Music

December 19, 2020

Eine ganz eigene Schiene: Marion Moroder, UploadSounds-Gewinnerin 2021

Florian Rabatscher

Heute vor einer Woche ging das Uploadsounds-Finale über die virtuelle Bühne. Virtuell, da das Publikum die Preisverleihung und das Abschlusskonzert von Headliner und Gewinnerin lediglich über einen Online-Live-Stream verfolgen konnte. Das war aber nicht das einzige Spezielle. Auch die zwölf Acts, die es ins Finale geschafft hatten und hinter verschlossenen Türen vor der Jury auftraten, waren alles andere als gewöhnlich: von harten Gitarrenklängen bis zu depressivem Italo-Indie-Sound, von Trap bis zu neapolitanischem Storytelling, von Jazz- bis zu Pop-PianistInnen, von seltsamen elektronischen Klängen bis zum Sound der 80er Jahre. Dann war da noch ein Act, der mit seinem Text sogar ein Kunstwerk malte, im wahrsten Sinne des Wortes. Beeindruckend ist vor allem, dass bei den Auditions auffallend viele junge Leute auf der Bühne standen. Ihr Sound lässt auch in diesen Zeiten wieder optimistisch werden. Vergesst den Virus und die Krise, die er mit sich bringt, denn wenn so die Zukunft klingt, kann ich nur sagen: Her damit.

Trotzdem war der Abend des 12.12. auch ein Contest: Am Nachmittag fanden ohne Publikum die schweißtreibenden Auditions vor der hochkarätigen Jury statt. Als die Jury dann endlich gewählt hatte, lag Girl-Power in der Luft. In meinem Kopf summten die Spice Girls ihr bekanntes: „I’ll tell you what I want, what I really, really want. So tell me what you want, what you really, really want…”

Drei der begehrten Preise gingen nämlich völlig verdient an alle weiblichen Teilnehmerinnen des Abends, ausgenommen die männlichen drittplatzierten Cartapesta drängten sich mit ihrem melancholischen Indie-Sound dazwischen, der gekonnt das Gefühl der Post-Quarantäne einfängt. Der Preis für die besten KünstlerInnen „Under 21“ ging an die junge Boznerin Bianca, welche  die Jury allein mit ihrem virtuosen Pianospiel und ihrer äußerst relaxten Stimme verzauberte. Platz Zwei holte sich Baiba aus Tirol, die fette Beats und wunderschöne Gesänge um die Ohren haute. Und dann war da noch die Gewinnerin des Abends: Marion Moroder. Gröden? Musik? Moroder? Eine Mischung, die immer schon für herausragende Klänge stand. Aber lasst euch bloß nicht nur vom Namen beeindrucken, denn diese Künstlerin fährt musikalisch ihre ganz eigene Schiene. Wir haben sie angerufen, weil wir mehr wissen wollten, sie ist rangegangen und hat einiges über sich erzählt …

Stell dich doch bitte kurz vor …

Ich bin Marion, 19 Jahre alt und komme aus St. Ulrich in Gröden. Seit ich 6 Jahre alt bin, mache ich Musik. Mit dem Schlagzeug habe ich angefangen, später ging es weiter mit Gitarre und Klavier. Mit 13 Jahren habe ich begonnen, meine eigenen Lieder zu schreiben und in verschiedenen Band-Konstellationen zu spielen.Marion Moroder 2 (c) Uploadsounds

Ach, so früh schon eigene Songs geschrieben? Und zu der Zeit hattest du auch schon eine Band?

Also Songs habe ich mehr für mich allein geschrieben und mit der Band spielten wir Cover-Songs. Ich hatte damals diese Band mit noch vier Mädchen in St. Ulrich und es war einfach eine Spaßsache, wir trafen uns einfach und spielten miteinander. 

Was habt ihr gecovert?

Hauptsächlich Rock. Viel von den Beatles, auch Supertramp, Pink Floyd und solche Sachen. Klassiker, wenn man so will. 

