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April 6, 2022

Stimmen für die Ukraine im Stadttheater Bozen

Kunigunde Weissenegger

Auf Initiative von Sabine Gruber findet am Sonntag, 10. April 2022 ab 11 Uhr im Großen Haus des Stadttheaters in Bozen bei freiem Eintritt eine literarische und musikalische Benefiz-Matinée statt. In Zusammenarbeit mit den Vereinigten Bühnen Bozen, dem Teatro Stabile di Bolzano, der Stiftung Haydn von Bozen und Trient und der Stiftung Stadttheater Bozen hat die Schriftstellerin diese Spendenaktion für die Initiative „Literatur hilft. Spenden für die Ukraine“ und für das Weiße Kreuz auf die Beine gestellt.

Sabine Gruber zum Anlass: „Der Krieg kommt nicht von nirgendwo, er wird vorbereitet, steht schon in dem Buch ‚Keiner war dabei‘ der kroatischen Schriftstellerin Slavenka Drakulić. Sie war viele Monate Zeugin der Verhandlungen vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, wo die Kriegsverbrecher der Balkankriege vor Gericht standen. Schriftsteller und Dichterinnen haben ein feines Sensorium für diese Vorbereitungen, für gesellschaftliche oder politische Veränderungen – man sollte ihnen mehr Gehör schenken. Deswegen fand ich es nur richtig, die ukrainische Literatur in den Mittelpunkt der Veranstaltung zu stellen, gelesen von prominenten Südtiroler Kulturschaffenden aus Film, Theater, Musik, Kunst und Literatur, die hoffentlich viel spendenfreudiges Publikum anziehen.“ 

Mutige, traurige und poetische Texte aus dem Land, in dem Krieg herrscht, werden Gerti Drassl, Gustav Hofer, Manuela Kerer, Alessandra Limetti, Tanja Maljartschuk, Max Meraner, Krista Posch, Esther Stocker, Joseph Zoderer vortragen. Es sind aus dem Ukrainischen ins Deutsche und ins Italienische übersetzte Worte von Juri Andruchowytsch, Yevgenia Belorusets, Jelena Fanajlova, Lina Kostenko, Myroslaw Lajuk, Tanja Malyartschuk, Katja Petrowskaja, Taras Prochasko und Serhij Zhadan.

Stimmen für die Ukraine Bozen„Was kann man gegen diesen schrecklichen Krieg tun? Wie kann man helfen? Protest ist das eine, aber konkrete Hilfe das andere.“ Sabine Gruber: „Die Menschen in der Ukraine brauchen dringend Medikamente, Verbandsmaterial, Hygieneartikel, Kindernahrung, haltbare Lebensmittel usw. – die Initiative ‚Literatur hilft. Spenden für die Ukraine‘ kooperiert mit der Tiroler Speditionsfirma Nothegger, die den Transport der Güter in die Ukraine ermöglicht – die Aktion wird von Buchhandlungen, Literaturhäusern, Autorinnen und Autoren unterstützt. Ein Teil der Spendeneinnahmen der Benefiz-Matinée wird helfen, den LKW mit Überlebensnotwendigem zu füllen, der andere Teil wird dem Südtiroler Weißen Kreuz zukommen, das ebenfalls Menschen aus und in der Ukraine hilft.“

Die Schriftstellerin war selbst Mitte März dazu eingeladen, bei einer Benefizveranstaltung, organisiert vom österreichischen Schriftsteller Martin Pollack zusammen mit Katja Gasser (ORF) und dem Wiener Volkstheater, zu lesen: „Da ich 2008 in der Ukraine auf Lesereise gewesen war und mich schon damals quasi als Reisevorbereitung ein wenig in die ukrainische Literatur eingelesen hatte, begann ich im Kopf meinerseits ein kleines Programm zusammenzustellen – ich dachte erst an einen Abend im überschaubaren Rahmen. Dann kontaktierte ich spontan Irene Girkinger, die Intendantin der Vereinigten Bühnen Bozen, und sie war sofort begeistert von der Idee einer Benefizveranstaltung und band das Teatro Stabile und das Haydn Orchester ein – so fügte sich eins ins andere. Ich finde es schön, dass die Veranstaltung nun zweisprachig stattfindet, dass Übersetzungen aus dem Ukrainischen ins Deutsche und ins Italienische vorgelesen werden. Donatella Trevisan hat die Auswahl der italienischen Texte übernommen, gemeinsam moderieren wir die Matinée.

Der Titel der Veranstaltung – Nacht und dunkel bis zum Halse. Con la notte e il buio alla gola – entstammt einem Gedicht des ukrainischen Dichters Wassyl Stus (Jahrgang 1938). „Stus hatte sich für die kulturelle Autonomie der Ukraine eingesetzt, er hatte Menschenrechtsverletzungen öffentlich angeprangert und gegen die Inhaftierung von ukrainischen Intellektuellen protestiert, dafür hatte er zu Sowjetzeiten 23 Jahre Lager und Verbannung ‚kassiert‘. Man warf ihm antisowjetische Agitation und Propaganda vor. Zuletzt war er in dem berüchtigten Straflager Perm 36 im Ural, wo er 1985 starb“, erklärt Gruber. „Er steht für all die mutigen ukrainischen Schriftstellerinnen und Intellektuellen, die sich für Meinungsfreiheit einsetzen, für eine freie, demokratische Ukraine und die außerdem schon seit vielen Jahren vergeblich vor Putins rücksichtsloser Expansionspolitik gewarnt hatten. Statt sie ernst zu nehmen, warf man ihnen Russophobie vor, tat ihre Bedenken als Übertreibungen ab. Auch die ukrainische Schriftstellerin Tanja Maljartschuk, die am Sonntag persönlich anwesend sein wird, hatte schon 2014 in einem Interview in der Wiener Zeitung Russlands massives Interesse an der Ukraine klar benannt.“ 

Spenden für die Ukraine:

Literatur hilft | La letteratura aiuta
IBAN AT 60 2022 8000 0043 9752
Kremser Bank BIC: SPKDAT 21XXX
Spendenkonto Ukraine | Conto corrente Ucraina 

Weisses Kreuz | Croce Bianca
IBAN: IT 29 C 03493 11600 000300058998
BIC: RZSBIT2B
Grund | Voce: Hilfe für Ukraine | Aiuti per l’Ucraina

 

Bilder: (1) Sabine Gruber; (2) Arnold Mario Dall’Ò 

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