künstlerische Leitung liegt bei Josef Lanz, dirigiert werden die Uraufführungen von Luigi Azzolini, Emir Saul sowie Martin Wieser, Otwin Nothdurfter liest, Dieter Scoz moderiert.
Aufrüttelnd und stark verspricht der Konzertspätnachmittag zu werden. Zur Einstimmung lassen wir uns von Michèle Schladebachs Antworten inspirieren …
Wie würdest du deine musikalische Prägung beschreiben?
Meine musikalische Prägung ist stark klassisch verwurzelt. Dabei bilden mein klassisches Klavierstudium in Venedig und Parma das Fundament, welches ich durch Komposition, Chorleitung, elektronische Musik und Jazz bewusst erweitert habe.
About the authorKunigunde WeisseneggerGeboren an einem hitzigen Heunachmittag, ewiges Bergkind und immer Waldmensch. Außerdem und hauptsächlich liebe ich Sprachen und Sprache. [...] More Wie komponierst du?
Ich komponiere meist aus der Praxis heraus. Oft entstehen Stücke in Verbindung mit konkreten Menschen, Räumen oder Situationen – etwa für Chöre, für Tanz oder für liturgische Kontexte.
Wie hast du das Thema des Kompositionswettbewerbes „Freiheit & Frieden“ interpretiert?
Frieden und Freiheit empfinde ich als fragile Zustände. In meiner Komposition wollte ich diese Zerbrechlichkeit hörbar machen. Der musikalische Satz löst sich im Laufe des Stückes zunehmend auf und verweist so auf die Unsicherheiten und Konflikte unserer Zeit.
Verrätst du uns etwas mehr über deine Komposition?
„Da pacem Domine“ basiert auf einem lateinischen Friedensgebet für vier Stimmen. Der Text wird musikalisch fragmentiert und spiegelt so Unruhe und Zerrissenheit wider. Die Coda ist bewusst versöhnlich gehalten und gibt einen hoffnungsvollen Ausblick. Charakteristisch ist die Offenheit der Form: Einzelne Teile können je nach Kontext ad libitum gesungen oder weggelassen werden.
Was erhoffst und oder erwartest du dir von deiner Uraufführung?
Ich wünsche mir, dass das Publikum einen Moment des Innehaltens erlebt. Wenn die Zuhörer:innen die Ambivalenz zwischen Unruhe und Hoffnung wahrnehmen, hat das Stück für mich sein Ziel erreicht.
Du spielst und dirigierst auch. Was ist der Unterschied zum Komponieren?
Beim Spielen, Dirigieren und Begleiten bin ich im direkten Austausch mit anderen. Das Komponieren ist dagegen ein sehr stiller, konzentrierter Prozess. Beide Bereiche ergänzen sich jedoch stark: Die tägliche Arbeit mit Musiker:innen und Tänzer:innen schärft meinen Blick für das Wesentliche im kompositorischen Schreiben.
Was steht als Nächstes an?
Seit 2023 lebe ich in Rom und widme mich intensiv der Arbeit mit Tanz – klassisch und zeitgenössisch, am Klavier und mit elektronischer Musik. Parallel dazu entwickle ich weiterhin interdisziplinäre Projekte an der Schnittstelle von Musik, Bewegung und Raum.