Interessant, also kommst du aus dieser Sparte?

Ja, speziell die Beatles waren einfach meine Lieblingsband in diesem Alter. Ich hörte sie wirklich leidenschaftlich …

… was für deine Generation schon eher speziell ist …

[lacht] Das stimmt, ich wurde deswegen auch öfters von Gleichaltrigen schief angeschaut.

Wie kamst du dann zum Folk?

Mit der Zeit hörte ich diese Musik immer mehr, aber auch Johnny Cash und sonstigen Country. Auch kam ich aufgrund der Gitarre näher zum Folk, dann kam noch eine Basstrommel und ein Tamburin dazu und ich war vollkommen drin.

Bist du auch vielleicht eher ein „Naturmensch“, da dich diese Musik so anspricht?

Ja, eigentlich schon. 

Du strahlst das auch irgendwie aus, so eine gewisse Ruhe. Etwas, was heute immer seltener wird, da wir ja in einer höchst hektischen Gesellschaft leben. Ist deine Musik vielleicht auch eine Art Gegenbewegung dazu?

Musik war für mich immer schon entspannend und ich nutzte sie auch, um mich selbst zu beruhigen. Ich hörte unentwegt Musik, auch nachts, vor dem Einschlafen beispielsweise, einfach, um mir was Gutes zu tun. Auch als ich Songs schrieb, war ich anfangs oft in der Natur unterwegs, vielleicht hängt es auch damit zusammen. Als Teenager nutzte ich das Songwriting auch, um meine Gefühle zu verarbeiten und einzuordnen.MarionMoroder_Upload2

Worum geht es in deinen Texten schlußendlich, nur um Liebe?

[lacht] Nein, eigentlich sogar ziemlich wenig. Natürlich sind meine ersten Texte ziemlich banal, mittlerweile versuche ich schon tiefer zu gehen. Es beginnt mit einer Vorstellung, worüber ich schreiben möchte, und dann verliere ich mich völlig darin. Oft sind die Texte nicht einmal mehr real. Man könnte sagen, meine neuen sind für mich verständlich, aber für Außenstehende nicht wirklich. 

Jedenfalls versteht man, dass du jetzt mehr aus deiner Musik machen willst. Nicht?

Ja, ich weiß natürlich, dass es in diesen Zeiten umso schwieriger sein wird. Davon zu leben ist natürlich ein utopischer Traum, aber ich verfolge ihn trotzdem. Ich versuche es wenigstens und möchte jetzt die Zeit nach der Matura dafür nutzen, um alles dafür zu tun, soweit es geht. Was die Zukunft dann letztendlich bringen wird, steht noch in den Sternen …

Aber als ruhiger „Naturmensch“ könntest du dir auch vorstellen, für die Musik in eine hektische Großstadt  zu ziehen?

Auf jeden Fall! Das wäre sogar mein Plan für nächstes Jahr.

Hast du keine Angst davor, dass du und deine Musik dadurch dem Mainstream verfallen?

Ja … aber ich finde das auch irgendwie nicht schlecht. Ich war nämlich in Berlin, um Straßenmusik zu machen und das hat mich nur positiv beeinflusst. Dadurch wurde ich viel selbstbewusster, was man auf der Straße einfach benötigt. Veränderung muss auch nicht zwingend an der Großstadt liegen, ich merke auch jetzt schon den Riesenunterschied zwischen meinen neuen Songs und denen, die ich mit 14 geschrieben habe. Veränderung wird immer da sein. Jedenfalls möchte ich auch einmal eine Großstadt erleben und einfach mal raus aus dem kleinen Dorf …

… live hat man auch gemerkt, dass du sogar ein paar Electronic-Einflüsse hast.

Wahrscheinlich weil ich mir einen Synth zugelegt habe. Ich experimentiere auch mit diversen Stimmeffekten, dadurch wirkt es dann elektronischer. Den veränderten Sound finde ich natürlich bei Instrumenten extrem interessant, solange sie trotzdem live eingespielt werden können. Alles zu loopen wäre nichts für mich, da würde ich die Ehrlichkeit beim Spielen vermissen. Trotzdem liebe ich es, Vieles auszuprobieren.

Weil wir gerade von Electronic sprechen: Nervt es dich eigentlich, wenn du wegen deines Nachnamens auf Giorgio Moroder angesprochen wirst?

[lacht] Nein, gar nicht. Ich respektiere Giorgio total dafür, dass er mit 16 Jahren von zuhause weg ging, um alles, was er hatte, in die Musik zu investieren. Naja, man sieht ja, wie weit er es gebracht hat. Auf irgend eine Art und Weise ist er somit auch ein Vorbild für mich, wenn man bedenkt, dass er in der damaligen Zeit den Mut hatte, seinen Träumen nachzujagen. 

Seid ihr eigentlich verwandt?

Ja, aber weit entfernt. Ich glaube, er ist der Cousin meines Opas, oder so … Die Leute fragen mich das öfters, aber ich habe mich dazu immer noch nicht schlau gemacht. 

Hast du ihn mal kennengelernt?

Ihn nicht, aber seine Frau. 

Ok, genug von Giorgio. Erzähl uns doch lieber etwas zu deinem zukünftigen Album!

Es kommen zehn bis zwölf Lieder rauf, die schon vor längerer Zeit von mir geschrieben wurden. Alle Songs werden als Band aufgenommen, dabei werde ich von ein paar Freunden von mir unterstützt. Ich kann soviel verraten: Es wird sicher kein klassisches Folk-Album. Mein Fokus liegt vor allem auf der Stimme, auch mit verschiedenen Effekten. Die Songs sind zeitlich in großen Abständen entstanden, weshalb das Album ziemlich vielseitig ausfallen wird. Der Release sollte planmäßig im Frühjahr 2021 sein, aber ob das klappt, kann man bei der derzeitigen Lage noch nicht sagen. Ich hoffe es jedenfalls …

Wird es auch auf Vinyl erscheinen?

Auf jeden Fall! Das gehört meiner Meinung nach einfach dazu. Es ist doch viel schöner, eine Platte in den Händen zu halten. Aber auch auf CD und natürlich digital.MArionMoroder_Upload3

Gratuliere zum Sieg beim Uploadsounds-Finale! Hättest du das erwartet?

Nein, es war total überraschend. Mental war ich eher auf den „Under 21“-Preis eingestellt, aber erster Platz? Auf keinen Fall! Ich wusste ja, was für MusikerInnen dort teilnehmen. 

Was hältst du eigentlich vom Konzept „Contest“? Wettkampf und Musik. Passt das zusammen für dich?

Bei Upload habe ich es überhaupt nicht als Konkurrenzkampf empfunden. Ich habe dort einfach sehr viele neue Leute und super MusikerInnen kennengelernt. Aus meiner Sicht war es einfach ein Aufzeigen, was man kann. Es war zudem bestens organisiert und man hatte nie das Gefühl, dass etwas fehlt. Man wusste, dass man Teil von etwas Ehrlichem ist. Du spielst deine Musik und sie wird genauso respektiert und angenommen. – Was nicht bei jedem Contest der Fall ist. Bei Upload geht es mehr darum, Kontakte zu knüpfen und seine Musik zu präsentieren, wie sie wirklich ist. 

Und? Das Preisgeld schon rausgehauen?

[lacht] Nein, ich muss erst sehen, ob ich es komplett in das Album investiere oder auch noch etwas ganz Neues damit mache. Jedenfalls ist es eine Riesenhilfe für weitere musikalische Projekte. Es ist einfach Geld, das ich sonst niemals hätte, denn ich mach ja gerade erst meine Schule fertig.

Wie würdest du deine Musik in einem Satz beschreiben?

Ich versuche meine Leidenschaft über die Musik an das Publikum weiterzugeben.

Fotos: (1) Marion Moroder; (2)+(3)+(4) Uploadsounds  

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